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Flüchtlinge in Spanien - Migrationsexperte glaubt an Aufnahmezentrum

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Trotz Kritik an seinem Vorschlag für ein Aufnahmezentrum in Spanien glaubt Migrationsforscher Gerald Knaus an die Umsetzbarkeit. "Ich bin vorsichtig optimistisch", sagte er im ZDF.

Viele "würden sich nicht auf den Weg machen, wenn wir feststellen könnten, wer keinen Schutz braucht", sagt Migrationsforscher Gerald Knaus. "Da sollten andere EU-Länder Spanien unterstützen."

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Der Migrationsforscher hatte am Montag im Interview mit der "Welt" dafür plädiert, dass Deutschland, Frankreich und die Niederlande mit Madrid ein Aufnahmezentrum in Spanien einrichten. Dort sollten Asylentscheidungen innerhalb weniger Wochen gefällt werden. Knaus gilt als Vordenker des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei, der letztlich zum massiven Rückgang des Flüchtlingszustroms über die Ägäis und die sogenannte Balkan-Route führte.

Knaus: Wettkampf der Systeme

"Im März 2016 sah es auch hoffnungslos aus, wir haben sechs Monate für das EU-Türkei-Abkommen oder etwas ähnliches geworben und dann ist es dazu gekommen, weil der Druck groß war und weil die Regierungen letztlich erkannt haben: Sie müssen handeln. Und ich hoffe, dass das Gleiche wieder passiert", sagte er im ZDF.

Insgesamt gebe es einen Wettkampf der Systeme in Europa, so Knaus. Auf der einen Seite Staaten wie Italien mit Innenminister Matteo Salvini, die Migration dadurch regelten, "jeden, der kommt, einfach nicht zu retten oder nach Libyen zurückzubringen. Egal was dann passiert, egal was das Recht sagt, egal was der Europäische Menschenrechtsgerichtshof sagt". Auf der anderen Seite stünden Staaten wie Spanien, die Menschen nicht ertrinken lassen oder zurückschicken wollten. "Die Frage ist, was passiert dann. Und was wir vorschlagen ist, dass die EU im Grunde genommen beides machen kann", sagte Knaus.

Verhindern schnelle und faire Verfahren Migration?

Mit schnellen seriösen Verfahren könne schnell festgestellt werden, dass die meisten Menschen aus dem westlichen und südlichen Afrika aus Nationen kämen, in denen es sehr wenig Verfolgung gebe. "Das heißt, sie würden sich nicht auf den Weg machen, wenn wir mit fairen Verfahren innerhalb weniger Wochen feststellen könnten, wer keinen Schutz braucht. Daran müssten wir arbeiten und daran sollten sich andere europäische Länder beteiligen und Spanien unterstützen."

Sein Vorschlag war am Montag auf Kritik gestoßen. Ein zentrales Lager, in dem die Geflüchteten bis zum Ende des Verfahrens blieben, sei aus ihrer Sicht falsch, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock. "Stattdessen schlagen wir vor, dass innerhalb der europäischen Außengrenzen wie in Spanien eine kurze Aufnahme, Registrierung und Erstversorgung stattfindet, auf deren Grundlage verteilt wird." Asylverfahren müssten dann aber in den einzelnen Staaten laufen. Sonst könnte sich das Zentrum "zu einem Massenlager mit katastrophalen Zuständen" entwickeln.

Die EU-Kommission wollte sich nicht zu dem Vorschlag äußern. Eine Sprecherin verwies am Montag lediglich darauf, dass bereits seit dem EU-Gipfel in Juni an einem Konzept zur Einrichtung zentraler Zentren für über das Mittelmeer kommende Menschen gearbeitet werde. Die Kommission habe dazu erst in der vergangenen Woche konkrete Vorschläge vorgelegt.

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