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Generation Youtube - Webvideos verändern die Bildungslandschaft

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Youtube hat einen unerwartet hohen Einfluss auf die Bildung von Jugendlichen. Der Rat für Kulturelle Bildung sieht nach diesem Ergebnis einer aktuellen Studie Handlungsbedarf.

Jugendliche mit Smartphones und Tablet
Jugendliche mit Smartphones und Tablet
Quelle: colourbox

Seit der Gründung im Jahr 2005 hat sich das US-amerikanische Videoportal Youtube zum Leitmedium der Jugendlichen entwickelt. In einer Studie des Rates für Kulturelle Bildung haben 86 Prozent der 818 befragten Jugendlichen im Alter von zwölf bis 19 Jahren angegeben, die Plattform zu nutzen. Bei den 18- bis 19-Jährigen sind es 93 Prozent.

20 Prozent sehen mehrmals täglich Videos und 41 Prozent mehrmals in der Woche. Für 47 Prozent der Schüler und Schülerinnen ist Youtube für Schulthemen wichtig, sie wiederholen Stoff, den sie im Unterricht nicht verstanden haben, vertiefen das Schulwissen, nutzen die Videos für Hausaufgaben und bereiten sich mit Youtube auf Prüfungen vor.

Jugendliche wollen audiovisuelle Lernformen im Unterricht

Die heute vorgestellte Studie "Jugend/Youtube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019" ergab zudem, dass 60 Prozent der Jugendlichen sich eine kritische Auseinandersetzung mit Youtube im Unterricht wünschen und von der Schule Unterstützung bei der Erstellung von eigenen Videos erwarten. "Eine wichtige Schlussfolgerung aus der Studie ist, dass man dieses Medium nicht ignorieren darf", erklärt Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für kulturelle Bildung. Er geht davon aus, dass Youtube "die Bildungslandschaft im ganzen berührt und verändert".

Eltern und Lehrer haben wenig Wissen und kaum Einfluss

Nach eigenen Angaben laufen auf Youtube täglich Videos in 80 verschiedenen Sprachen mit einer Gesamtdauer von über einer Milliarde Stunden. Sie erreichen 95 Prozent aller Internetnutzer. Auf die Orientierung der Jugendlichen in dieser digitalen Welt haben Erwachsene nur einen geringen Einfluss. Fast alle Befragten treffen ihre Auswahl nach Tipps von Freunden, Bekannten und Mitschülern, 65 Prozent lassen sich von Influencern anregen und 30 Prozent nehmen die Tipps von Lehrern an.

Diese "neuen post-digitalen jugendkulturellen Welten" seien für Erwachsene schwer zu verstehen, betont Benjamin Jörissen, Mitglied im Rat für kulturelle Bildung. Dies sei sowohl ein pädagogisches als auch ein gesellschaftliches Problem. Der Lehrstuhlinhaber am Institut für Pädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sieht "erhebliche Wissenslücken und Lernbedarfe. Allerdings nicht der Jugendlichen, sondern der Erwachsenen". Er kritisiert, dass die Verantwortlichen in Politik und Bildungsadministration "sich immer wieder geradezu als lernresistent erweisen".

Rat für Kulturelle Bildung fordert erweiterten Digitalpakt

Nach der Einigung über den "Digitalpakt Schule" im Mai 2019 können Schulen in ganz Deutschland mehr als fünf Milliarden Euro abrufen, um in den kommenden Jahren schuleigenes WLAN aufzubauen, interaktive Tafeln anzuschaffen oder auch Tablets zu kaufen. Außerdem soll mit dem Geld die digitale Weiterbildung von Lehrkräften finanziert werden.

Dem Rat für Kulturelle Bildung geht das nicht weit genug. Die Studie belege, dass Youtube das Interesse der Jugendlichen an Musik, Tanz, Theater, Gaming, Film und Kunst wecke, sie motiviere, selbst aktiv zu werden und ihnen beim Erlernen neuer Fähigkeiten helfe. Um diese Formen der kulturellen Teilhabe zu fördern, sollte der Digitalpakt auf Kulturanbieter und Kultureinrichtungen ausgeweitet werden. Diese Forderung richtet sich an die Bundesregierung, die Fraktionen im Bundestag und die Landesregierungen, die die Voraussetzungen für eine zeitgemäße Bildungslandschaft schaffen sollten.

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