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Hunderttausende auf den Straßen - Proteste und neue Gewalt in Barcelona

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Steine fliegen, Barrikaden brennen, Dutzende Verletzte - wieder ist die Gewalt in Barcelona bei Demonstrationen für die Freiheit der Separatistenführer eskaliert.

Die Proteste für die Unabhängigkeit Kataloniens reißen nicht ab: In der Nacht kam es in Barcelona zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

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Die Proteste in Katalonien haben einen neuen Höhepunkt erreicht und vor allem der Regionalhauptstadt Barcelona eine gewalttätige Nacht beschert: Nach einem Sternmarsch aus fünf katalanischen Städten versammelten sich am Freitag dort mehr als eine halbe Million Menschen zu einer Großkundgebung. Zuvor hatte ein Generalstreik das öffentliche Leben lahmgelegt. Am Rande der Proteste kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen radikaler Jugendlicher. Diese endeten in der Nacht mit brennenden Barrikaden und Polizei-Einsätzen. Erst am frühen Morgen schien sich die Lage etwas zu beruhigen.

Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte dem TV-Sender La Sexta in der Nacht zum Samstag, "eine solche extreme Gewalt" habe es in Katalonien "noch nie gegeben". "Das sind natürlich keine Separatisten, das sind Gewalttätige", die es aber nicht schaffen würden, die Befürworter der Unabhängigkeit "zu besudeln", so der Vertreter der separatistischen Regionalregierung.

Es war bereits die fünfte Nacht in Folge, in der teils mit Gewalt gegen die Verurteilung von neun Separatistenführern der abtrünnigen Region im Nordosten Spaniens demonstriert wurde.

Mindestens 60 Verletzte

Mindestens 15 zum Teil minderjährige Aktivisten seien am Freitag allein in Barcelona festgenommen worden, teilten die regionalen Sicherheitsbehörden mit. In ganz Katalonien habe es insgesamt 31 Festnahmen gegeben. Unruhen gab es am Freitag auch in anderen katalanischen Städten wie Tarragona, Lleida und Girona. Mindestens 60 Menschen wurden den amtlichen Angaben nach in Barcelona verletzt, darunter drei Polizisten und zwei Journalisten.

Die Proteste hatten am Nachmittag auch die Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas, erreicht. Hunderte Demonstranten blockierten im Rahmen eines in der gesamten Region ausgerufenen Generalstreiks zeitweise die Zugänge zu dem weltberühmten Gotteshaus. Später wurden die Pforten der bis heute unvollendeten Basilika des Architekten Antoni Gaudí komplett geschlossen, "um die Sicherheit von Besuchern, Arbeitern und Belegschaft zu garantieren", wie es auf dem Twitter-Account der Sagrada Familia hieß.

Hunderttausende auf den Straßen

Nach Schätzungen spanischer Fernsehsender gingen im Zentrum von Barcelona am Freitag Hunderttausende auf die Straßen. Bei einer Großkundgebung waren am späten Nachmittag fünf "Märsche für die Freiheit" zusammengetroffen - Teilnehmer hatten sich vor einigen Tagen in Massen aus verschiedenen Teilen der Region in Richtung ihrer Hauptstadt aufgemacht.

Die Aktionen sind eine Reaktion auf die Urteile des Obersten Gerichts in Madrid, das am Montag sieben ehemalige Spitzenpolitiker der abtrünnigen Region und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Befürwortern einer Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens.

Flüge und Züge fallen aus, Straßen sind dicht

Wegen des Generalstreiks wurden unter anderem mehrere Dutzend Flüge vor allem der Gesellschaften Iberia und Vueling gestrichen. Auch der Zugverkehr war teilweise beeinträchtigt, Dutzende Straßen wurden von Demonstranten blockiert. Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit ebenso nieder wie die Belegschaft der katalanischen Supermarktkette Bonpreu. Auch zahlreiche Hörsäle an den Unis und viele Klassenzimmer blieben leer.

In den vergangenen Tagen und vor allem Nächten war es in verschiedenen Teilen Kataloniens zu teils heftigen Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.

Der von Spanien zur Festnahme ausgeschriebene katalanische Politiker Carles Puigdemont bleibt in Belgien vorerst auf freiem Fuß. Der frühere katalanische Regionalpräsident meldete sich selbst bei der Polizei in Brüssel, nachdem Spanien europäischen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hatte. Puigdemont habe dies aus freien Stücken getan, erklärte sein Büro am Freitag. Er widerspreche den Vorwürfen der spanischen Justiz. Der Politiker wurde daraufhin verhaftet, wie die Staatsanwaltschaft in Brüssel mitteilte. Ein belgischer Untersuchungsrichter verfügte am Freitagnachmittag aber die Freilassung unter Auflagen. Puigdemont muss am 29. Oktober wieder vor dem Richter erscheinen.

Der frühere Separatistenführer war 2017 nach Belgien geflohen. Die spanische Justiz wirft ihm Aufruhr und Zweckentfremdung öffentlichen Geldes vor. Einem früheren Auslieferungsbegehren waren die belgischen Behörden nicht gefolgt. Puigdemont war 2018 in Deutschland festgenommen worden, aber nach einigen Tagen Haft wieder freigekommen. Später hob das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht den Auslieferungshaftbefehl auf. Am Montag hatte die spanische Justiz den internationalen Haftbefehl reaktiviert.

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