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Duque folgt Santos - Generationswechsel in Kolumbien

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Mit Ivan Duque übernimmt ein junger Präsident die Amtsgeschäfte in Bogota. Er muss die Dauerfehde mit Nachbar Venezuela und den brüchigen Frieden mit den Guerillas bewältigen.

Präsident Duque (links) mit Gouverneuren
Präsident Duque (links) mit Gouverneuren
Quelle: epa

Kurz vor dem Abschluss seiner ohnehin schon turbulenten politischen Karriere erlebt Juan Manuel Santos (66) noch einmal das ganze Drama der südamerikanischen Politik. Der kolumbianische Präsident soll Drahtzieher des mutmaßlichen Drohnenattentats gegen seinen venezolanischen Amtskollegen Nicolas Maduro in Caracas sein. Das behauptet zumindest Maduro. Santos, der am Dienstag in den politischen Ruhestand geht und sein Amt an den deutlich jüngeren Ivan Duque (42) übergibt, reagiert auf seine Weise auf die Vorwürfe: Auf Twitter veröffentlicht sein Sohn Esteban ein Bild auf dem sich beide köstlich am Küchentisch sitzend über die Vorwürfe amüsieren sollen.

Dauerkonflikt mit Venezuela

Für den rechtskonservativen Duque dürfte die Angelegenheit weniger spaßig werden. Er erbt von Santos nicht nur den schwelenden Dauerkonflikt mit dem links regierten Nachbarn, sondern dürfte von Caracas auch auf andere Art und Weise herausgefordert werden. Neben einem kontinuierlichen Zuzug Geflüchteter, der bereits rund eine Million Venezolaner wegen der katastrophalen Versorgungslage im eigenen Land nach Kolumbien hat übersiedeln lassen, gibt es auch immer wieder diplomatische Streitigkeiten zwischen den beiden Brudervölkern. Duque selbst hatte im Wahlkampf immer wieder betont, er werde sich für die Freiheit Venezuelas einsetzen. Wie er das tun will, bleibt abzuwarten.

Doch Duque ist nicht zum Präsidenten Venezuelas, sondern Kolumbiens gewählt worden. Und im eigenen Land warten auf den jungen Präsidenten genügend Probleme. Da ist zum einen die Mordserie gegen Menschenrechtler und soziale Aktivisten, die wie ein großer Schatten auf dem von Santos angestoßenen Friedensprozess im Lande liegt. Wie Duque den Schutz dieser Menschenrechtsverteidiger in den Griff bekommt, wird von internationalen Beobachtern intensiv verfolgt und zur Messlatte seiner Präsidentschaft herangezogen werden.

Fast 300 Morde seit Friedensvertrag

Auf rund 300 Morde kommen Menschenrechtsorganisationen seit Unterzeichnung des Friedensvertrages mit der Guerilla-Organisation Farc, die inzwischen entwaffnet und als politische Partei tätig ist. Zudem ist die Kokain-Produktion deutlich gestiegen. In den Gebieten, die einst Farc-Einheiten kontrollierten, kämpfen nun neoparamilitärische Gruppen, die noch nicht befriedete ELN-Guerilla und abtrünnige Farc-Dissidenten, die sich dem Friedensprozess nicht angeschlossen haben, um die Vorherrschaft im lukrativen Drogenhandel und im illegalen Bergbau.

Eine unübersichtliche Gemengelage, die viel politischen Zündstoff birgt. Duque selbst zeigte sich skeptisch, kündigte an den Friedensvertrag mit der Farc korrigieren zu wollen. Zudem wartet die nach der Farc zweitgrößte Rebellengruppe des Landes, die marxistische ELN-Guerilla, auf ein Signal der neuen Duque-Regierung wie die derzeit in der kubanischen Hauptstadt Havanna geführten Friedensverhandlungen weiterlaufen sollen. Auch diese hat Duque von Santos geerbt. Gefährdet Duque den Erfolg des Friedensprozesses, wird er es mit dem Widerstand einer neuen, starken linken Opposition im Land zu tun bekommen.

Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Gustavo Petro, selbst ein ehemaliger Guerillero der vor Jahren aufgelösten linken Kampfgruppe M19, verspricht dann seine breite Anhängerschaft zu mobilisieren. Bereits für den Tag der Amtseinführung sind nicht nur in Kolumbien, sondern vor den kolumbianischen Konsulaten und Botschaften weltweit Proteste angekündigt.

Marionette Uribes?

Und Duque muss sich des von seinen Kritikern verbreiteten Eindrucks erwehren, er sei nur eine Marionette des ehemaligen und immer noch einflussreichen Ex-Präsidenten Alvaro Uribe (2002 bis 2010). Der rechtskonservative Hardliner hat sich mit dem Friedensprozess nie erwärmen können und brach deshalb sogar mit seinem ehemaligen Verteidigungsminister und Wunschnachfolger Juan Manuel Santos.

Die Dauerfehde der ehemaligen Mitstreiter kennzeichnete die achtjährige Präsidentschaft von Santos, dem die Verfassung wegen der dort verankerten Amtszeitbegrenzung verbot, ein drittes Mal zu kandidieren. "Das einzige was ich nicht tun werde, ist meinen Nachfolger zu stören", versprach Santos in einem seiner letzten Interviews im Amt. Stattdessen wird er allerdings als Friedensnobelpreisträger in Kolumbien und ganz Lateinamerika weiterhin ein politisches Schwergewicht bleiben. Diesen Stellenwert muss sich der junge Duque in den nächsten Jahren noch erarbeiten. Seine mit Spannung erwartete Antrittsrede wird einen ersten Fingerzeig geben, in welche Richtung sich Kolumbien in den nächsten vier Jahren bewegen wird.

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