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Einstweilige Verfügung - Gericht stoppt Netflix-Satire mit schwulem Jesus

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Ein brasilianisches Gericht hat Netflix untersagt, eine Satire mit einem homosexuellen Christus weiter auszustrahlen. Auch Polens Vize-Premier appelliert an den Streamingdienst.

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Die Netflix-Satire über einen homosexuellen Jesus erregt die Gemüter.
Quelle: reuters

Ein Gericht in Rio de Janeiro hat den US-Streamingdienst Netflix angewiesen, sein umstrittenes Weihnachtsspecial "The First Temptation of Christ" (Die erste Versuchung Christi) abzusetzen. Ein Richter erließ am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen den Film. Damit wolle er bei den Katholiken und in der Gesellschaft "die Gemüter beruhigen", erklärte Richter Benedicto Abicair. Wegen des Films hatte die katholische Vereinigung Centro Dom Bosco Klage eingereicht.

Der brasilianische Film, der Jesus als homosexuelle Witzfigur darstellt, sorge in der "mehrheitlich christlichen Gesellschaft Brasiliens" für Unruhe, so der Richter. Nach einer Protestwelle gegen den Film war zu Weihnachten ein Brandanschlag gegen die Produktionsfirma in Rio de Janeiro ausgeführt worden. Verletzte gab es dabei nicht. Die Polizei vermutet dahinter eine rechtsextreme Gruppe, die sich in der Tradition nationalsozialistischer Bewegungen aus Brasiliens 30er-Jahren sieht. Der Anführer soll sich nach dem Anschlag nach Russland abgesetzt haben und werde von Interpol gesucht, so die Polizei.

Endgültige Gerichtsentscheidung steht noch aus

Habe gerade Netflix abbestellt. Hatte eh keine Zeit, es zu nutzen - aber Gotteslästerer verdienen nicht einen Penny Unterstützung.
Joseph Strickland, Bischof aus Texas

Der 46 Minuten lange Film hatte bereits seit seiner Veröffentlichung Anfang Dezember für Kontroversen gesorgt. Der texanische Bischof von Tyler, Joseph Strickland, hatte auf Twitter Kritik geäußert: "Habe gerade Netflix abbestellt. Hatte eh keine Zeit, es zu nutzen - aber Gotteslästerer verdienen nicht einen Penny Unterstützung." Zudem fand eine Online-Petition gegen den Film mehr als zwei Millionen Unterstützer. Bei dem nun ergangenen Urteil handelt es sich um eine einstweilige Verfügung. Aus "gesundem Menschenverstand heraus" sei es besser, den Film bis zu einem endgültigen Urteil abzusetzen, so der Richter. Das Recht auf freie Meinungsäußerung sei "nicht absolut".

Das Urteil sorgte für Kritik unter anderem von Brasiliens Anwaltskammer; auch in den Sozialen Medien gab es Proteste. Weder "Porta dos Fundos" noch Netflix äußerten sich zunächst zu dem bereits am Dienstag ergangenen Urteil. Der Film war auch am Mittwochabend (Ortszeit) noch online abzurufen. Die jetzige Richterentscheidung gegen den Film erging in zweiter Instanz. Aufgehoben wurde damit eine erstinstanzliche Entscheidung, mit der die weitere Verbreitung des Films noch ermöglicht worden war. Eine endgültige Gerichtsentscheidung über die Klage des Centro Dom Bosco steht noch aus.

Kritik aus Polen

Eine weitere Petition, die von der in Spanien eingetragenen Stiftung "CitizenGO" gestartet und in vielen Sprachen verbreitet wurde, haben knapp 1,5 Millionen Menschen (Stand Donnerstag) unterzeichnet. In Polen hat die Aktion einen prominenten Unterstützer gefunden: den konservativen Vize-Premier und Wissenschaftsminister Jaroslaw Gowin, der auf Twitter den Link zu Petition teilte. Darin wird gefordert, "dass Netflix den blasphemischen Film von seiner Plattform entfernt."

Die Forderung richtet sich unter anderen an den Netflix-Chef Reed Hastings. "Die Akteure von ‚Porta dos Fundos‘ nutzen für ihre blasphemischen, spöttischen Angriffe auf das Christentum immer wieder den Deckmantel der Kunst- und Meinungsfreiheit", heißt es dort. Das sei "völlig inakzeptabel". Die Begründung: "Niemand hat das Recht, den Glauben von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt derart zu verletzen und anzugreifen."

Fehler in Dokumentarserie

Es ist innerhalb von wenigen Wochen das zweite Mal, dass sich ein hochrangiger polnischer Politiker öffentlich an Netflix wendet. Im November vergangenen Jahres hatte sich Regierungschef Mateusz Morawiecki in einem Brief bei Hastings über Fehler in der Serie "The Devil Next Door" beschwert. In der Dokumentarserie über NS-Konzentrationslager und die Suche nach dem Kriegsverbrecher John Demjanjuk sei insbesondere durch historisch falsche Landkarten der Eindruck entstanden, Polen sei für Konzentrationslager und darin begangene Verbrechen verantwortlich gewesen, kritisierte Morawiecki in seinem Brief, den er auf seiner Facebookseite veröffentlichte.

Netflix reagierte auf die Beschwerde und kündigte nur wenige Tage später an, die umstrittenen Landkarten mit Erläuterungen zu versehen.

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