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Tricks der Fleischhersteller - Gepanschte Wurst erhält DLG-Silbermedaille

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Fleischhersteller können mit billigsten Resten und Wasser in der Wurst betrügen. Eine Wurst mit nur neun Prozent echtem Fleischanteil wurde jetzt sogar ausgezeichnet.

Sind in einer Wurst außer Fleisch, Speck und Gewürzen möglicherweise auch Schlachtabfälle drin, ohne dass man als Verbraucher etwas davon bemerkt? Anna Feist und Hans Koberstein mit mehr.

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Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat eine gepanschte Wurst aus Fleischabfällen mit dem silbernen DLG-Preis prämiert. Die Geflügelwurst bestand nur zu neun Prozent aus Fleisch, zu 27 Prozent aus Wasser und zu 46 Prozent aus sogenanntem Separatorenfleisch, das sind Abfälle aus der Fleischproduktion. Der vom Knochen abgepresste Brei gilt laut Lebensmittelrecht nicht als Fleisch und muss gekennzeichnet werden. Außerdem war der Wurst ein handelsübliches Pulver aus Schlachtblutplasma beigemengt, das eine hohe Wasserzugabe kaschiert. Die Zutaten wurden gegenüber der DLG verschwiegen.

Gepanschte Wurst fiel den Prüfern nicht auf

Ein DLG-Sprecher betonte, dass der Lebensmittelhersteller die Verantwortung für seine Produkte trage. Separatorenfleisch sei bei der DLG-Qualitätsprüfung von vorneherein ausgeschlossen. Warum die gepanschte Wurst nicht auffiel, sondern mit Silber prämiert wurde, konnte die DLG nicht erklären. Die DLG ist nach eigenen Angaben die führende Organisation der Land-, Agrar- und Lebensmittelwirtschaft. Sie zeichnet jährlich Lebensmittel in Gold, Silber und Bronze aus. Alle ausgezeichneten Produkte müssen Labortests sowie Zubereitungs-, Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfungen bestehen.

"Wenn man so ein Machwerk auszeichnet, dann stellt sich schon die Frage, wie vertrauenswürdig ist dieser Preis", kommentierte Johannes Fechner, Sprecher für Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion, die Wurstprämierung. Die DLG verlasse sich offenbar auf die Herstellerangaben, kritisierte Fechner. Der Sprecher für Verbraucherschutz der CSU im Bundestag, Volker Ullrich fordert: "Der Verbraucher muss klar und deutlich erkennen können, was denn tatsächlich in der Wurst ist". Dafür reiche das DLG-Siegel nicht aus. "Wir brauchen andere und bessere Siegel".

Verbraucherschützer vermuten keinen Einzelfall

"Das ist eine Blamage für die DLG", urteilte Luise Molling von Foodwatch. Die Verbraucherschutzorganisation vermutet, dass in vielen Fleischwaren billiges Separatorenfleisch verarbeitet werde, ohne so deklariert zu werden. Das befürchtet auch der CSU-Politiker Ullrich: "Ich gehe davon aus, dass die meisten Betriebe nicht nennen wollen, wo Separatorenfleisch drin ist, weil diese Ware dann meistens nicht mehr verkäuflich wäre". Ullrich fordert eine Debatte über ein Verbot von Separatorenfleisch in Wurstwaren. "Das ist eine Aufgabe, der sich die Politik annehmen muss - wir brauchen eine strengere Lebensmittelüberwachung“.

Nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ist Separatorenfleisch, das mit modernen Methoden gewonnen wird, im Endprodukt nicht mehr nachweisbar. Deshalb müssten die Behörden eigentlich die Lieferkette kontrollieren, fordert Luise Molling von Foodwatch. "Doch stattdessen werden die Verbraucher hier im Stich gelassen und müssen damit rechnen, betrogen zu werden".

Nach offiziellen Angaben werden in Deutschland rund 70.000 Tonnen Separatorenfleisch pro Jahr verarbeitet. Das ZDF-Magazin Frontal 21 hat alle verarbeitenden Betriebe angefragt. Kein Unternehmen wollte offenlegen, in welchen Produkten der billige Fleischbrei landet. Die gepanschte aber mit Silber prämierte Geflügelwurst hatte aufgrund des hohen Wasseranteils und des billigen Separatorenfleisches einen Materialwert von lediglich 59 Cent pro Kilo. Im Supermarkt könnte sie aber für mehr als 7 Euro über die Theke gehen. Frontal 21 hat die Herstellung der Wurst in einer Reportage begleitet.

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