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Die Stadt wächst, die Mieten nicht - das geht

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Vorzeigemodell Wien - Die Stadt wächst, die Mieten nicht - das geht

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Wann immer es um explodierende Mieten in deutschen Städten geht, wird meist Wien als positives Gegenbeispiel hingestellt. Ein Blick auf Österreichs Hauptstadt verrät die Gründe.

Karl Marx Hof in Wien, aufgenommen am 26.03.2019
Beliebt und günstige: städtische Wohnungen in Wien, im Bild der Karl-Marx-Hof.
Quelle: imago/SKATA

Nicht nur in deutschen Metropolen, in vielen europäischen Haupt- und Großstädten steigen die Mietpreise dramatisch schnell; der Handlungsdruck scheint groß zu sein, viele Politiker wirken dagegen eher ratlos. Dann dient in der Debatte Wien gerne als Vorzeigemodell. 

Dabei wächst und boomt durchaus auch die österreichische Hauptstadt, Wien hat aber dennoch deutlich weniger Probleme mit steigenden Mieten als deutsche Städte. Denn in Wien lebt rund ein Viertel der Bevölkerung in Gemeindebauten, also in Wohnungen, die der Stadt Wien gehören. Der Mietpreis liegt hier bei Neuvermietungen bei 5,81 Euro pro Quadratmeter plus Betriebskosten und Steuern - und das in allen Bezirken, erklärt Markus Leitgeb, Sprecher der kommunalen Hausverwaltung Wiener Wohnen, die sich um alle 220.000 Gemeindewohnungen in der 1,9-Millionen-Stadt kümmert.

"Sanfte Nachverdichtung"

"In den Gemeindebauten machen wir zudem eine sanfte Nachverdichtung, wir achten bei Sanierungen also darauf, dass wir etwa das Dachgeschoss ausbauen", sagt Leitgeb. Bis 2020 sollen insgesamt 4.000 neue, stadteigene Wohnungen geschaffen werden. Im Bestand befinden sich dabei durchaus nicht nur in die Jahre gekommene Mietswohnungen in alten Stadtvierteln, sondern auch moderne Neubauten in unterschiedlichster Lage.

Wiener Wohnen ist nach eigenen Angaben die größte kommunale Hausverwaltung in Europa. Im Kern finanziert sich der Wiener Gemeindebau dabei aus den eigenen Mieteinnahmen und Mitteln der Wohnbau-Förderung.

100 Jahre alte Tradition, jüngst gestärkt

Die zweite Säule des Wiener Modells sind geförderte Wohnungen, von denen laut Leitgeb jährlich 10.000 neu entstehen. Erst im November wurde beschlossen, dass bei künftigen Bauprojekten nur noch ein Drittel der Wohnnutzfläche frei finanziert werden darf, zwei Drittel bleiben geförderten Wohnungen vorbehalten.

Der soziale Wohnungsbau hat in Wien eine 100 Jahre lange Tradition - und könnte nun dabei helfen, dass die Stadt das Wachstum auf vermutlich bald wieder zwei Millionen Einwohner mit Blick auf die Mietpreise angenehm verkraftet.

Alles eitel Sonnenschein, also? Es gibt auch kritische Stimmen am Vorzeigemodell: Mangelnde Transparenz lautet der Hauptvorwurf, immer wieder landen Fälle von Bestechlichkeit bei der Justiz. Auch dass immer wieder Menschen in städtischen Wohnungen leben, die sich teurere Domizile leisten können, gefällt nicht jedem. Dagegen wird argumentiert, dass die soziale Durchmischung erwünscht sei.

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