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Schon wieder Montag ... - Gamification: Unternehmen wollen spielen

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Gamification - so nennt sich der Trend, spielerische Elemente in Anwendungen zu integrieren. Auch in Unternehmen kommt Gamification zunehmend zum Einsatz - etwa beim Recruiting, wie der Experte Roman Rackwitz im heute.de-Interview erklärt.

Bei Lücken im Lebenslauf sollten Bewerber ehrlich sein: "Sagen Sie was Sie in der Zeit gemacht haben. Ihr Leben ging ja weiter, mit irgendwas haben Sie sich beschäftigt. Dann schreiben Sie das auch rein." Diesen und weitere Tipps rund um Bewerbungen gibt …

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heute.de: Wie viele Unternehmen nutzen Gamification schon?

Roman Rackwitz: Wenn es dabei nicht nur um ein Belohnungssystem mit Punkten und Ranglisten geht, sind es wohl nur ein bis drei Prozent. Im Dax-Bereich experimentieren fast alle damit, allerdings handelt es sich oft nur um Dreimonatsprojekte. Der US-Marktforscher Gartner schätzt das Potenzial des Gamification-Marktes aber auf mehrere Milliarden Dollar.

heute.de: Können Sie Praxisbeispiele für Gamification nennen?

Rackwitz: Ein Beispiel ist die Plattform des Startups Sell & Pick für die Gastronomie. Die Software unterstützt Servicekräfte durch Tracking und Visualisierung dabei, zu erkennen, worin sie gut sind, wo sie sich weiterentwickeln können, und wie weit das ganze Team bei bestimmten Zielen ist.

heute.de: Und wie kommt Gamification im Personalwesen zum Einsatz?

Rackwitz: Unternehmen wollen zunehmend so genannte Soft Skills von Bewerbern herausfinden. Und die erkennen Sie am besten anhand bestimmter Situationen: Es gibt ein Problem, gewisse Ressourcen - wie lösen Sie das? Ein Beispiel, das unter Recruiting-Games fällt: Die Hotelgruppe Marriott hat auf Facebook das Spiel My Marriott veranstaltet, um zu zeigen, was es im Hotelbetrieb alles zu tun gibt.

heute.de: Was ist der Unterschied zwischen Gamification und Recrutainment?

Rackwitz: Bei Recrutainment ist es meiner Meinung nach immer erkennbar, dass es um eine Art Spiel geht. Bei Gamification transportiert man Spielmechaniken in die Realität - oft sehr unterschwellig. Denn wenn jemand weiß, dass er in einem Spiel ist, verändert sich möglicherweise sein Verhalten.

heute.de: Was kann ich durch Gamification über jemanden erfahren, was sonst nicht möglich ist?

Rackwitz: Spielmechaniken sind perfekt dafür gemacht, ein bestimmtes Verhalten hervorzurufen: Wie gut ist jemand darin, sich selbst zu fordern, arbeitet er lieber im Team oder allein, unter welchen Umständen teilt er Informationen, unter welchen nicht? Solche Szenarien kann ich mit Spielmechaniken leichter generieren als mit Aufgaben in einem Assessment Center. Da weiß der Bewerber: Aha, jetzt prüfen sie, ob ich teamfähig bin. Je mehr ich es schaffe, jemanden ins Spielerische zu lenken, je mehr er sich darauf einlässt, desto ehrlicher wird er in der Regel.

heute.de: Eignen sich Gamification-Verfahren für alle Branchen, alle Joblevel, alle Altersklassen?

Rackwitz: Ja, aber nicht eines für alles. Jedes Alter, jedes Geschlecht, jede Situation erfordert andere Spiele. Ich muss Gamification-Anwendungen im Kontext entwickeln, damit sie passen.

heute.de: Will eine Personalabteilung Gamification nutzen, muss sie also eine eigene Software entwickeln?

Rackwitz: Es gibt mittlerweile viele Veröffentlichungen im Netz, so dass man Ansätze findet, mit denen man zumindest starten könnte. Es muss auch nicht zwingend eine technische Lösung sein.

heute.de: Kann ich mich auf ein Gamification-Bewerbungsverfahren vorbereiten?

Rackwitz: Eher nicht. Sie wissen ja nicht, was der Inhalt und die Aufgabe sein werden. Gamification erfindet aber nicht alles neu, sondern ist nur eine andere Art der Interaktion. Die dahinter stehenden Fragen verändern sich nicht. Wenn man sich also klassisch vorbereitet, ist das sicher hilfreich.

heute.de: Welche Aufgaben kann Gamification noch übernehmen?

Rackwitz: Ich kann einen Teil der Einarbeitung bereits in den Bereich des Recruitings verlagern. In den Einstellungstests von Piloten etwa werden Technologien und Tools verwendet, die sie später auch in der Praxis nutzen.

Das Interview führte Nadine Emmerich.

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