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EZB-Ratssitzung - Ziel verfehlt - Die EZB und die widerspenstige Inflation

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Weiter billiges Geld für jeden, der es haben will und keine sichtbaren Zinsen - das ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank dieser Tage. Und so dürfte sie auch noch lange bleiben - zum Ärger der Sparer.

Die Europäische Zentralbank wird verkünden, wie sie sich ihre künftige Geldpolitik vorstellt. Zwar scheint eine Erhöhung der Leitzinsen ausgeschlossen. Jedoch gibt es womöglich einen Hinweis, wann die Zeit des billigen Geldes zu Ende gehen könnte.

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Zuletzt notierte sie bei 1,3 Prozent, die Preissteigerungsrate in der Eurozone. Die Inflation lag schon mal etwas höher, vor einigen Monaten etwa bei 1,6 Prozent. Beide Zahlen aber sind weit von dem entfernt, was die EZB als gesunde Preisentwicklung betrachtet. Die soll sich in etwa um die zwei Prozent bewegen, das gilt dann als stabil.

Warum aber überhaupt dieses Streben nach einer gewissen Inflation? Um Abstand zu wahren zu einem Rückgang der Preise, also einer Deflation. Die nämlich ist das Schreckgespenst jeder Notenbank, weil gegen sie kein Kraut gewachsen scheint. Preisrückgänge münden fast immer in eine teuflische Spirale: Verbraucher kaufen nicht mehr, weil sie erwarten, dass alles noch billiger wird; die Produzenten bleiben auf ihren Gütern sitzen oder müssen sie unter Wert verramschen, dann geht die Produktion zurück, es steigt die Arbeitslosigkeit und damit sinkt wieder die Kaufkraft. Man mag es sich nicht ausmalen.

Die Zinswelt scheint aus den Fugen

Also zwei Prozent Preiszuwachs im Jahr, damit kann man leben. Und um eine gewisse Inflation zu stimulieren, gibt es das Mittel der Zinssenkungen. Dachte man. Aber die Zinswelt scheint aus den Fugen. Man rätselt im Turm der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, warum die Inflation nicht macht, was man denkt. Billiges Geld - jeden Monat etwa kauft die EZB für 60 Milliarden Euro Staats- und Unternehmensanleihen - müsste eigentlich Konsum und Produktion antreiben, höhere Löhne und steigende Preise sollten die Folge sein.

Aber es klappt nicht. Sogar Strafzinsen auf Guthaben gibt es inzwischen, da wäre Geldausgeben eigentlich die logische Alternative. In der Tat läuft etwa in Deutschland die Binnenkonjunktur sehr gut - aber teurer werden eigentlich nur staatliche Gebühren und Abgaben; Energie ist günstig (außer Strom), Nahrungsmittel sind es auch. Der Onlinehandel sorgt für Preistransparenz, da ist es kaum möglich für die Anbieter, höhere Preise durchzusetzen. Das aber ist offenbar nur einer der Gründe für die schleppende Preisentwicklung.

Einfluss der nationalen Zentralbanken ist begrenzt

Weitere scheinen außerhalb der Macht jeder nationalen Zentralbank zu liegen: Das ist die Globalisierung, und zwar nicht nur der Wirtschaft und Unternehmen, sondern offenbar auch der volkswirtschaftlichen Kennzahlen, wie etwa Inflation. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, sozusagen die Zentralbank der Zentralbanken, hat sich die internationalen Gegebenheiten angesehen und diskutiert inzwischen die Frage, ob nicht die Zusammenarbeit rund um den Globus dafür sorgt, dass Preise und Löhne nicht so ohne Weiteres steigen können.

Der Gedanke dahinter: Arbeitsmärkte und auch Gütermärkte sind nicht mehr national oder regional begrenzt. Länder wie China oder die früheren Ostblockstaaten drängen auf jeden Markt. Sobald sich in einem Land höhere Preise oder Löhne abzeichnen, gewinnen die ausländischen Anbieter, soweit sie günstiger liefern können, neue Marktanteile. Die Löhne und Preise werden sozusagen gedeckelt: Immer der Billigste hat das Sagen.

Und da für viele Güter die Produktionskosten sinken (etwa Computerchips, Elektronik, Kunststoffe und dergleichen), kann Preisdruck kaum entstehen. Zumal viele Produkte mit Teilen aus aller Herren Länder zusammengebaut werden - man denke nur an Autos, oder auch Smartphones.

Niedrige Inflationsrate könnte Normalzustand werden

Sind die Notenbanken also machtlos? "Könnte so kommen", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: "Erst wenn global alle bedeutenden Länder die gleiche starke Konjunktur erleben, also in keinem Land mehr Überkapazitäten da sind, dann würde sich die Inflation nach oben bewegen." Diese Entwicklung allerdings hängt von der Wirtschaftslage in China, Osteuropa oder auch Südamerika ab. Kein Gebiet, auf dem eine EZB mitbestimmen könnte.

Sollten die Theorien der Wissenschaftler bei der BIZ stichhaltig sein, müsste sich die Zentralbank daran gewöhnen, auch eine niedrigere Inflationsrate, also zum Beispiel 1,5 Prozent, als Normalzustand zu akzeptieren. Bisher hört man aus dem Hause des EZB-Chefs Mario Draghi aber nichts dergleichen. Dort will man die zwei Prozent Preissteigerung fast erzwingen - könnte sein, dass das auf Jahre hinaus aber nicht gelingt. Die ungesunde Zinslage wäre dann also auf lange Zeit zementiert.

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