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Gamescom-Messe gestartet - Vom Nischen-Dasein zum "Kulturgut"

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Bei der Gamescom tummeln sich seit heute Computerspielfans - anders als früher fristet ihr Hobby aber kein Nischen-Dasein mehr. Games sind längst Thema für die ganze Gesellschaft.

In Köln wurde heute die größte Computerspielmesse der Welt eröffnet. Sie feiert ihr zehnjähriges Jubiläum.

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Als im vergangenen Jahr erstmals Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Gamescom in Köln eröffnete, wurde das in der Branche als "Ritterschlag" gefeiert. Und es stimmt: In Zeiten der sogenannten Killerspiel-Debatten wäre so ein Besuch wohl unmöglich gewesen. Computer- und Videospiele haben einen weiten Weg hinter sich, so viel ist klar. Was früher nur einige wenige Cracks in ihren stillen Stuben interessierte, gilt heute als - Zitat Merkel - "Kulturgut". Motto der diesjährigen - zehnten - Gamescom (bis 25. August) ist daher "Vielfalt gewinnt".

Forscher: Spiele sind Teil von alltäglichen Routinen

Insgesamt seien Computerspiele "veralltäglicht" worden, sagt der Berliner Forscher Christoph Bareither. Der Juniorprofessor für Europäische Ethnologie an der der Humboldt-Universität in Berlin beschäftigt sich mit Spielen und ihrer Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Spiele seien mittlerweile Teil von normalen, alltäglichen Routinen. "Für Computerspieler selbst sind sie so normal wie für andere Fußballspielen. Der noch bestehende Unterschied ist: Während Fußballspielen in unserer Gesellschaft einen relativ unhinterfragten Stellenwert hat und es zum Beispiel völlig legitim ist, dass man für ein Deutschland-Spiel früher von der Arbeit nach Hause geht, ist das bei Computerspielen noch nicht so."

Dass Fußball so akzeptiert sei, hängt nach Ansicht des Experten auch mit der Vorstellung von Gesundheit zusammen, die viele haben. "Das Sitzen am Bildschirm passt da nicht ins Bild", betont Bareither. Zudem würden Computer- und Videospiele mit Gewalt verknüpft. "Dass Menschen daran Spaß haben, mit Repräsentationen physischer Gewalt zu spielen, ist für viele andere Menschen noch ein Problem." Gleichzeitig seien die Übergänge fließend, schließlich "ballere" man auch beim Kicken und mache den Gegner "fertig". "Wenn man wollte, könnte man das auch als Metapher für Gewalt lesen."

50 Millionen Euro für Spiele-Entwickler

Auch bei der Förderung der deutschen Computerspiel-Entwickler hat sich einiges getan: 3,3 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2017 für Spiele und Hardware aus. Der Anteil deutscher Spieleanbieter liege auf dem Heimatmarkt aber nur bei rund fünf Prozent, sagte der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, Bernhard Rohleder, im ZDF mittagsmagazin.

"Man hat erkannt, dass wenn 30 Millionen Deutsche Computerspiele machen, dass es kein Nischenphänomen ist, sondern dass es auch die Politik angehen muss und dass es politische Flankierung, auch Unterstützung braucht", betonte er. Zwar habe Kanzlerin Angela Merkel ihr Versprechen gehalten, die Branche zu unterstützen. Aus einem 50-Millionen-Fonds sollten nun Spiele - auch von kleinen Entwicklern - gefördert werden.  Es sei jedoch schwer, Top-Entwickler nach Deutschland zu holen.

Erstmals mehr als 1.000 Aussteller

Ein Hauch von Geschichte weht in diesen Tagen durch die Messehallen - es ist die zehnte Gamescom. 2009 löste sie die Gamesconvention in Leipzig ab. Für die Stadt in Sachsen war es ein herber Schlag. In Köln sahen die Verantwortlichen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) - mittlerweile aufgegangen im Game, dem Verband der deutschen Games-Branche - bessere Perspektiven, dynamisch zu wachsen.

Heute kann man sich leicht verlaufen, wenn man die Gamescom besucht. Massiv gewachsen ist die Messe nämlich tatsächlich. "In so einer schnellen Branche kann man nie zehn Jahre vorausschauen. Aber wir hatten damals eine Vision", sagt Tim Endres von der Koelnmesse, verantwortlich für die Gamescom. Er rechnet vor: "2009 sind wir mit rund 450 Ausstellern gestartet - in diesem Jahr werden wir die 1.000-Aussteller-Marke knacken. Im vergangenen Jahr hatten wir 355.000 Besucher - im ersten waren es rund 245.000." Zudem sei die Messe sehr viel internationaler geworden.

Messe bedient unterschiedlichste Spiele-Typen

Die Gamescom ist Fachmesse und Event zugleich. Jenseits der nackten Zahlen zieht sie ihre Bedeutung daraus, eine Art Vergrößerungsglas für die Video- und Computerspielszene zu sein. Was vor 30 Jahren noch absolute Nische war, schwappt heute weit in den Mainstream, inklusive einer unüberblickbaren Zahl an Subkulturen. Es gibt Hardcore-Gamer und Gelegenheitsspieler, eine YouTube-Community und Rollenspieler, Retro-Fans aus den 80ern und nach neuem Technik-Schnickschnack gierende Bastler. All sie soll eine einzige Messe abbilden. Die Gamescom nennt sich selbst das "weltweit größte Event für Computer- und Videospiele" - mit Betonung auf Event. "Die Gamescom ist mehr als eine Messe geworden", sagt Tim Endres.

2016 war sogar der altehrwürdige Kölner Dom Teil davon. Er blieb damals bis spätabends geöffnet und inszenierte sich mit einer Musik- und Lasershow. 2017 kam die Kanzlerin zur Eröffnung, was die Branche als "Ritterschlag" feierte. Zu Zeiten der Killerspiel-Debatten vor einigen Jahren wäre so ein Besuch wohl undenkbar gewesen. In diesem Jahr wollen Land und Stadt zur Jubiläumsmesse das Rheinufer illuminieren. Die Spiele sind in der Gesellschaft angekommen.

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