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Gedenkstätte Buchenwald - AfD-Politiker bei Gedenken "nicht willkommen"

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Die Gedenkstätte Buchenwald erinnert mit Überlebenden und Vertretern der Thüringer Regierung an die Opfer der NS-Herrschaft. Die Teilnahme von AfD-Politikern lehnt die Stiftung ab.

Archiv: KZ Gedenkstätte Buchenwald, aufgenommen am 31.08.2012 in Weimar
Ehemaliges Konzentrationslager Buchenwald (Archivbild)
Quelle: dpa

Die Gedenkstätte Buchenwald hat die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag von einer am Freitag geplanten Gedenkfeier in dem früheren Konzentrationslager ausgeladen. In einem von Gedenkstättenchef Volkhard Knigge unterzeichneten Brief heißt es, man wolle die Parlamentarier darüber informieren, "dass Sie als Vertreter Ihrer Partei bei der Kranzniederlegung zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus auf dem ehemaligen Appellplatz des Konzentrationslagers Buchenwald nicht willkommen sind". Damit hat die Gedenkstätte das seit 2017 bestehende Hausverbot für Thüringens AfD-Partei- und Fraktionschef Björn Höcke faktisch auch auf die anderen sechs Landtagsabgeordneten ausgeweitet.

Am Freitagnachmittag soll in der Gedenkstätte mit Überlebenden und Vertretern der Thüringer Landesregierung ein Kranz für die Opfer niedergelegt werden. Am Sonntag ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Es wird der sechs Millionen ermordeter europäischer Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter und der vielen anderen Opfer des Nazi-Terrors.

Stiftung: AfD distanziert sich nicht von Höckes Positionen

Wer sich innerhalb der AfD nicht glaubhaft gegen solche Positionen und das damit verbundene verharmlosende, relativierende Geschichtsbild wendet, unterstützt sie.
Volkhard Knigge, Stiftungsdirektor Gedenkstätte Buchenwald

In dem Brief, der am Donnerstag im Thüringer Landtag einging, bezieht sich Knigge direkt auf Höckes Dresdner Rede vor zwei Jahren, in der dieser die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen als "dämliche Bewältigungspolitik" diffamiert und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert habe.

Höcke halte bis heute an seiner Haltung fest, so Knigge. Auch aus der Fraktion sei keinerlei Distanzierung von seinen Positionen bekanntgeworden. Deshalb könne konstatiert werden, "wer sich innerhalb der AfD nicht glaubhaft gegen solche Positionen und das damit verbundene verharmlosende, relativierende Geschichtsbild wendet, unterstützt sie", so der Gedenkstättendirektor. Zudem werde inzwischen Höckes innerparteiliches Netzwerk "Der Flügel" vom Bundesamt für Verfassungsschutz als "extremistische Bestrebung" beobachtet.

AfD: "Absichtliches Missverständnis"

Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag äußerte sich verwundert. "Wir haben über die Jahre gezeigt, dass uns ein aufrichtiges und nicht politisch instrumentalisiertes Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein wichtiges Anliegen ist", schrieb der parlamentarische Geschäftsführer Stefan Möller in einer Reaktion. Er unterstellte Knigge in dem Schreiben einen "Reflex zum absichtlichen Missverständnis der Positionen der AfD-Fraktion".

Im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald in der Nähe von Weimar starben bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als 56.000 Menschen an Folter, medizinischen Experimenten oder Hunger und Krankheit. In speziellen Einrichtungen wurden mehr als 8.000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen. Es war eines der größten KZ auf deutschem Boden. Von 1937 bis April 1945 verschleppten die Nationalsozialisten rund 270.000 Menschen aus ganz Europa hierhin.

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