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Deutsche Videospiele erobern Markt - "Große Chance für deutsche Studios"

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Deutsche Videospiel-Entwickler werden international immer erfolgreicher. "Eine große Chance für deutsche Studios, stärker mitzumischen", meint Daedalic-Gründer Carsten Fichtelmann.

Archiv: Der britische Bestseller-Autor Ken Follett (r) scherzt am 15.10.2015 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main (Hessen) mit Carsten Fichtelmann, Geschäftsführer von Daedalic Entertainment.
Der britische Bestseller-Autor Ken Follett (r) scherzt auf der Buchmesse mit Daedalic-Chef Carsten Fichtelmann (Archivbild).
Quelle: dpa

Heute.de: Ihr Studio hat für Videospiele wie "Die Säulen der Erde", "Deponia" oder "The Whispered World" Dutzende Preise bekommen. Im internationalen Vergleich jedoch ist das Studio winzig. Wie haben Sie es geschafft, eine so begehrte Lizenz wie "Der Herr der Ringe" zu bekommen?

Carsten Fichtelmann: Wir haben ungefähr vor vier Jahren bei Middle-Earth Enterprises angerufen und gesagt: "Hallo. Hier ist Carsten aus Deutschland und ich würde gern Spiele machen mit 'Herr der Ringe'." Dann kam ein ziemlich langer Verhandlungsprozess und wir sind jetzt dabei. Das erste Spiel kommt 2021 raus.

Heute.de: Und warum ein Studio wie Daedalic mit ein paar Dutzend Mitarbeitern, wenn sich vermutlich auch große Studios in Nordamerika mit hunderten Entwicklern beworben hatten?

Fichtelmann: Der Grund, warum man sich für uns als Studio entschieden hat, mit "Herr der Ringe" arbeiten zu können, liegt wahrscheinlich darin begründet, dass wir in der Vergangenheit schon sehr stark im Story-Bereich verankert waren und da auch einen Ruf international aufgebaut haben und das war aus Sicht der Tolkien-Erben der wesentliche Grund zu sagen: "Das ist ein Studio, die würden wir gerne sehen, dass die mal auch in Mittelerde Geschichten erzählen".

Das Videospiel "Sea of Solitude" der deutschen Entwicklerin Cornelia Geppert befasst sich mit Einsamkeit und Depression. Auf der Videospielmesse "E3" wurde es vorgestellt.

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Heute.de: Gibt es also auf dem Weltmarkt einen Trend zu mehr Tiefgang in Videospielen, zu mehr Story?

Fichtelmann: Ich glaube, die Vielfalt war immer schon da. Was heutzutage möglich ist, ist, dass unabhängige Studios durch neue Fördermöglichkeiten in der Lage sind, überhaupt Projekte umzusetzen. Aber diese Vielfältigkeit ist ein Prozess, den wir seit zehn Jahren schon sehen, auch auf internationalem Terrain. Jetzt halt die große Chance, für deutsche Studios da auch stärker mitzumischen, durch die Förderung.

Heute.de: Wieso sind andere Länder besser aufgestellt und mischen international schon kräftig mit?

Fichtelmann: Wahrscheinlich ist es so, dass deutsche Entwickler bisher noch ein bisschen unentdeckt geblieben sind. Und das lag wahrscheinlich daran, dass Deutschland lange Zeit einen starken Heimmarkt hatte - wenn man an Spiele denkt wie "Die Siedler" oder "Anno", die halt einfach gigantisch groß im deutschen Markt waren oder auch andere Titel aus der Vergangenheit. Dass wir es nicht so nötig hatten, wie vielleicht Skandinavier oder Niederländer, aus unserem eigenen Markt herauszukommen.

Heute.de: Spielt die gesellschaftliche Akzeptanz des Mediums auch eine Rolle dabei? Hat sich in diesem Punkt in Deutschland etwas geändert?

Fichtelmann: Das große Problem war die Akzeptanz, dass das Medium im Gleichklang steht zu einer Oper, zum Theater, zum Film, zum Buch. Und dieses Thema haben wir immer noch nicht ganz aufgearbeitet, weniger aufgearbeitet vielleicht in Deutschland als in anderen Ländern. Aber so langsam erkennen wir, dass, wenn so ein großes Spiel entsteht, dass da sehr viele kulturelle Prozesse zusammenarbeiten, ähnlich wie in anderen Mediengattungen.

Heute.de: Was fehlt noch, um diese Akzeptanz zu erreichen?

Fichtelmann: Ich glaube, da fehlen einfach ein paar Jahre.

Das Gespräch führten Melanie Hillmann und Andreas Garbe.

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