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Gefährlich sauber - Die Risiken des Putzwahns

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Putzen liegt im Trend. 4,8 Milliarden Euro haben Verbraucher vergangenes Jahr in die Haushaltspflege investiert. Dabei werden die Gefahren für Mensch und Umwelt meist unterschätzt.

Sehen Sie die "planet e."-Doku hier in der Mediathek oder am Sonntag, 31. März, um 15:05 Uhr im ZDF.

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28 min
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Putzen ist heutzutage weit mehr, als nur das Zuhause vom lästigen Schmutz zu befreien. "Hyggelig" soll es sein, also gemütlich - eben ein ordentlicher und sauberer Rückzugsort. Dabei hilft eine Vielzahl von Mitteln zum Wischen, Schrubben, Sprühen und Polieren. Durchschnittlich 15 unterschiedliche Reiniger hat laut Verbraucherzentrale jeder Deutsche zuhause. "Viel mehr als nötig", findet Haushaltsberaterin Birgit Vetter. Die selbstständige Hauswirtschaftsmeisterin berät Familien in allen Fragen rund um Putzmittel und Haushaltsführung. "Dabei reichen drei, vier Mittel: ein Oberflächenmittel, ein Sanitärreiniger, ein Spülmittel und vielleicht noch Zitronensäure."

Unterschätzt werden häufig die Risiken, die Putzmittel bergen. Denn in den meisten Reinigern stecken wahre Chemie-Cocktails: Bis zu 200 Stoffe werden in diesen Mitteln verwendet, so das Umweltbundesamt. Besonders problematisch sind die beigemischten Duftstoffe, sagen Experten wie die Chemikerin Dr. Silvia Pleschka vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Denn diese können Allergien auslösen. Für Betroffene eine echte Qual, denn Duftstoffe finden sich praktisch überall.

Einen Reinigungseffekt haben die Stoffe nicht, seien aber trotzdem wichtig, sagt Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege und Waschmittel: "Für viele Verbraucher ist der gute Duft beim Putzen ein ganz wesentliches Kriterium, um ein Produkt zu kaufen."

Reinigungskräfte besonders gefährdet

In Deutschland gibt es über 650.000 professionelle Reinigungskräfte. Sie sind durch ihren täglichen Umgang mit den Chemikalien besonders gefährdet. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen bei Reinigungskräften. Verursacht besonders durch Sprays, Bleichmittel oder Wachse.

Eine Studie der Freien Universität Brüssel zeigt: Die Rate von Menschen, die vorzeitig sterben, ist in der Reinigungsbranche um bis zu 45 Prozent höher als bei Büroangestellten. Die Gründe dafür sind noch unklar. Die vielen Chemikalien könnten eine Rolle spielen. Eine weitere Vermutung: falscher Umgang und fehlende Schutzmaßnahmen wie Handschuhe und Atemschutz.

Auf der anderen Seite werden die Profi-Reiniger meist im Umgang mit den Mitteln geschult und sensibilisiert. Das passiert im Privathaushalt nicht, sagt Birgit Vetter. "Zuhause, da schaut einfach keiner drauf. Und die Leute spritzen und sprühen, was das Zeug hält". Besonders Sprühreiniger hält sie für problematisch, denn durch das Sprühen gelangen mehr Chemikalien in die Atemluft als wenn das Mittel auf ein Tuch aufgetragen wird.

Belastung für Klärwerke

Putzmittel - Gefahren im Haushalt
Durchschnittlich 15 unterschiedliche Reiniger hat laut Verbraucherzentrale jeder Deutsche zuhause.
Quelle: imago/photothek

Auch für die Umwelt sind die Chemikalien ein großes Problem. Jährlich landen nach Zahlen des Umweltbundesamts allein aus Wasch- und Reinigungsmitteln 530.000 Tonnen Chemikalien im Abwasser. Hinzu kommen Kosmetika und vor allem Medikamentenrückstände. Zu viel für viele Kläranlagen, weiß Eva-Maria Frei vom Abwasserverband Langen-Egelsbach-Erzhausen. "Die Kläranlagen, die Mitte der 90er Jahre gebaut wurden, sind für die Stoffe, die über Reinigungsmittel oder auch Medikamentenausscheidungen der Bürger ins Abwasser gelangen, nicht ausgelegt und können das nicht in der Weise reinigen, wie es notwendig wäre."

Forscher arbeiten zurzeit an neuen Lösungen für die Kläranlagen. Das könnte zum Beispiel eine weitere Reinigungsstufe mit Aktivkohlefilter sein. Wissenschaftler Thomas Fundneider von der Technischen Universität Darmstadt ist sich aber sicher: "Das wird nicht alle unsere Probleme lösen, wir müssen unseren Konsum einschränken."

So sieht das auch Haushaltsberaterin Birgit Vetter: "Weniger Chemie, dafür ein bisschen mit Köpfchen putzen, das wäre wichtig", sagt sie. So sei es zum Beispiel immer gut, die Dosierhinweise auf der Verpackung zu lesen und ein bisschen Geld in einen guten Putzlappen zu investieren, den man auch waschen kann. Das lohnt sich für Gesundheit, Umwelt und auch fürs Portemonnaie. So steht dem Frühjahrsputz auch nichts mehr im Wege.

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