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Geoengineering - Das gefährliche Experiment mit dem Klima

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CO2-Speicher unter der Erde, künstliche Vulkanausbrüche, Aufhellung von Wolken. Geoengineering-Ideen sollen die Klimakatastrophe stoppen - doch die Risiken sind hoch.

Sonne und vulkanische Flamme über Hawaii
Sonne und vulkanische Flamme über Hawaii Quelle: picture alliance/Mint Images

Vor zwei Jahren einigten sich 197 Staaten bei der Weltklimakonferenz in Paris, die Temperaturerhöhung deutlich unter zwei Grad zu halten. Dennoch steigen die globalen CO2-Emissionen und verstärken den Klimawandel. Viele Forscher entwickeln deswegen Techniken, die in das Klima eingreifen - das sogenannte Geoengineering. Sie unterscheiden zwei Methoden: die Reflektion der Sonnenstrahlen durch eine künstliche Atmosphäre oder das Filtern von CO2 aus der Luft.

Künstliche Vulkanausbrüche

Der kanadische Physiker David Keith von der Harvard-Universität will die erste Methode schon innerhalb der nächsten zwei Jahre testen. Schwefelpartikel sollen in die Atmosphäre eingebracht werden und die Sonnenstrahlen zurück ins All reflektieren. Vorbild dafür sind Vulkanausbrüche, wie die Eruption des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen. 1991 schleuderte der Vulkan 17 Millionen Tonnen Schwefelpartikel in die Luft. Die Folge: Die Durchschnittstemperatur auf der Erde sank um ein halbes Grad.

Viele Wissenschaftler sind jedoch skeptisch. Andreas Oschlies vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel sieht darin "keine Methode, die ich für ernsthaft diskussionswürdig halte." Die Temperatur könnte zwar relativ leicht gesenkt werden, aber die Nebenwirkungen sind groß. So könnte etwa der indische Monsun ausbleiben und Millionen Menschenleben bedrohen.

Leere Erdgas-Reservoirs als CO2-Speicher

Die Befürworter verstehen den globalen Sonnenschirm als Notfalllösung, wenn die Temperatur zu stark steigt. Doch viele Fragen sind offen: Wie hoch ist zu hoch? Wer ruft den Notfall aus? Und wer entscheidet über die künstliche Temperatur? Da ein Staat alleine Schwefelpartikel ausbringen könnte, die Auswirkungen aber global sind, drohen internationale Konflikte.

Ein Techniker richtet am Freitag 30.03.2007 über dem Bohrloch für den unterirdischen CO2- Testspeicher des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) in Ketzin bei Nauen (Havelland) den Bohrkopf ein.
Ein Techniker richtet am Freitag 30.03.2007 über dem Bohrloch für den unterirdischen CO2- Testspeicher des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) in Ketzin bei Nauen (Havelland) den Bohrkopf ein. Quelle: dpa

Eine andere Methode filtert CO2 aus der Luft und speichert es unterirdisch. Diskutiert wird die Idee, schnell wachsende Bäume anzupflanzen, die Kohlendioxid speichern. Später sollen die Bäume dann zur Energiegewinnung genutzt werden. Das dabei wieder freigesetzte CO2 würde zum Beispiel in ehemalige Erdgas-Lagerstätten gepumpt. Doch auch hier meldet Oschlies Zweifel an: "Wir müssten zweimal die Fläche Indiens bepflanzen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen."

Skepsis ist groß

In Deutschland wird an Geoengineering lediglich geforscht, um die Risiken einzelner Methoden zu bewerten. Auch bei Oschlies ist die Skepsis angesichts der Eingriffe in das Klima groß, "aber ohne Geoengineering werden wir die extrem ambitionierten Pariser Klimaziele nicht mehr erreichen", erklärt der Forscher. Es sei unrealistisch, dass der CO2-Ausstoß in den nächsten 20 oder 30 Jahren auf null gesenkt werde. Er wünscht sich daher "mehr Ehrlichkeit in der Debatte über Klimaziele und Geoengineering."

Lili Fuhr, Referentin für internationale Umweltpolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung, will das nicht gelten lassen: "Wir sind noch längst nicht an dem Punkt des Klimawandels, wo Geoengineering der einzige Weg aus der Katastrophe ist." Sie fordert die Politik stattdessen auf, die Wirtschaft endlich klimafreundlich zu gestalten und ihr nicht durch Geoengineering noch mehr CO2-Emissionen zu ermöglichen.

Ist Geoengineering unausweichlich?

Heißt es also Geoengineering oder Emissionsreduktion? Stefan Schäfer vom Potsdamer Institut für Nachhaltigkeitsstudien sieht nicht unbedingt einen Widerspruch: "Geoengineering kann, wenn überhaupt, nur als Ergänzung zur Reduktion von Emissionen dienen." Tatsächlich sei der Klimawandel aber bereits sehr weit fortgeschritten, sodass zumindest Methoden zur Speicherung von CO2 für die Pariser Ziele notwendig werden könnten.  

Eingriffe in das Klima sind längst keine Utopie mehr. Damit die Menschheit nicht irgendwann auf gefährliche Experimente angewiesen ist, müssen die Staaten ihre Klimaschutzanstrengungen bei der anstehenden Weltklimakonferenz weiter intensivieren.

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