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Generation Smartphone - Warum Eltern auch mal mit-daddeln sollten

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Smartphone, Tablet, Spiele-Konsole - Kinder wachsen in einer digitalisierten Welt auf. Autorin Verena Gonsch rät im heute.de-Interview Eltern, auch mal in diese Welt einzutauchen.

Mutter und Kind vor Tabletcomputer (Ipad
Quelle: picture alliance / Bildagentur-online

heute.de: Wie sind Sie auf die Idee mit dem Buch "Digitale Intelligenz - Warum die Generation Smartphone kein Problem, sondern unsere Rettung ist" gekommen?

Verena Gonsch: Ich bin beim Umgang mit der Digitalisierung vom Saulus zum Paulus geworden, weil ich anfangs gefühlt auch jede Minute Computerspiele mit der Stoppuhr gezählt habe. Das bedeutete wenig Spaß und viel Familienstress. Irgendwann habe ich dann begriffen, dass mein Sohn manche Spiele nicht einfach nach 20 Minuten wegklicken kann, weil da ein ganzes Team von Mitspielern dranhängt, dass das also auch ein soziales Event ist.

Seitdem habe ich mir viel von den Kindern erklären lassen, auch mitgespielt und so mehr und mehr von der Welt verstanden. Das hat uns in der Familie ins Gespräch gebracht, so dass wir alle zusammen das Quiz entwickelt haben, das im Buch abgedruckt ist.

heute.de: Welche Reaktionen bekommen Sie auf das Buch?

Gonsch: Ganz oft die Reaktion: "Endlich mal ein entspannterer Umgang mit der Digitalisierung." Es wird eine sehr heftige digitale Debatte in Deutschland geführt. Die Eltern haben Angst, dass ihre Kinder im Netz auf gefährliche Seiten stoßen oder gemobbt werden. Die Schulen sind hin- und hergerissen zwischen den Ängsten der Eltern und den Anforderungen der modernen Welt. Die Lehrerausbildung ist noch nicht auf digitale Medien ausgerichtet. Viele Schüler sind ihren Lehrern weit voraus, zum Beispiel was den Umgang mit sozialen Netzwerken angeht. Und diese Fähigkeiten der Smartphone-Generation wie Teamworken, in sozialen Netzwerken unterwegs sein, vernetzt sein, brauchen die Jugendlichen später auch in ihrer Berufswelt 4.0.

heute.de: Nur weil ein Kind online netzwerken kann, bedeutet es aber nicht, dass es das auch offline kann.

Gonsch: Nein, natürlich nicht. Das ist nur ein Teil der Kompetenz. Sie sollen ja nicht zehn Stunden am Tag im Netz stecken. Das eine muss man können, und das andere muss man auch lernen.

heute.de: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Welt durch die Digitalisierung verändert?

Gonsch: Ich glaube, die Digitalisierung ist ein Schlagwort geworden. Für viele sogar ein negatives, für all das, was sich verändert hat. Ich glaube, viele meinen nicht die Digitalisierung, sondern Angst macht ihnen die Globalisierung. Dass sie mit der ganzen Welt vernetzt sind. Dass es viele Hatepostings gibt. Das macht vielen Menschen Angst. Da spielt dann auch das Wohlstands-Paradox mit rein, dass wir Angst haben, dass es unseren Kindern einmal nicht mehr so gut gehen könnte wie uns. Für die Kinder und Jugendlichen hat sich im Vergleich zu einer Kindheit vor 20 Jahren wahnsinnig viel verändert. Es gibt aus ihrer Sicht viele neue, spannende Wissensinhalte zu entdecken.

heute.de: Es kommt auch immer auf den Horizont an.

Gonsch: Ich habe Interviews mit 20-Jährigen geführt, die sagen, wenn ein Politiker über das Digital-Ministerium redet, dann wissen sie gar nicht, ob beide vom selben sprechen. Weiß ein 60-Jähriger heute, was ein 25-Jähriger macht? Ich glaube, für jeden ist es etwas anderes, und das macht es eben so spannend. Aber für viele ist das auch mit Angst besetzt.

heute.de: Sie sprechen in Ihrem Buch von der Technikskepsis der Deutschen. Die "German Angst" ist ein Begriff, der häufig fällt.

Gonsch: Der Pisa-Verantwortliche für Deutschland, Andreas Schleicher, nennt uns "technikskeptisch". Das waren wir bei früheren großen Umbrüchen schon, etwa bei der Industrialisierung, aber wir sind eben auch sehr gründlich und sehr sicherheitsbewusst. Das sind unsere Stärken. Und das führt auch zu unserem wirtschaftlichen Erfolg, auch im Maschinenbau und im Industriebereich. Bei der Digitalisierung führt diese Technikskepsis meiner Ansicht nach aber dazu, dass wir unsere Kinder mit angezogener Handbremse in die Welt entlassen.

heute.de: Und auf die Eltern bezogen?

Gonsch: Die Eltern fühlen sich sehr verantwortlich für ihre Kinder. Was ja gut ist. Aber auch in dem Sinn, wenn es mit meinem Kind nicht gut läuft, dann bin ich auch daran schuld. Das lässt sich auch auf die Digitalisierung übertragen. Die Angst schwingt immer mit.

heute.de: Sollten sich Eltern mehr mit den Kindern befassen?

Gonsch: Jede zweite Mutter, jeder zweite Vater sagt "Mach das Ding aus". Ein Jugendlicher hört über das Smartphone ein Hörbuch, erstellt eine Playlist, liest auch mal ein Buch, er daddelt oder schaut sich Videos an.

Es ist ein Konglomerat von vielen Tätigkeiten, wofür man früher verschiedene Geräte brauchte. Den Kindern reicht es oft, wenn man daneben sitzt und sich interessiert. Man muss es nicht selbst auch können.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

Digitale Intelligenz versus digitale Demenz

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