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US-Hersteller auf dem Autosalon - Warum kein Cadillac in Genf vorfährt

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Autos "Made in USA" haben in Europa weniger Erfolg als daheim: Die US-Modelle treffen nicht immer den hiesigen Geschmack. Aber auch EU-Zölle spielen eine Rolle.

Der Genfer Autosalon am zweiten Pressetag, aufgenommen am 07.03.2018
Autosalon in Genf: Einige wichtige US-Autobauer sind nicht da. Quelle: dpa

Auf dem Genfer Automobilsalon fehlen einige wichtige amerikanische Hersteller: Die GM-Töchter Chevrolet und Cadillac sind nicht gekommen, auch Tesla ist nicht vertreten - das jedoch ist nicht außergewöhnlich, denn der kalifornische Hersteller von Elektroautos kommt selten zu Automessen. Sein Bekanntheitsgrad ist ohnehin groß genug.

Ford kennt die Vorlieben der Europäer

Ford jedoch ist da, auch FiatChrysler als italienisch-amerikanisches Gemeinschaftsunternehmen. Beide aber kennen den europäischen Markt. "Ford gilt als veritabler europäischer Autohersteller", erklärt Tim Schuldt, Autoexperte der Equinet-Bank. Denn die Amerikaner bauen seit langem vor Ort in Europa für den lokalen Geschmack und sind deshalb erfolgreich.

"Im extrem harten Wettbewerb in Europa haben sich die amerikanischen Unternehmen schon in den letzten 80 Jahren etabliert", sagt Christoph Stürmer, Autoexperte der Unternehmensberatung PWC. Mit Opel hat General Motors jedoch inzwischen die Geduld verloren und die Rüsselsheimer an die französische PSA verkauft.

Ein Cadillac geht am deutschen Geschmack vorbei

Allerdings hänge der Erfolg davon ab, ob sie in Europa aktiv ihre Fahrzeuge entwickeln und designen, meint Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. "Ein Cadillac wird in Deutschland niemals gut laufen, weil er zu sehr für den amerikanischen Geschmack konzipiert ist", sagt er.

Denn die Geschmäcker der Europäer und der Amerikaner sind sehr verschieden: Die Autos, die man in den USA baut, passen nicht für den europäischen Bedarf.  Die Amerikaner mögen sehr große SUVs, Pick-ups - Autos, die eben sehr groß und schwer sind und eine Menge Benzin verbrauchen. Benzin aber ist in den USA sehr viel billiger als in Europa.

Tesla bringt deutsche Hersteller ins Schwitzen

Hinzu kommt: Im Massengeschäft haben es die amerikanischen Autofirmen schwer, an den europäischen Produzenten vorbeizukommen, also etwa an den Modellen des VW-Konzerns. "Marktanteile können sie so nicht gewinnen", erklärt Autoexperte Schuldt. Etwas anders ist das im "Premiumsegment": Da hat Tesla zwischenzeitlich die deutschen Edelkarossen-Hersteller ins Schwitzen gebracht.

Mit seinem "Model S" zeigte der Autobauer, dass auch ein Elektroauto eine große Reichweite und Motorstärke haben kann und zugleich noch den Designansprüchen der betuchteren Klientel genügt. Mehr als das: Einen Tesla zu fahren, ist inzwischen eine Art Statussymbol. Vor allem, da es in Europa bisher nur das teure "Model S" gibt. 

Doch auch das bringt die Vormachtstellung von Audi, BMW oder Daimler nicht wirklich ins Wanken. "Auch hier zählen Skaleneffekte", sagt Tim Schuldt von der Equinet-Bank. Und da haben die deutschen Hersteller einfach einen großen Vorsprung. Ein weiterer Nachteil für die Amerikaner: Ihnen fehlt ein großes Händlernetz, mit dem sie die europäischen Autokäufer schnell bedienen können.

Bratzel: Europäer sollten Autozölle überdenken

Preislich können die aus den USA exportierten amerikanischen Fahrzeuge mithalten, obwohl sie Einfuhrzöllen in Europa unterliegen. Zehn Prozent müssen für den Import nach Europa gezahlt werden - umgekehrt sind es bisher nur 2,5 Prozent. "Die Europäer sollten überlegen, ob sie ihre Zölle auf vielleicht fünf Prozent reduzieren", meint Bratzel. "Das wäre vielleicht eine bessere Strategie gegenüber den protektionistischen Tendenzen des amerikanischen Präsidenten, als Zölle auf Harley Davidson zu erheben und einen Handelskrieg zu riskieren."

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