Hunderte Trauergäste gedenken getöteter Journalistin

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Lyra McKee beigesetzt - Hunderte Trauergäste gedenken getöteter Journalistin

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An Gründonnerstag fielen im nordirischen Londonderry Schüsse, wenig später war die Journalistin Lyra McKee tot. Bei ihrer Trauerfeier fallen bewegende - und mahnende Worte.

Spitzenpolitiker aus Großbritannien und Irland sowie Hunderte Trauergäste haben der getöteten nordirischen Journalistin Lyra McKee gedacht. Die britische Premierministerin Theresa May, ihr irischer Amtskollege Leo Varadkar und Irlands Präsident Michael Higgins erwiesen der 29-Jährigen bei einem Gottesdienst in der St.-Anne-Kathedrale von Belfast die letzte Ehre. Auch der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn sowie die Chefs der katholischen und protestantischen Parteien in Nordirland waren zugegen.

Im Tod hat Lyra Menschen mit vielen verschiedenen Hintergründen vereint.
Pfarrer Martin Magill

In einer ergreifenden Trauerrede rief Pfarrer Martin Magill die politischen Parteien auf, zusammenzurücken. "Im Tod hat Lyra Menschen mit vielen verschiedenen Hintergründen vereint." Er bete dafür, dass der Mord an der 29-Jährigen "der nötige Katalysator für die politischen Parteien ist, Gespräche aufzunehmen" und "einen Neuanfang zu wagen".

Bewegendes Gedenken

McKees Schwester Nichola Corner rief dazu auf, ihr Vermächtnis fortzuführen: "Wir haben die Kraft, die Gesellschaft, die Lyra sich immer vorgestellt hat, zu erschaffen." McKee hatte viel über den Nordirland-Konflikt und seine Folgen geschrieben. Zudem setzte sie sich für die Belange der LGBT-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) ein.

Trauerfeier der Journalistin Lyra McKee in Belfast, 24.04.2019
Zur Trauerfeier erschienen auch der irische Premierminister Leo Varadkar und die britische Premierministerin Theresa May
Quelle: reuters

In einem Trauerzug war McKees Sarg vom Haus ihrer Familie im Norden Belfasts zur St. Anne's Kathedrale gefahren worden. Vor der Kirche trauerten zahlreiche Menschen mit Regenbogenflaggen und Harry-Potter-Schals und applaudierten, als der Sarg ins Innere getragen wurde. McKees Freundin, die Autorin Sara Canning, hatte darum gebeten, T-Shirts mit Motiven aus der Fantasiewelt von Harry Potter oder dem Marvel-Comic-Universum zu tragen. "Ich weiß, das hätte ihr gefallen." Im Tagesverlauf soll McKee im privaten Kreis beigesetzt werden.

Opfer der "Neuen IRA"

Die 29 Jahre alte Reporterin war am Gründonnerstag erschossen worden, als sie über die Aufstände in Londonderry berichtete. Sie stand in einer Menschenmenge neben einem Polizeifahrzeug, als sie eine Kugel in den Kopf traf. Eine kleine separatistische Gruppe namens "Neue IRA" bekannte sich zu der Tat und bat um Entschuldigung. McKee habe "neben verfeindeten Kräften" - damit meint die Gruppe die Polizei - gestanden, als sie angeschossen worden sei. Im Bemühen, den Fall aufzuklären, nahm die Polizei zwischenzeitlich zwei Teenager und eine 57 Jahre alte Frau fest. Alle drei wurden aber wieder auf freien Fuß gelassen.

Der Tod McKees wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Spannungen in Nordirland. Die Diskussionen um eine Lösung für die nordirisch-irische Grenze im Zuge des Brexit hatten in den vergangenen Monaten die Situation zwischen pro-britischen Protestanten und katholischen Nationalisten verschärft.

Mehrfach wurde davor gewarnt, dass der Nordirland-Konflikt, der mit dem Karfreitagsabkommen 1998 beigelegt wurde, erneut aufflammen könnte. Die IRA und die meisten anderen Gruppen im Nordirland-Konflikt hatten im Zuge dieses Friedensabkommens ihrer Entwaffnung zugestimmt.

Bewaffnet trotz Friedensabkommen

Die "Neue IRA" bildete sich daraufhin aus Splittergruppen, die den Friedensvertrag ablehnen. Sie wird auch für eine Bombenexplosion vor einem Gerichtsgebäude in Londonderry und den Versand von Briefbomben nach Großbritannien im März verantwortlich gemacht.

Wir waren die Generation des Karfreitagsabkommens, dazu bestimmt, niemals Zeugen des Kriegsschreckens zu werden, sondern die Vorteile des Friedens zu ernten. Die Vorteile schienen uns nur nie zu erreichen.
Journalistin Lyra McKee, 2016

McKee hatte sich selbst als ein Kind des Waffenstillstands bezeichnet. "Wir waren die Generation des Karfreitagsabkommens, dazu bestimmt, niemals Zeugen des Kriegsschreckens zu werden, sondern die Vorteile des Friedens zu ernten. Die Vorteile schienen uns nur nie zu erreichen", schrieb sie 2016.

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