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Gedenken in Berlin an Mauerbau - Checkpoint Charlie - ein "würdeloser Ort"

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Vor 58 Jahren begann der Bau der Berliner Mauer - daran wird heute in Berlin erinnert, auch am Checkpoint Charlie, dem Symbol des Kalten Krieges. Doch der Ort steht in der Kritik.

Checkpoint Charly, aufgenommen am 10.08.2018 in Berlin
Checkpoint Charlie: Einst Grenzübergang, heute für manche eine Art Disneyland.
Quelle: imago images / Dirk Sattler

Mit einer Andacht in der Kapelle der Versöhnung und Kranzniederlegungen an der Gedenkstätte Berliner Mauer ist in der Hauptstadt an die Opfer von Mauer und Teilung erinnert worden. An der Veranstaltung auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Bernauer Straße nahmen rund 150 Menschen teil, darunter Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Später hält an der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam, bekannt als Ort von Agentenaustauschen im Kalten Krieg, die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer eine Rede.

Vom Symbol des Kalten Krieges zum banalen Disneyland

Veranstaltungen sind auch in einigen Stadtteilen geplant, unter anderem auch beim Checkpoint Charlie. Dabei steht der Gedenkort stark in der Kritik. Der frühere Grenzort ist einer der meistbesuchten Orte in Berlin. Er symbolisiert die Konfrontation der Großmächte im Kalten Krieg. Hier standen sich im Oktober 1961 sowjetische und amerikanische Panzer gegenüber. Hier versuchten Menschen aus der DDR zu fliehen. Unter anderem Peter Fechter, der am 17. August 1962 von DDR-Grenzsoldaten bei einem Fluchtversuch über die Mauer angeschossen worden war und verblutete.

Doch heute ist der Ort an der früheren Grenze zwischen Ost- und West-Berlin nach Ansicht von Kritikern zu einer Art banalem Disneyland verkommen. Vor einer nachgebauten Kontrollbaracke der US-Army posieren falsche Soldaten mit US-Fahne, kassieren Geld für ein Foto. Straßenhändler versuchen, Gasmasken und Militärmützen loszuwerden. Scharen von Touristen strömen täglich an den früheren Checkpoint.

"Es ist rein kommerzialisiert worden"

"Es ist ein würdeloser Ort geworden", kritisiert Zeitzeuge und Mauer-Aktivist Carl-Wolfgang Holzapfel. Der Bürgerrechtler hatte seit 1961 gegen die Mauer, gegen die Teilung Deutschlands demonstriert. Dazu legte er sich immer wieder am Übergang Checkpoint Charlie auf die markierte Grenzlinie - wurde dort verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach insgesamt 13 Monaten kaufte ihn die Bundesregierung frei.

"Es ist rein kommerzialisiert worden und entspricht nicht dem historischen Anspruch, den dieser Ort hat", sagte er heute über den geschichtsträchtigen Ort. "Man kann nur die Politik auffordern, endlich mal nach dreißig Jahren ihre Schulaufgaben zu machen."

"Dieser Platz gehört allen"

Tatsächlich soll nun fast 30 Jahre nach dem Abbau der Grenzanlage der Checkpoint Charlie umgebaut werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat im Juni den ersten Bebauungsplanentwurf für zwei Areale an dem früheren Grenzübergang auf der Friedrichstraße vorgestellt. Demnach sollen dort ein Museum des Kalten Krieges und Sozialwohnungen entstehen. Doch der Bebauungsplan des Senats stößt auf Kritik.

"Uns passt nicht, dass der Bebauungsplan eigentlich gar nicht den Ort im Mittelpunkt hat", sagt der ehemalige Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner im ZDF. Renner hat eine Gruppe von mehreren Kunst- und Kulturschaffenden gegründet, die eine alternative Planung für den Checkpoint Charlie erarbeiten. "Der Bebauungsplan soll Probleme des Landes Berlin, wie Wohnungsnot, lösen", so Renner. "Aber wir sagen: Dieser Platz gehört allen" Stattdessen solle man den Ort wie ein Freilichtmuseum nutzen können, an dem man "Geschichte erlebbar" machen könne.

Gegen die Kritik Renners wendet sich Katrin Lompscher (Die Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin. "Die hat mit dem Bebauungsplan relativ wenig zu tun." Der Bebauungsplan würde Rahmen setzen und "innerhalb dieses Rahmens sind viele Dinge möglich," sagt Lompscher im ZDF.

Berlin mehr als 28 Jahre geteilt

Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begonnen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre. Die Teilung endete erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989. Durch das Grenzregime kamen an der Mauer zwischen 1961 und 1989 mindestens 140 Menschen ums Leben.

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