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Ausschreitungen in Paris - Wut der "Gelbwesten" ungebrochen - trotz Notre-Dame

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Kann der Brand von Notre-Dame Frankreich wieder vereinen? Das war die Hoffnung vieler Politiker. Nun zeigt der erste Protest danach: Die Wut der "Gelbwesten" ist ungebrochen.

Auch am Osterwochenende haben in Paris und anderen französischen Städten wieder tausende Anhänger der "Gelbwesten" demonstriert. Es ist das 23. Protest-Wochenende in Folge.

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Barrikaden brennen, Steine fliegen, dutzende Menschen werden festgenommen: Paris erlebt am Samstag einen weiteren unruhigen Tag. Es ist das erste Mal seit dem verheerenden Brand der Kathedrale Notre-Dame, dass sich in Paris wieder Anhänger der "Gelbwesten"-Bewegung zu Protesten versammeln. Dabei hatte die Bürgermeisterin der Stadt, Anne Hidalgo, die Franzosen eindringlich zu einem Schulterschluss aufgerufen: Die Zeit des Wiederaufbaus von Notre-Dame müsse eine Zeit der Einigkeit werden.

Aber gerade die Tatsache, dass die Reichen des Landes in kürzester Zeit hunderte Millionen Euro für die Restaurierung des Wahrzeichens der Stadt spendeten, ist für die Demonstranten ein Beleg für die Ungleichheit in der Gesellschaft. Hilfsprojekte müssten um jeden Euro kämpfen, auf einem Transparent ist zu lesen: "Millionen für Notre Dame - und die Armen?"

Vorwurf: Milliardäre wollen bei Steuer profitieren

Guy ist aus Montceaux-les-Mines zum Demonstrieren gekommen und fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Er sagt: "Wir kommen aus einer Region, wo es Großindustrielle gab, die Kinder ab acht Jahren in den Minen arbeiten ließen. Und Madame, die Herrin, hat für gute Zwecke gespendet. Das hier ist ein Schritt um 200 Jahre zurück." Kritiker werfen den Milliardärsfamilien vor, mit ihren Spenden bei der Steuer profitieren zu wollen, da diese sich absetzen lassen.

Ungehört bleibt in der Debatte um die hohen Spenden der Aufruf zu mehr Gelassenheit von Frankreichs Beauftragtem für Kulturgüter, Stéphane Bern. "Man kann nicht schockiert sein von der Tatsache, dass die Menschen das Gefühl haben, dass Notre-Dame etwas ist, das die Seele Frankreichs ist", sagt er dem Sender Franceinfo am Samstag. Er weist darauf hin, dass keiner der Großspender für Notre-Dame nach einem Spendenbeleg gefragt habe. "Es ist reine Philanthropie. Sie sind bewegt, von dem, was sie sehen", sagte Bern.

In den vergangenen Wochen hat die "Gelbwesten"-Bewegung an Rückhalt in der Bevölkerung verloren. Die Hartnäckigkeit vieler Aktivisten aber ist ungebrochen. Stolz zeigt einer seine gelbe Weste, auf der jede Demonstration mit Datum vermerkt ist: "Wie Sie sehen können, habe ich keine einzige Demonstration verpasst. Wir machen weiter. Selbst wenn am Ende nur meine Frau und ich übrig bleiben."

"Gelbwesten" erwarten nicht viel von Macron

Dass Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag seine politische Antwort auf die monatelangen Proteste geben will, interessiert erstaunlich wenige. Guy aus Montceaux-les-Mines sagt: "Ich erwarte nicht viel. Das ist alles nur Wind. Wir erwarten kein göttliches Wort von oben. Wenn wir was erwarten, dann dass endlich alle erhört werden. Ein Chor von Einzelstimmen, die erhört werden. Das ist die Basis einer richtigen Demokratie. Wir erwarten weder Gott noch Herren."

Der Präsident hatte wegen des Großbrands der Pariser Kathedrale seine ursprünglich für vergangenen Montag geplante Ankündigung von Zugeständnissen verschoben. Im Gespräch sind nach französischen Medienberichten eine Senkung der Einkommensteuer und eine Besserstellung von Beziehern niedriger Renten. Heftig diskutiert wird unter den Franzosen Macrons angeblicher Plan, die berühmte Elitehochschule ENA (École Nationale d'Administration) abzuschaffen.

Macron selbst und mehrere Spitzenvertreter seiner Mitte-Regierung, etwa Premierminister Édouard Philippe sowie Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire, sind ENA-Absolventen. Die Kaderschmiede gilt als Symbol französischer Elitebildung. Seit 1974 war in Stichwahlen zur französischen Präsidentschaft immer mindestens ein Kandidat ein ENA-Absolvent. Möglicherweise kommt diese überraschende Maßnahme zu spät. Längst haben die "Gelbwesten" ihr Feindbild Nummer eins auserkoren: Es ist der Mann an der Spitze des Landes, der Präsident der Republik. Er soll weg.

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