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Nordirak - Kämpfe zwischen Kurden und Regierungstruppen

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Der Konflikt zwischen Kurden und der irakischen Zentralregierung eskaliert weiter. Bei schweren Gefechten zwischen Regierungstruppen und Peschmerga-Kämpfern kamen etwa 30 Menschen ums Leben. Möglicherweise auch durch deutsche Waffen.

Seit dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden geht die irakische Zentralregierung massiv gegen sie vor. Anstatt einem eigenen Staat näher zu kommen, mussten sich die Kurden aus zahlreichen Regionen zurückziehen.

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Irakische Truppen und kurdische Peschmerga-Kämpfer haben sich im Norden des Landes schwere Gefechte geliefert. Iraks gemeinsames Operationskommando teilte mit, Kräfte von Armee, Polizei und schiitischen Milizen hätten den Ort Altin Köprü in der umstrittenen Provinz Kirkuk eingenommen. Das Peschmerga-Kommando erklärte hingegen, alle Angriffe seien abgewehrt worden. Nach kurdischen Angaben kamen etwa 30 Peschmerga-Kämpfer ums Leben.

Iraks Truppen hatten Anfang dieser Woche bereits große Gebiete eingenommen, die bisher unter Kontrolle der Peschmerga waren, darunter die ölreiche Provinz Kirkuk. Aus den meisten Orten zogen sich die Kurden ohne Widerstand zurück.

Eskalation seit Unabhängigkeitsreferendum

Der Konflikt zwischen beiden Seiten war eskaliert, nachdem die Kurden ihre Unabhängigkeitspläne vorangetrieben hatten. Die irakische Zentralregierung lehnt eine solche Abspaltung strikt ab. Bei den eingenommenen Gebieten handelt es sich um Regionen, die sowohl von Bagdad als auch von den Kurden beansprucht werden.

Der Sicherheitsrat der Kurden warf Armee und Milizen vor, sie hätten Altin Köprü am Morgen angegriffen. In Videos im Internet war Gefechtslärm zu hören. Bilder zeigten, wie Truppen und gepanzerte Fahrzeuge in den Ort fahren. Altin Köprü liegt rund 50 Kilometer südlich der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil. Er ist der letzte Ort in der Provinz Kirkuk, der noch unter Peschmerga-Kontrolle war.

Angeblich auch deutsche Waffen im Einsatz

Einem Bericht der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw zufolge setzten die Kurden bei den Gefechten die Panzerabwehrwaffe "Milan" ein und zerstörten zwei gepanzerte Fahrzeuge. Die Panzerabwehrwaffe hatte Deutschland für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an die Peschmerga geliefert. Der kurdische Sicherheitsrat wiederum erklärte, Armee und Milizen hätten US-Waffen benutzt.

Das Verteidigungsinisterium in Berlin bestätigte den Einsatz der "Milan" nicht. "Uns liegen zu dieser Berichterstattung keine eigenen Erkenntnisse vor", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Berichte über Kriegsverbrechen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtete von Übergriffen und Plünderungen in dem Ort Tus Churmatu, den Iraks Truppen Anfang der Woche unter Kontrolle gebracht hatten. Ein Augenzeuge habe erklärt, dass in einem vor allem von Kurden bewohnten Gebiet Geschäfte gebrannt hätten. Läden seien geplündert worden. Die UN-Mission im Irak hatte am Donnerstag gemeldet, ihr lägen Berichte vor, denen zufolge bewaffnete Gruppen 150 Häuser angezündet hätten.

Die einflussreichen Schiitenmilizen waren in der Vergangenheit mehrfach Übergriffen auf Zivilisten beschuldigt worden. Die bewaffneten Gruppen stehen zwar offiziell unter Befehl von Regierungschef Haidar al-Abadi, führen aber ein Eigenleben. Finanziert werden sie vom ebenfalls schiitischen Iran.

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