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Hauptversammlung in Bonn - Gegenwind für Lufthansa?

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Europas größte Airline ist unter Druck. Das erste Quartal war schwach. Wie krisenfest ist die Lufthansa? Heute ist Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn.

Heckflosse eines Flugzeugs der Lufthansa
Heckflosse eines Flugzeugs der Lufthansa
Quelle: dpa

"Wir sind überzeugt, dass wir in Europa kein blindes Wachstum um jeden Preis, sondern qualitatives Wachstum brauchen", sagte Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr im März bei der Bilanzvorstellung in Frankfurt. Da deutete sich schon an, dass sich der Höhenflug der Lufthansa nach der Pleite von Mitbewerber Air Berlin vor eineinhalb Jahren dem Ende zuneigt. Zwischen Januar und März fuhr der Luftfahrtkonzern einen Verlust von 342 Millionen Euro ein. Stark gestiegene Treibstoffkosten und Überkapazitäten, insbesondere auf Kurz- und Mittelstrecken innerhalb Europas, belasteten das Ergebnis.

"Die Lufthansa spürt derzeit einen enormen Gegenwind. Zum einen von den Wettbewerbern. Es werden mehr Kapazitäten angeboten. Die Preise sind nicht mehr so stabil. Gleichzeitig verteuern sich auch die Kerosinkosten und das drückt alles auf den Gewinn", sagt Ingo Speich, Analyst bei Deka Investment in Frankfurt am Main.

Eurowings nicht profitabel   

Unter dem Preiskampf in Europa leidet vor allem die Billigtochter Eurowings. Ihr Ergebnis im ersten Quartal: minus 257 Millionen Euro - und das, obwohl im Vergleich zu 2018 Integrationskosten für ehemalige Air-Berlin-Flieger wegfielen. Als Konsequenz soll nun das Angebot von Eurowings nicht mehr wachsen. Alle Lufthansa Airlines zusammen bieten nach wie vor knapp zwei Prozent mehr Flüge an als im Vorjahr. Damit drosselt der Dax-Konzern das Wachstum stärker als andere Fluggesellschaften, um den Preisdruck zu lindern.

"Die strategischen Hausaufgaben des Managements rund um Konzernchef Spohr wurden richtig gemacht. Die Lufthansa-Gruppe wächst. Allerdings hat Eurowings das Jahr mit einem Verlust abgeschlossen. Die Lufthansa muss sich fragen, wo will man in der Zukunft stehen. Wie möchte man sich positionieren", meint Ingo Speich. Lufthansa verweist auf das zweite und das dritte Quartal, die traditionell deutlich wichtiger seien. Finanzchef Ulrik Svensson gab sich zuversichtlich, dass Erlöse wieder steigen werden.

Konsolidierung in Europa

Die Frage für die nächsten Jahre ist: Wie geht die Konsolidierung bei Europas Airlines weiter? Die Zusammenschlüsse von Fluglinien in Europa werden Ryanair-Chef Michael O'Leary zufolge weitergehen. Am Ende der Konsolidierung werde es nur noch fünf Airline-Gruppen geben: die Lufthansa, Air France/KLM, IAG (British Airways/Iberia), Easyjet und Ryanair selbst, meinte O'Leary vor kurzem in Brüssel. Lufthansa-Chef Spohr sieht das sicher ähnlich. Die italienische Alitalia hätte man gerne übernommen, aber nicht zu jedem Preis heißt es in Frankfurt.

Auch an Condor zeigt der Kranich durchaus Interesse. Auch aus historischen Gründen. 1955 gehörte Lufthansa schon zu den Eignern und übernahm vier Jahre später die komplette Airline. 1997 brachte Lufthansa die Tochter in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem späteren Thomas-Cook-Konzern ein, bei dem die Airline schließlich vor zehn Jahren komplett landete. "Der Konsolidierungsdruck in Europa ist sehr hoch und wird steigen. Aber die angeschlagenen Airlines wie Alitalia werden vom Staat gestützt. Das macht es Lufthansa schwer durch Zukäufe zu wachsen. Auf der Langstrecke bleibt das Geschäft schwierig, weil hier von den Golfstaaten ebenfalls subventionierte Staatsairlines agieren", analysiert Ingo Speich.

Keine leichte Aufgabe also für Konzernchef Spohr: Die Lufthansa muss sehen, wie und wo sie in den nächsten Jahren wachsen kann. Und das in einem hart umkämpften Markt mit höheren Treibstoffkosten. Ein Trost zumindest: Auch die Konkurrenten Air France-KLM und die British-Airways-Mutter IAG stehen nicht gerade blendend da.

Mit Material von dpa und reuters

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