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Brückeneinsturz in Genua - Opfer-Familien wollen kein Staatsbegräbnis

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Die italienische Regierung will die Opfer der Katastrophe von Genua mit einem Staatsbegräbnis ehren. Doch das lehnen einige Angehörige ab - offenbar aus Wut über den Staat.

Blumenstrauß für Opfer des Brückeneinsturzes in Genua
Blumen für die Opfer des Brückeneinsturzes in Genua
Quelle: dpa

Für diesen Samstag ist das Staatsbegräbnis für die Opfer des Brückeneinsturzes in Genua angesetzt. Doch viele Hinterbliebene wollen das nicht. Die Familien von 17 der offiziell bestätigten 38 Opfer hätten sich so entschieden, berichtet die Zeitung "Corriere della Sera". Sie begründeten dies mit Wut auf das Versagen des Staates und planten eine private Trauerfeier und Beisetzung im jeweiligen Heimatort. In sieben Fällen wollten sich die Angehörigen im Laufe des Freitags entscheiden, so die Zeitung.

"Der Staat hat das verursacht"

Die Zeitung zitiert die Mutter eines 26-jährigen Opfers aus Torre del Greco bei Neapel mit den Worten: "Der Staat hat das verursacht; die dürfen sich nicht erlauben, sich dort (bei der Trauerfeier) blicken zu lassen. Der Auftritt der Politiker war eine Schande."

Die für Samstag geplante Trauerfeier soll Genuas Erzbischof, Kardinal Angelo Bagnasco, leiten. Als Ort der Trauerfeier ist das Messegelände, einer der größten Plätze Genuas, vorgesehen. Erwartet wird auch Staatspräsident Sergio Mattarella. Regierungschef Giuseppe Conte hat den morgigen Samstag zu einem Staatstrauertag erklärt.

In Genua wird weiter nach Vermissten in den Trümmern der Autobahnbrücke gesucht. Die italienische Regierung setzt den Autobahnbetreiber unter Druck und fordert Aufklärung.

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Zudem haben die Behörden über die Provinz Genua einen zwölfmonatigen Ausnahmezustand verhängt. Nach dem Einsturz der vierspurigen Autobahnbrücke ist die Hafenstadt mehr oder weniger zweigeteilt.

Spezialisten entfernen große Trümmerteile

Ein etwa 180 Meter großes Stück der Autobahnbrücke war am Dienstag während eines Unwetters plötzlich 45 Meter in die Tiefe gestürzt. Hunderte Rettungskräfte suchen an der Unglücksstelle weiter nach Verschütteten - bis zu 20 Menschen gelten noch als vermisst.

Spezialisten begannen unterdessen damit, große Trümmerteile zu entfernen. Sie hievten mit schwerem Gerät ein großes Bauteil aus dem Schutt, so dass die darunter liegenden Trümmer besser untersucht werden konnten. Zuvor hatten sich Helfer durch Tonnen von zerfetztem Stahl, Beton und zusammengedrückten Fahrzeuge gegraben.

Studie zeigte angeblich schon 2017 Schwächen

Die Regierung hatte schon einen Tag nach dem Unglück den privaten Betreiber Autostrade per l'Italia für das Unglück verantwortlich gemacht. Jener versicherte, seinen Wartungspflichten stets nachgekommen zu sein. Eine Kommission soll nun den Brückeneinsturz untersuchen. Binnen 15 Tagen soll der Betreiber den Nachweis erbringen, dass er alle Regeln zur Wartung der Brücke erfüllt habe, so das Ministerium. Die Ergebnisse der Arbeit seien dann die Grundlage, um über eine mögliche Entziehung der Lizenz zu entscheiden.

Die Zeitung "La Repubblica" berichtete unterdessen aber, dass eine von der Firma in Auftrag gegebene Studie schon 2017 Schwächen in den Tragseilen der Brücke entdeckt habe.

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