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Rettungsarbeiten in Genua - "Die Hoffnung schwindet"

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Die zweite Nacht in Folge haben Helfer an der eingestürzten Brücke in Genua nach Verschütteten gesucht. Doch die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwindet.

Nach dem Brückeneinsturz in Genua droht Italiens Vize-Ministerpräsident Luigi di Maio mit einer Verstaatlichung der privaten Autobahnen.

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Im Flutlicht aus riesigen Projektoren und mit Hilfe von Spürhunden suchten die Rettungsmannschaften in der Nacht zum Donnerstag ohne Unterlass unter den schweren Betonblöcken und Stahlteilen der eingestürzten Autobahnbrücke nach Verschütteten.

Gewissheit über die Zahl der Opfer gebe es noch immer nicht, berichtet ZDF-Korrespondentin Annette Hilsenbeck vom Unglücksort. "Die Rettungskräfte arbeiten weiter, aber offensichtlich schwindet die Hoffnung, unter den Trümmern noch weitere Überlebende zu finden." Inzwischen seien Presslufthämmer im Einsatz, deren Erschütterungen man sicherlich nicht riskieren würde, wenn man vermuten würde, dass im Untergrund noch Lebende zu finden seien. "Die Rettungskräfte sprechen zwar immer noch davon, dass sie hoffen. Aber ich glaube, die Hoffnung schwindet."



Man wisse noch immer nicht, was die Unglücksursache sei. Vieles spreche dafür, dass insgesamt die Konstruktion der Brücke ein Problem sei. Das werde sicherlich Gegenstand von Untersuchungen sein. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. "Ministerpräsident Conte hatte gestern gesagt, dass natürlich die Schuldfrage durch die Justiz geklärt werden würde. Aber für die Regierung insgesamt ist nun mal der Autobahnbetreiber der Schuldige", sagt Hilsenbeck. Die Regierung gehe davon aus, dass die Wartung mangelhaft war, dass die Sanierung verzögert, verschleppt wurde.

Notstand für Genua verhängt

Für die 39 offiziell bestätigten Toten soll es am Samstag ein Begräbnis geben, erklärte Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook. Für den Tag soll auch eine Staatstrauer gelten. Die Staatsanwaltschaft hatte die Zahl der Toten am Mittwoch sogar mit 42 beziffert. Unter den Opfern sind mindestens drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren. 15 Menschen sind der Präfektur zufolge verletzt, neun von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist unklar.

Die Regierung hatte am Mittwoch den Notstand für die Hafenstadt verhängt und fünf Millionen Euro Nothilfe bereitgestellt. Das Dekret soll ermöglichen, "erste wichtige Maßnahmen zu treffen, um dem Ausnahmezustand zu begegnen", erklärte Conte. Dazu gehöre, schnellstmöglich die Sicherheit in der betroffenen Region der Stadt zu garantieren und Betroffenen zu helfen. Der Notstand soll zwölf Monate gelten und in diesem Zuge auch ein Sonderbeauftragter für den Wiederaufbau benannt werden.

Hunderte Menschen haben Zuhause verloren

Vieles deutet darauf hin, dass die Brücke abgerissen und eine neue errichtet werden soll. Die Tragödie hat Hunderte Menschen obdachlos gemacht: Sie mussten ihre Häuser nahe der Brücke aus Sicherheitsgründen verlassen - und das möglicherweise für immer. "Bis Ende dieses Jahres werden wir all diesen 634 in Sicherheit gebrachten Genuesen ein neues Zuhause geben", versprach Vize-Regierungschef Matteo Salvini.

Der mehr als 40 Meter hohe Polcevera-Viadukt, der auch Morandi-Brücke genannt wird, spannt sich unter anderem über Wohnhäuser, Gleisanlagen und Fabriken. Am Dienstagmittag war er während eines heftigen Unwetters auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mit in die Tiefe gerissen.

Brücke seit langem umstritten

Die Brücke ist Teil der Autobahn 10 und verbindet nicht nur den Osten mit dem Westen der Stadt. Sie ist auch als Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori" bekannt und eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Die Morandi-Brücke ist allerdings seit langem umstritten. Regierungsmitglieder machten den privaten Betreiber der Autobahn für die Katastrophe verantwortlich und wollen ihm die Lizenz entziehen. Conte erklärte, es sei die Justiz, die die Verantwortlichkeiten klären müsse. "Aber unsere Regierung kann nicht weiter warten." Deswegen seien diese Schritte eingeleitet worden.

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