Sie sind hier:

Geplanter Mindestlohn für Azubis - "Dann stelle ich keine Lehrlinge mehr ein"

Datum:

Für Azubis soll es einen Mindestlohn geben, das hat das Bundeskabinett auf den Weg gebracht. Doch können Ausbildungsbetriebe die Pläne auch stemmen? Ein Unternehmer gibt Einblick.

Eine Auszubildende schneidet an einem Uebungskopf Haare
Die Bundesregierung will heute unter anderem eine Mindestvergütung für Auszubildende auf den Weg bringen.
Quelle: imago

Frank Strese hat eigentlich ein sonniges Gemüt. Seine gute Laune verliert der gebürtige Leipziger jedoch dann, wenn es um das Thema Mindestlohn für Auszubildende geht. Er spricht dann von einer "Politik ohne Bodenhaftung". Für den Unternehmer ist jetzt schon klar: Sollte es zu der Mindestlohn-Regelung kommen, wird er in seinem Betrieb keine Lehrlinge mehr einstellen. "Aus betriebswirtschaftlichen Gründen - und aus Protest", sagt der bald 50-Jährige. "Wenn ein Lehrling Potenzial hat, dann zahle ich ihm von mir aus mehr. Aber ich bin ein Gegner davon, wenn der Staat mir das vorschreibt."

Strese ist in der ehemaligen DDR groß geworden. "Wir wollten das damals nicht mehr, weil alles staatlich reglementiert wurde", erinnert er sich. Jetzt fühlt er sich teilweise wieder in diese Zeit zurückversetzt. 

Eltern sollen unterstützen

Wenn ein Lehrling Potenzial hat, dann zahle ich ihm von mir aus mehr. Aber ich bin ein Gegner davon, wenn der Staat mir das vorschreibt.

In seinen Friseursalons hat Strese bislang drei, manchmal auch vier Lehrlinge. Das war die vergangenen Jahrzehnte so. Damit soll Schluss sein, sollte es zum Mindestlohn von anfangs 515 Euro kommen. "Natürlich kann man von 500 Euro nicht komplett leben, auch von 1.000 Euro nicht. Aber dafür ist eine Lehre ja auch nicht da", sagt er. "Genau wie Schüler auch, sind die Lehrlinge in der Ausbildungszeit zu Hause verankert und werden von den Eltern unterstützt."

Umsätze bringen die Lehrlinge im ersten Lehrjahr in der Regel nicht. "Ich finanziere das alles aus meinem Überschuss", sagt Strese. Im Jahr kostet ihn ein Auszubildender 15.000 bis 20.000 Euro, rechnet er vor. "Ein Lehrling ist im Monat teilweise zwei Wochen in der Schule, im Jahr etwa sechs Wochen krank und sechs Wochen im Urlaub."

Preiserhöhungen, die die Belastungen abfedern, kommen für Strese nicht infrage. Zu groß sei die Gefahr, dass die Kunden an unausgebildete Friseure abwandern, die schwarz beschäftigt werden und entsprechend billig sind.

"Betriebe, die Steuern zahlen und Lehrlinge ausbilden, werden beim Endverbraucher gar nicht ernst genommen, wenn wir sagen, ein Herrenschnitt kostet 30 Euro, während er woanders nur zehn Euro zahlt", sagt Strese. "Die Schwarzarbeit macht unsere Betriebe im Osten kaputt."

Für viele Betriebe stemmbar, für andere ein Problem

Wenige Gehminuten von Streses Salon entfernt hat die Handwerkskammer zu Leipzig ihren Sitz. Hauptgeschäftsführer Volker Lux weiß, dass das Thema Mindestlohn mehrere Facetten hat. "Für viele Branchen wird etwas geregelt, was nicht geregelt werden muss, weil die Ausbildungsvergütungen schon deutlich höher sind als das, was auf dem Kabinettstisch liegt", sagt Lux. "Für einzelne ist das jedoch gerade im ersten Lehrjahr problematisch, weil dann die Deckungsbeiträge durch die anderen Mitarbeiter erarbeitet werden." 

Für viele Branchen wird etwas geregelt, was nicht geregelt werden muss, weil die Ausbildungsvergütungen schon deutlich höher sind als das, was auf dem Kabinettstisch liegt.
Volker Lux, Handwerkskammer zu Leipzig

Bei den Gehältern für Lehrlinge gibt es je nach Art der Ausbildung große Unterschiede. Während technische Berufe besser bezahlt werden, stehen klassische Handwerksbetriebe am unteren Ende der Skala. Das Gefälle des Ausbildungslohns zwischen Ost und West ist massiv, wie aus dem Datenreport 2019 des Bundesinstituts für Berufsbildung hervorgeht. Von "Dumping-Ausbildung" ist dort die Rede.

Auch in Streses Betrieb gibt es Lehrlinge, die sich beschweren. "Die Gesellen erklären ihnen dann, dass sie dem Betrieb erst dann Geld einbringen, wenn sie fertig sind", sagt Strese. "Das verstehen die meisten dann auch."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.