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Gedenkstunde in Berlin - Politik erinnert an Opfer von Flucht und Vertreibung

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Am Weltflüchtlingstag hat die Regierung der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht. Die Kanzlerin rief dazu auf, sich mehr mit den Flüchtlingsschicksalen auseinanderzusetzen.

Angela Merkel am 20.06.2018 in Berlin
Angela Merkel bei Gedenkstunde
Quelle: dpa

Persönliche Geschichten verdeutlichten, "dass Flucht nichts Abstraktes ist", sagte die Bundeskanzlerin in einer Gedenkstunde der Bundesregierung für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Berlin. "Es geht um Menschenleben", betonte sie. Wer Flucht und Vertreibung nicht selbst erleben müsse, könne kaum ermessen, was diese Erfahrung bedeutet. "Aber wir können versuchen, sie zu begreifen", sagte Merkel in ihrer Ansprache. "Wir können zuhören und lernen, auch damit kein neues Leid durch Leugnung, Verdrängung und Nichtbeachtung entsteht." Die Kanzlerin sagte, Flucht und Migration seien lange Zeit nicht wahrgenommen, teilweise sogar verdrängt worden. Sie unterstrich ihren Wunsch nach europäischen Lösungen im Umgang mit der Fluchtbewegung. Europa müsse zusammengehalten werden, sagte sie.

Seehofer: Leistungsbereit und leistungsstark


Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erinnerte an die Leistungen der Vertriebenen in Deutschland. Sie seien "versöhnungsbereit, leistungsbereit und leistungsstark" gewesen und hätten maßgeblich zum westdeutschen Wirtschaftswunder beigetragen. "Ihr Fleiß und Ihre Arbeit waren ein wichtiger Bestandteil der Erfolgsgeschichte des 'Made in Germany", sagte Seehofer an die anwesenden Gäste gewandt.

Zugleich verwies Seehofer auf Flüchtlinge der heutigen Zeit. Wer das Schicksal der Vertriebenen kenne, könne nachempfinden, was viele Flüchtlinge heute erlebten. "Die Lehren daraus sind ähnlich. Die Lehre, dass Frieden kostbar ist, dass Humanität am Anfang unseres Denken stehen muss", so Seehofer. Auch die Kostbarkeit der eigenen Heimat werde einem bewusst. "Das Schicksal der Vertriebenen gehört zur Geschichte vieler, vieler Familien in unserem Land. Gut, dass wir diesen Gedenktag haben."

Seehofer, der mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) derzeit über die künftige Asyl- und Migrationspolitik streitet, wandte sich bei der Gedenkstunde mit lobenden Worten an die Kanzlerin. "Sie machen diesen Gedenktag zu etwas Besonderem."

Limburger Weihbischof: Gedenktage wichtig

Der Limburger katholische Weihbischof Gerhard Pieschl, der selbst 1934 in der damaligen Tschechoslowakei geboren und später vertrieben wurde, hob besonders die Leistung der Familien sowie der einheimischen Bevölkerung hervor. Es sei bis heute eine staunenswerte Leistung für Einheimische und Vertriebene, dass viele Gruppen trotz Hunger und Armut und trotz der bestehenden Gegensätze in diesem Land friedlich miteinander lebten.

Vor allem der Familiensinn der Frauen und Mütter habe dazu beigetragen, dass die Vertriebenen sich in ihrer neuen Heimat integrierten. Sicher hätten die gemeinsame Religion und die gemeinsame Sprache geholfen, aber zunächst sei es um das nackte Überleben gegangen. "Vertreibung ist kein Privatproblem", so Pieschl. Daher brauche es noch viele solcher Gedenktage.

Der 20. Juni ist Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen. In Deutschland wird seit 2015 mit einem eigenen Gedenktag an das Schicksal Verfolgter und das der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht.

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