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Gaspreise steigen - Knapperes Angebot, höhere Einkaufspreise

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Nach fünf stabilen Jahren steigen die Gaspreise wieder. Zum Jahreswechsel heben viele Grundversorger die Preise teilweise kräftig an. Rund 1,8 Millionen Haushalte sind betroffen.

Gasflamme auf einem Herd
Gasflamme auf einem Herd
Quelle: ap

Die Gaskunden konnten sich lange Zeit zurücklehnen, die Preise sanken sogar über mehrere Jahre leicht. Doch dieser Trend ist wohl zu Ende. Ursachen scheinen der trockene Sommer und der Ölpreisanstieg zu sein.

Ein Drittel der Versorger kündigen Preiserhöhungen an

Etwa 1,8 Millionen der deutschen Haushalte werden im nächsten Jahr eine höhere Gasrechnung erhalten. 244 Gasversorger haben bereits ihren Preis erhöht oder das zum Jahreswechsel angekündigt, teilte das Internet-Portal Check24 mit. Im Durchschnitt belaufen sich die Erhöhungen auf 8,4 Prozent.

Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutete das Mehrkosten von rund 100 Euro im Jahr. "Gas wird im Jahr 2019 spürbar teurer", sagte Check24-Geschäftsführer Oliver Bohr. "Grund sind vor allem die höheren Beschaffungskosten." Lediglich elf Versorger senken demnach die Preise - um durchschnittlich 9,3 Prozent.

Zur gleichen Tendenz - wenn auch im Detail mit anderen Daten - kommt das Vergleichsportal Verivox aus Heidelberg. Es hat 224 von insgesamt 710 Grundversorgern gefunden, die ihre Preise im Dezember und Januar um durchschnittlich 7,7 Prozent anheben.

Starke regionale Unterschiede

Der Anstieg betrifft Verivox zufolge fast alle Bundesländer. Am höchsten fallen die Preissteigerungen mit:

  • 13 Prozent in Rheinland-Pfalz
  • 10,1 Prozent in Niedersachsen
  • 9,5 Prozent in Brandenburg
  • 9,2 Prozent in Sachsen-Anhalt
  • 9,2 Prozent im Saarland
  • 9,1 Prozent in Baden-Württemberg

Stabil seien die Preise dagegen in den Stadtstaaten. Ganz vereinzelt haben Unternehmen nach den Angaben beider Portale ihre Preise gesenkt.

"Die Einkaufspreise für Erdgas sind zuletzt stark gestiegen", sagte Verivox-Energieexperte Mathias Köster-Niechziol. Die Einfuhrpreise für Erdgas, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gemessen werden, sind in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent nach oben gegangen - aber vor allem in diesem Jahr sind die Preise noch mal deutlich gestiegen. Ähnlich sieht es bei den Börsenpreisen für Erdgas aus, die das Statistische Bundesamt erhebt. Auch hier haben die Preise zwischen September 2016 und September 2018 um rund 38 Prozent zugelegt. Allein zwischen März und Oktober dieses Jahres lag der Anstieg bei rund 50 Prozent.

Kleinere und mittelgroße Versorger betroffen

Aufgrund langfristiger Lieferverträge können einige Versorgungsunternehmen ihre Preise noch halten. "Die Gasversorger haben ganz unterschiedliche Einkaufsstrategien und Lieferverträge", hieß es bei Verivox. Sollte sich das hohe Preisniveau für Importgas jedoch verfestigen oder noch weiter steigen, so werden diese Unternehmen nachziehen. "Bislang haben hauptsächlich kleine und mittelgroße Versorger an der Preisschraube gedreht", sagte Bohr von Check24.

Die Ursachen für den starken Anstieg der Gaspreise auf dem internationalen Markt sind vielschichig. Einfluss darauf hatte wohl der Ölpreisanstieg im Laufe des Jahres, auch wenn es eine unmittelbare Kopplung beider Preise nicht mehr gibt. "Öl spielt immer eine Rolle und ist ein Trendsetter für die Energiemärkte", sagte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID.

"Eine weitere Ursache könnte sein, dass Russland stärker den asiatischen Markt bedient," sagt Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie und Bauen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Das Fördervolumen sei aber begrenzt, dadurch entstehe eine Verknappung. "Die üblichen Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage spielen natürlich auch beim Gaspreis eine Rolle."

Zudem soll auch die Trockenheit im Sommer zum Preisanstieg beigetragen haben, weil nicht mehr so viel Kohle über die Flüsse transportiert werden konnte und deshalb zum Teil mehr Energie aus Gas gewonnen wurde sowie leere Speicher aufgefüllt werden mussten. Das habe die Nachfrage angeheizt. Auch hat Russland verstärkt den attraktiven asiatischen Markt beliefert, was Gas in Europa etwas knapper werden ließ.

Tipp zur Einsparung

Hans Weinreuter rät, den Gasversorger zu wechseln, wenn eine Preiserhöhungen angekündigt wird: "Wer jetzt eine Ankündigung einer Preiserhöhung bekommt, der hat ein 14-tägiges Sonderkündigungsrecht in Verträgen, die eine fest definierte Laufzeit haben." Kein Handlungsbedarf besteht, wenn man bei einem Sondervertrag mit fest definierter Vertragslaufzeit keine Preiserhöhungsankündigung bekommen hat. Denn dann kann man erst zum Ende der Vertagslaufzeit wechseln.

Der zweite Tipp betrifft die Einsparungsmöglichkeiten beim Gas-Verbrauch: "Die Preiseerhöhungen rücken natürlich das Thema Wärmedämmung wieder in den Blick, da rechnet sich dann natürlich auch wieder Energieeinsparung," erklärt Hans Weinreuter.

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