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Geheime Medikamentenversuche - Wie Psychiatriepatienten zu Opfern wurden

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Ein Pharmaskandal mitten in Europa: Internationale Konzerne ließen in einer rumänischen Psychiatrieklinik Medikamente testen. Viele Patienten wussten davon nichts.

Hilflose Psychiatriepatienten wurden in Rumänien für klinische Arzneimittelstudien benutzt. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben die Ärzte dabei in Kauf genommen.

Beitragslänge:
2 min
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Über mehrere Jahre wurden in einer Psychiatrieeinrichtung im rumänischen Arad Medikamente an Patienten getestet - viele wussten davon nichts. Die Leiterin der Einrichtung, Professorin Delia Podea, steht derzeit vor Gericht. Nach Recherchen von ZDF Zoom und Frontal 21 seien in diese Psychiatrieklinik öffentliche Gelder geflossen, darunter auch aus Deutschland.

90 Patienten ohne Einverständnis behandelt

Die rumänische Staatsanwaltschaft betrachtet bei ihren Ermittlungen neun Studien im Zeitraum von 2014 bis 2016. Rund 90 Patienten sollen von Manipulationen betroffen sein. Vorliegenden Dokumenten zufolge soll es bei einigen Pharmastudien in Arad auch zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen gekommen sein. So starb eine Studienteilnehmerin im Sommer 2015. Ermittler gehen davon aus, dass Patienten Testmedikamente erhalten haben - trotz gegenteiliger Diagnose.

Kontrollen haben europaweit versagt

Für den Freiburger Experten für klinische Studien, Professor Gerd Antes, haben in dem Fall europaweit Kontrollen versagt: "In einem Maße, wie es in dem Extremfall hier tatsächlich über alle Grenzen geht, die ich so bisher auch so gut dokumentiert noch nicht gesehen habe." Verantwortlich für Kontrollen sind rumänische Behörden, die aber zunächst keine Verdachtsmomente ermittelten.

Blick auf die Fassade eines älteren grünen Gebäudes
Betroffen von den Vorwürfen ist diese Psychiatrieeinrichtung im rumänischen Arad und deren Leiterin Professorin Delia Podea.
Quelle: ZDF/Gerald Gerber

Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation Public Eye trägt der Auftraggeber der Studie, auch Sponsor genannt, eine besondere Verantwortung für die Sicherheit der Studienpatienten. "Also für uns ist Verantwortung der Sponsoren ganz klar. Er entscheidet ja, wo er die Studie durchführen will und er weiß, dass die Probanden und Probandinnen auch verletzlich sind", sagt Patrick Durisch von Public Eye. "Das heißt, für uns hat der Sponsor eine Sorgfaltspflicht. Er muss zwei, drei Mal absichern, dass, wenn er eine solche Studie hier in diesem Umfeld durchführt, auch die Probanden geschützt sind. Er trägt eine ganz spezielle Verantwortung."

Keine Informationen an betroffene Patienten

Von dem aktuell laufenden Verfahren seien Studien namhafter Pharmahersteller betroffen, darunter Otsuka, Ferrer, Pierre Fabre oder Minerava. Keines der angefragten Unternehmen sieht sich für die mutmaßlichen Opfer der Studien verantwortlich.

Der seit zwei Jahren andauernde Gerichtsprozess gegen die Klinikchefin verläuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gespräch mit dem ZDF gaben Psychiatriepatienten an, sie hätten keinen Verdacht gehabt, dass an ihnen Medikamente getestet wurden. Als Nebenkläger treten dagegen drei Pharmaunternehmen und das Krankenhaus auf, das die Kosten für Notfallbehandlung von Studienteilnehmer erstattet haben möchte. Die Nebenklägerrolle der Pharmabranche kritisiert der Freiburger Experte Gerd Antes als "pure Heuchelei". 

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