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Nach der Verlängerung in Brüssel - Umweltexperte: Es geht auch ohne Glyphosat

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Knapp 5.000 Tonnen Glyphosat landen in Deutschland jedes Jahr auf etwa 40 Prozent der Ackerfläche. Es ginge auch ohne, erklärt Karl Bär vom Umweltinstitut München.

Minister Schmidt verteidigt sein Votum zur Glyphosat-Frage.
Minister Schmidt verteidigt sein Votum zur Glyphosat-Frage. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

heute.de: Gibt es Alternativen zu Glyphosat?

Karl Bär: Natürlich gibt es eine Alternative, es gibt in Deutschland Zehntausende Bauern, die ohne Glyphosat Landwirtschaft betreiben.

heute.de: Wie kann eine Landwirtschaft ohne Glyphosat funktionieren?

Bär: Eine einfache Alternative ist die mechanische Unkrautbekämpfung, das heißt Pflügen oder Hacken der Felder. Damit kann Unkraut ohne Einsatz von Chemikalien bekämpft werden. Mit moderner Technik wie GPS-Gesteuerten Traktoren ist Hacken sogar beim Anbau von Getreide möglich. Wobei man natürlich sagen muss, dass diese Maschinen in der Anschaffung sehr teuer sind.

Das Problem beim Pflügen ist, dass dabei viel Sauerstoff in den Boden gelangt, der den Zersetzungsprozess des Humus im Boden beschleunigt, und dass dadurch mehr CO2 freigesetzt wird. Das ist in Bezug auf das Klima natürlich auch suboptimal.

heute.de: Da löst man also ein Problem und schafft damit ein anderes. Gibt es noch einen Weg?

Bär: Die zentrale Lösung, um ohne Pestizide auszukommen, ist eine gute Fruchtfolge. Wenn Landwirte jedes Jahr immer nur Mais anpflanzen, fördert das an den Mais angepasste Schädlinge und Unkräuter.  In diesen sogenannten Monokulturen brauchen die Landwirte immer mehr Pestizide.

Wenn aber abwechselnd Mais, Roggen, Weizen und auch Hülsenfrüchte etc. angepflanzt werden, kann sich der Boden regenerieren, und das Unkraut hat keine Gelegenheit sich anzupassen.

heute.de: Das heißt, die Bauern müssen ihre Anbauroutine umstellen?

Bär: Die Bauern müssen etwas kreativ sein. Ein Landwirt hier im Umland von München sät zum Beispiel Kleegras zwischen sein Getreide. Eigentlich will man keine anderen Pflanzen zwischen dem Getreide. Der Klee lässt aber keinerlei Platz für andere Pflanzen und Unkräuter und schützt damit das Getreide. Außerdem kann der Landwirt nach der Getreideernte auch noch Kleegras ernten und an seine Kühe verfüttern. Damit spart er dann doppelt Geld, da er keine Pestizide kaufen und nicht pflügen muss und bekommt auch noch Futter für seine Tiere.

heute.de: Stichwort Geld: Wäre Landwirtschaft ohne Glyphosat teurer?

Bär: Ja, an vielen Stellen kostet der Verzicht auf Pestizde etwas. Das Julius-Kühn-Institut, das zum Bundeslandwirtschaftsministerium gehört, geht zum Beispiel davon aus, dass bei Apfel-Plantagen bis zu 24 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr mehr nötig wären. Ich denke aber, dass wir Verbraucher für gute Lebensmittel auch einen guten Preis bezahlen sollten, und die meisten sind dazu ja auch bereit.

heute.de: Es gibt in der EU knapp 500 zugelassene Pestizid-Wirkstoffe. Was passiert, wenn Glyphosat doch noch verboten wird, kommt dann einfach ein neues Gift auf den Acker?

Bär: Es gibt immer wieder Gerüchte über andere, noch schädlichere Unkrautvernichtungsmittel, wenn über die Zeit nach Glyphosat gesprochen wird. Allerdings kann dann oft kein Produkt oder Wirkstoff benannt werden, der Glyphosat ersetzen soll. Aus meiner Sicht gibt es aktuell kein Mittel, das so universell wirksam ist wie Glyphosat und es damit ersetzen könnte.

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