Steinmeier bittet Polen um Vergebung

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Weltkriegsgedenken - Steinmeier bittet Polen um Vergebung

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Vor 80 Jahren überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. "Ich bitte um Vergebung für Deutschlands historische Schuld", sagte Bundespräsident Steinmeier beim Gedenken in Warschau.

Frank-Walter Steinmeier bei der zentralen Gedenkfeier in Polen
Bundespräsident Steinmeier in Warschau: "Bleibende Verantwortung"
Quelle: dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der zentralen Gedenkfeier zum Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren in Warschau an die historischen Verbrechen Deutschlands erinnert. "Ich stehe hier in Demut und in Dankbarkeit", sagte Steinmeier auf dem Pilsudski-Platz im Zentrum der polnischen Hauptstadt. "Ich verneige mich in Trauer vor dem Leid der Opfer. Ich bitte um Vergebung für Deutschlands historische Schuld. Ich bekenne mich zu unserer bleibenden Verantwortung."

Auf der Gedenkfeier zum Beginn des Zweiten Weltkrieges hat Bundespräsident Steinmeier Polen um Vergebung gebeten. Deutschland werde nicht vergessen: "Wir nehmen die Verantwortung an, die unsre Geschichte uns aufgibt."

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Polens Präsident Andrzej Duda empfing auf dem Pilsudski-Platz Staatsgäste aus mehr als 30 Ländern, unter ihnen auch Kanzlerin Angela Merkel und US-Vizepräsident Mike Pence. Steinmeier wurde von seiner Frau Elke Büdenbender begleitet.

Steinmeier: Dieser Krieg war ein deutsches Verbrechen

Meine Landsleute entfesselten einen grausamen Krieg.
Bundespräsident Steinmeier

Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs. In Polen wurden rund sechs Millionen Menschen getötet, etwa die Hälfte von ihnen waren Juden. "Meine Landsleute entfesselten einen grausamen Krieg, der mehr als fünfzig Millionen Menschenleben kosten sollte, unter ihnen Millionen polnische Bürgerinnen und Bürger", sagte Steinmeier. "Dieser Krieg war ein deutsches Verbrechen."

Die Vergangenheit sei nicht abgeschlossen: "Wir vergessen die Wunden nicht, die Deutsche Polen zugefügt haben", betonte Steinmeier und fügte auf Polnisch hinzu: "Wir werden niemals vergessen."

"Wunder der Versöhnung"

Steinmeier verwies in seiner Rede auch auf die Aussöhnung der beiden Nachbarländer: "Dass auf diesem Platz, an diesem Tag ein deutscher Präsident vor Ihnen stehen und sprechen darf - das zeigt das lebendige Wunder der Versöhnung." Diese Versöhnung sei eine Gnade, "die wir Deutschen nicht verlangen konnten, aber der wir gerecht werden wollen".

US-Präsident Donald Trump hatte seine Teilnahme an der Gedenkfeier in Warschau wegen des Hurrikans "Dorian" kurzfristig abgesagt und schickte seinen Stellvertreter Pence nach Warschau. Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj zählte zu den Gästen der Zeremonie. Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen wurde zum Ärger Moskaus nicht eingeladen.

Wielun - Gedenken am Ort des ersten Angriffs

"Wir wollen und wir werden uns erinnern."
Bundespräsident Steinmeier

Steinmeier hatte bereits am frühen Sonntagmorgen in der Kleinstadt Wielun zusammen mit Duda an den ersten Angriff der deutschen Luftwaffe auf Polen erinnert. Der Bundespräsident bekannte sich zur historischen Schuld Deutschlands und bat Polen um Vergebung. Deutschland nehme die Verantwortung an, "die unsere Geschichte uns aufgibt", sagte Steinmeier: "Wir wollen und wir werden uns erinnern." Duda hatte Steinmeier noch vor dem Morgengrauen auf dem Marktplatz von Wielun empfangen - genau 80 Jahre nach dem Beginn des Bombardements.

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg. Bundespräsident Steinmeier bat bei einer Gedenkfeier im polnischen Wielun um Vergebung.

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Die deutsche Luftwaffe hatte den Ort zwischen Breslau und Lodz weitgehend zerstört. Von den rund 15.000 Einwohnern kamen an diesem Tag mindestens 1.000 Frauen, Männer und Kinder ums Leben. Die ersten Bomben auf Wielun fielen gegen 4.40 Uhr. Wenige Minuten später nahm dann das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" ein polnisches Munitionsdepot auf der Halbinsel Westerplatte vor Danzig unter Beschuss.

Steinmeier: Dankbar für Wiederaufnahme in Kreis der Europäer

Diese Wahrheit kann Vergebung geben und helfen, Freundschaft zu schließen.
Polens Präsident Andrzej Duda

Auch Duda sprach von einem Terrorangriff und schilderte die Gräuel des Bombardements, das die Zivilbevölkerung traf und unter anderem ein Krankenhaus zum Ziel hatte. "Der Zweite Weltkrieg war ein großes Verbrechen", betonte der polnische Präsident. In persönlich an Steinmeier gerichteten Worten dankte Duda, dass dieser sich der Wahrheit stelle: "Diese Wahrheit kann Vergebung geben und helfen, Freundschaft zu schließen." Der Zweite Weltkrieg habe die Welt vernichtet, sagte Duda. Auch wenn es keine Zeitzeugen mehr gebe, müsse man sich daran erinnern.

Der Bundespräsident äußerte sich dankbar, dass Polen die Hand zur Versöhnung gereicht habe. "Deutschland wird immer dankbar dafür sein, dass es nachdem, was Deutsche den Menschen von Wielun und Millionen Menschen auf unserem Kontinent angetan haben, wieder aufgenommen wurde in den Kreis der Europäer", erklärte er.

Mit Kerzen gedenken die Menschen im polnischen Wielun den Opfern des deutschen Überfalls vor 80 Jahren.

Gedenken an 1. September 1939 -
Wehrlose Stadt Wielun
 

In der polnischen Stadt Wielun fielen am Morgen des 1. Septembers 1939 die ersten Bomben - der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Heute wird in Wielun und Warschau der Opfer gedacht.

von Natalie Steger
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