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UN-Krisenhilfe - Geberkonferenz will Not im Kongo lindern

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In der Demokratischen Republik Kongo verschlechtert sich die Lage zunehmend. Mit der UN-Geberkonferenz in Genf soll dem Land geholfen werden. Wie sinnvoll sind solche Maßnahmen?

Hunger im Kongo (Symbolbild)
Hunger im Kongo - Die UN sammeln Geld Quelle: reuters

Jahrzehntelange Ausbeutung, Korruption, Kriege und ständige Bevölkerungszunahmen: Die Demokratische Republik Kongo zählt heute zu den ärmsten Ländern der Welt, obwohl das Land reich an Rohstoffen ist. Von der Fläche ist es der zweitgrößte afrikanische Staat und beheimatet rund 80 Millionen Einwohner mit mehr als 200 verschiedenen Ethnien. Obwohl 2006 die ersten freien Wahlen stattfanden, nimmt das Land beim Demokratieindex von 2014 Platz 162 von 167 ein.

Es geht um 1,68 Milliarden Dollar

Der humanitäre Bedarf für den Kongo wird von den UN auf 1,68 Milliarden US-Dollar beziffert. Das ist mehr als doppelt so viel, als bei der Geberkonferenz 2017 für das Land benötigt wurde. Am heutigen Freitag wollen in Genf mehrere Staaten weitere finanzielle Spenden in Aussicht stellen, um dem Land zu helfen.

Generell werden bei Geberkonferenzen Gelder für neue oder sich verschlechternde humanitäre Krisen durch Zuwendungen von Staaten organisiert. Diese dienen der Beauftragung humanitärer Organisationen und sollen keinen politischen Zweck verfolgen. Aber es werden auch immer wieder Fälle bekannt, bei denen Geberstaaten die Hilfsbemühungen durchkreuzen. Anstatt die Konfliktursachen zu bekämpfen, werden Kriegsparteien zeitgleich mit Waffen versorgt. "Die nahezu unverminderten Waffenlieferungen an in derartige Kriege verwickelte Staaten wie Saudi Arabien oder die Türkei sind aktuelle Beispiele", betont Robert Linder, Referent für Krisen und Konflikte bei Oxfam Deutschland. Das erschwere die Wirksamkeit der UN-Krisenhilfe.

Humanitäre Lage hat sich drastisch verschlechtert

Mit Hilfe einer Geberkonferenz möchte die UN die globale Aufmerksamkeit auf die Notsituation der Menschen in einem bestimmten Land lenken. Welche Länder in den Fokus eines Spendenaufrufs rücken, entscheiden humanitäre Akteure der UN vor Ort. Sie bewerten dabei die Notlage und erstellen einen sogenannten "humanitarian response plan" – einen Plan zur humanitären Reaktion auf die Krise. In diesem sind sowohl die dringendsten Hilfsmaßnahmen aufgeführt als auch das dafür benötigte Budget. Hilfsmittel sind unter anderem das Bauen von Unterkünften, die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrung, der Aufbau einer Gesundheitsversorgung sowie das Vermitteln von grundlegender Bildung. Es soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Verantwortlich dafür ist das Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten, UNOCHA.

Auch für das Zustandekommen von Geberkonferenzen ist UNOCHA zuständig. Im Falle des Kongo wird sie von der Europäischen Union und den Niederlanden mitorganisiert. Die Konferenz ist nach Aussage einer Sprecherin der UN die direkte Reaktion auf die dramatische Verschlechterung der humanitären Lage im Kongo in 2017. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der UN nimmt der Kongo Rang 176 von 188 ein. Die Bevölkerung erfährt nur eine "geringe menschliche Entwicklung". Deutschland im Vergleich steht auf Platz vier.

Geld alleine reicht nicht aus

"Geberkonferenzen spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, dringend benötigtes Geld für humanitäre Hilfe bei Katastrophen und Krisen zu mobilisieren. Im positiven Fall findet dort eine Art Wettbewerb zwischen den Geberstaaten um die höchsten Geldzusagen statt", erklärt Robert Linder von Oxfam Deutschland. Kritisch sieht Lindner, dass sehr häufig die von den UN veranschlagten Summen bei weiten nicht erreicht und die versprochenen Gelder häufig nur schleppend umgesetzt werden. "Obwohl zum Beispiel im Jemen die derzeit weltweit größte humanitäre Krise herrscht, war der UN-Hilfsplan für 2017 nur zu 74 Prozent finanziert", fügt Lindner hinzu. Rund 500 Millionen Euro fehlten am Ende, weshalb zahlreiche lebensrettende Maßnahmen nicht umgesetzt werden konnten.

Dass Geld alleine nicht ausreicht, findet Mercedes Tatay, medizinische Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen: "Die finanziellen Zusagen der Geberländer sind zweifellos dringend notwendig, aber sie müssen durch viel entschiedeneres Handeln vor Ort ergänzt werden." Aus ihrer Erfahrung im Umgang mit dem Jemen weiß sie, dass die bestehende humanitäre Hilfe bei weitem nicht alle Menschen in Not erreicht. Gründe hierfür sind laut Tatay Kämpfe, die bestimmte Teile des Landes von Hilfe abschneiden, sowie administrative Hürden, die es humanitären Helfern mit ihren Hilfsgütern erschweren, die Gebiete mit den größten Bedürfnissen zu erreichen. "Mancherorts ist es gar nicht möglich, Hilfe zu leisten", stellt Mercedes Tatay ernüchtert fest.

Regierung im Kongo gegen UN-Plan

Wie viel der benötigten 1,68 Milliarden US-Dollar für den Kongo zusammenkommen werden, wird sich zeigen. Erfreut ist man im Land über die Geberkonferenz jedoch nicht. Nach Bekanntwerden der UN-Krisenhilfe sprach sich die Regierung des Kongo gegen die Hilfsmaßnahme aus und verwies auf den eigenen Solidaritätsfonds. Warum die Geberkonferenz dennoch stattfindet, erklärt die UN auf Nachfrage so: "Die Notlage im Kongo ist so komplex, dass Hilfsmaßnahmen der Regierung allein nicht alle notleidenden Menschen im Land erreichen können."

Selbst wenn die erhoffte Summe tatsächlich gespendet werden soll, wird die Geberkonferenz in Genf bestimmt nicht die letzte für den Kongo gewesen sein. Denn die humanitären Probleme der Bevölkerung können nicht allein durch Geld aus der Welt geschafft werden.

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