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Randale in Paris - "Gelbwesten"-Protest artet in Gewalt aus

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Plünderungen, Brandstiftung, eingeschlagene Scheiben: In Paris eskaliert der "Gelbwesten"-Protest. Mehr als 230 Menschen werden festgenommen.

In Paris kommt es bei Protesten der Gelbwesten zu massiven Ausschreitungen. Geschäfte werden geplündert, ein Haus in Brand gesteckt.

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Der Protest der "Gelbwesten" in Paris ist am Samstag in massive Gewalt ausgeartet. Über der Prachtstraße Champs-Élysées standen schwarze Rauchwolken. Randalierer verwüsteten Geschäfte und zündeten unter anderem eine Bankfiliale an. 5.000 Polizisten waren in Paris im Einsatz. Sie versuchten, die Menge mit Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfern zurückzuhalten. Mehr als 230 Menschen wurden festgenommen, französische Medien berichten von Dutzenden Verletzten.

Protestierer warfen nahe dem Arc de Triomphe Rauchbomben und andere Gegenstände auf Polizisten, dann begannen sie, auf die Scheiben eines Polizeifahrzeugs einzuschlagen. Mehrere Zeitungskioske brannten aus, vermummte und schwarz gekleidete Teilnehmer der Proteste warfen Steine auf Polizisten und bauten Barrikaden. Mode- und Schmuckgeschäfte wurden geplündert, Schaufensterpuppen aus den zertrümmerten Scheiben geworfen. Randalierer drangen auch in den Fanshop des Fußballvereins Paris Saint-Germain ein. Von dort schossen sie Fußbälle in die Menschenmenge. Verwüstet und in Brand gesteckt wurde auch die Brasserie "Fouquet's", in der gern Politiker und Prominente verkehren.

"Wir waren zu nett, darum die Gewalt"

Auf den Champs-Élysées und in den Nebenstraßen gab es zahlreiche Brände. Gefährlich wurde es, als eine Bankfiliale im Erdgeschoss eines siebenstöckigen Wohnhauses brannte. Das Feuer griff auf die darüberliegenden Wohnungen über. Einsatzkräfte retteten eine Frau und ihr Baby, deren Stockwerk von Flammen eingeschlossen war. Elf Menschen wurden verletzt, unter ihnen zwei Feuerwehrleute. "Sehen Sie nur, was hätte passieren können", sagte ein sichtlich unter Schock stehender Bewohner des Gebäudes. "Sie hätten töten können."

Das Feuer wurde nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner vorsätzlich gelegt. "Die Personen, die diese Tat begangen haben, sind weder Demonstranten noch Randalierer, sie sind Mörder", erklärte Castaner. Einige Teilnehmer seien offensichtlich "nur angereist, um Sachen zu zerstören". In sozialen Netzwerken hatten die Organisatoren des Protestes zuvor angedeutet, es würden Unterstützer aus Italien, Belgien, den Niederlanden und sogar aus Polen erwartet. Begleitet wurden die Ausschreitungen von Sprechchören, die sich gegen den Kapitalismus und gegen die Polizei richteten. "Wir waren zu nett, darum die Gewalt heute", kommentierte ein Demonstrant die Vorfälle.

Regierung: Extrem gewaltbereite Demonstranten

Castaner sprach von 1.500 "extrem gewaltbereiten" Teilnehmern unter den Demonstranten in Paris. Landesweit gingen demnach mehr etwa 30.000 "Gelbwesten" auf die Straße - etwas mehr als am vergangenen Wochenende. 10.000 von ihnen waren in Paris unterwegs. Frankreichs Premierminister Edouard Philippe verurteilte die Ausschreitungen als inakzeptabel: "Wer solche Taten verteidigt oder ermutigt, macht sich zum Komplizen."

Für die "Gelbwesten" war es der 18. Protestsamstag in Folge; sie gehen seit dem 17. November auf die Straßen. Zum Höhepunkt der Kundgebungen im vergangenen Jahr hatten mehr als 300.000 Menschen daran teilgenommen. Die teils gewaltsamen Proteste der "Gelbwesten" hatten sich an Regierungsplänen zu Benzinpreiserhöhungen entzündet. Sie wuchsen sich zu Massenprotesten gegen Präsident Emmanuel Macron aus, dem seine Gegner vorwerfen, ein Präsident der Reichen zu sein. Nachdem die Teilnehmerzahl in den vergangenen Wochen stetig zurückgegangen war, hofften Vertreter von Lehrern, Arbeitslosen und Gewerkschaften diesmal wieder auf größeren Zulauf, nicht nur in Paris, sondern auch in anderen Städten Frankreichs.

Auch die Polizei hatte sich auf eine wieder wachsende Demonstrantenzahl eingerichtet. Grund ist das Ende einer zweimonatigen Bürgerdebatte, mit der Macron auf die Proteste reagiert hatte. Rund 500.000 Menschen waren zu den landesweiten Gesprächen gekommen. Die Demonstranten indes sahen darin nur leere Worte und einen Wahlkampftrick. In einem Online-Aufruf hieß es, der Samstag solle als "Ultimatum" an die Regierung und die Mächtigen verstanden werden.

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