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Spionage-Schnittstelle gefordert - Geheimdienste machen Druck im Internet

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Nachrichtendienste wollen Überwachungswerkzeuge fest in Internet-Protokollen verankern. Das lassen die Web-Ingenieure noch nicht zu. Jetzt planen NSA und Co. einen neuen Anlauf.

Internet-Schnittstelle - Typical
Internet-Schnittstelle - Typical Quelle: colourbox.de

Das Internet braucht dringend einen besseren Verschlüsselungsstandard. Über den wird seit langer Zeit diskutiert. Vor knapp einem Monat standen nun auf der Londoner Konferenz der Internet-Ingenieure konkrete Verschlüsselungsprotokolle zur Abstimmung.

Hintertür knapp abgelehnt

Nur mit ganz knapper Mehrheit wurden die Protokollerweiterungen der Sicherheitsbehörden abgelehnt. Diese Protokollerweiterung haben die Nachrichtendienste auch "Inspektionserlaubnis" genannt.

Als Internet-Standard sollten die Ingenieure beschließen, dass beim Verbindungsaufbau von einem Web-Browser zu einem Server Dritte zugeschaltet werden dürfen und Nachschlüssel erlaubt sind.

Mit solchen Nachschlüsseln kann die verschlüsselte Verbindung, über die zum Beispiel ein Bankkunde per Online-Banking eine Überweisung veranlasst, im Nachhinein entschlüsselt werden. Auch Mails können so mitgelesen werden.

Nachrichtendienste wollen Direktmitteilungen mitlesen

Besonders großes Interesse haben die Nachrichtendienste daran, verschlüsselte Kommunikation zu Servern der sozialen Netzwerke in Echtzeit mitlesen zu können. Vertrauliche Direktmitteilungen auf Twitter und andere private Nachrichten können nach dem eingereichten Protokollvorschlag von den Sicherheitsbehörden immer eingesehen und live ausgewertet werden.

Vor jedem Verbindungsaufbau soll das Protokoll für die sogenannte Transportverschlüsselung deshalb nachfragen, ob eine Sicherheitsbehörde, zum Beispiel ein Nachrichtendienst, bei dieser Verbindung mit aufgeschaltet werden will.

Das Standardisierungsgremium der Internet-Ingenieure hat diesen Vorschlag zwar zunächst abgelehnt. Doch die Sicherheitsbehörden wollen diese Protokollerweiterung jetzt über das europäische Institut für Telekommunikationsstandards durchbringen.

Abhörschnittstelle bleibt auf der Tagesordnung

Außerdem wird ein Erweiterungsvorschlag dazu auf die nächste Konferenz der Internet-Ingenieure gesetzt werden, die Mitte Juli im kanadischen Montreal stattfindet. Der Kampf um die Abhörschnittstelle als Internet-Standard geht also weiter.

Zwar haben Mitarbeiter von Nachrichtendiensten schon immer an den Konferenzen der Internet-Ingenieure (Internet Engineering Task Force) teilgenommen und dort ihre Vorschläge eingebracht. Doch dabei waren sie bisher recht zurückhaltend. Die Konferenz Mitte März in London steht hier aber für einen deutlichen Paradigmenwechsel.

Erstmalig haben Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden einen eigenen Protokollentwurf in das Standardisierungsgremium eingebracht, in dem Nachschlüssel und Überwachungswerkzeuge zum Internet-Standard erklärt werden.

Geheimdienste machen Internet-Politik

Netzaktivisten beobachten, dass sich dadurch das Diskussionsklima im Internet-Standardisierungsgremium deutlich verändert. Die dorthin entsandten Vertreter der Nachrichtendienste haben nämlich sehr offensiv ihre Lizenz zum Abhören als Internet-Standard durchzusetzen versucht.

Die Netz-Aktivisten, die auch im Standardisierungsgremium sitzen, sind hier ehrenamtlich tätig. Sie befürchten, dass sie auf Dauer den massiven Einflussmöglichkeiten der dort ebenfalls tätigen Vertreter von Nachrichtendiensten nicht genug Widerstand entgegensetzen können. Ihre Horrorvision: Dann setzen die Sicherheitsbehörden ihre Spionagewerkzeuge als Teile der Internet-Standards durch. Das Netz würde zu einer gigantischen Überwachungsmaschine.

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