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Gericht verwarnt Studentinnen - Zwei Jahre Bewährung für Salat aus dem Müll

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Andere Länder verpflichten Läden, alte Lebensmittel zu verschenken. Hierzulande wird man bestraft, wenn man sich etwas aus dem Müll fischt. Das bekamen zwei Studentinnen zu spüren.

Archiv: Obdachloser Flaschensammler durchsucht Mülltonnen in Berlin am 17.04.2017
Obdachloser Flaschensammler durchsucht Mülltonnen in Berlin (Archivfoto)
Quelle: dpa

Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck hat zwei Studentinnen wegen sogenannten Containerns verwarnt. Der Richter sprach die beiden am Mittwoch nach knapp dreistündiger Verhandlung wegen gemeinschaftlichen Diebstahls von weggeworfenen Lebensmitteln aus einem Supermarkt-Container schuldig, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

15 Tagessätze für weggeworfene Bananen

Als Bewährungsauflage sollen beide acht Stunden bei der örtlichen Tafel helfen. Nach eigenen Angaben haben sie dort schon freiwillig einige Stunden gearbeitet. Eine Geldstrafe bleibt ihnen erspart, wenn sie binnen der zweijährigen Bewährungszeit straffrei bleiben. Andernfalls behielt sich das Gericht vor, eine Strafe von 15 Euro zu 15 Tagessätzen - 225 Euro - zu verhängen.

Die jungen Frauen hatten laut Anklage im vergangenen Juni nachts aus dem Müllcontainer eines Lebensmittelmarktes in Olching weggeworfene Waren geholt und mitgenommen. Polizeibeamte stellten sie und fanden Bananen, Salatköpfe und Gemüse in ihren Rucksäcken. Wie die Sachen dort hineingeraten waren, dazu schwiegen sie vor Gericht.

Studentinnen wollen Freispruch

Anders als die Staatsanwaltschaft, die den Wert des alten Gemüses auf 100 Euro schätzte, sah der Richter die Lebensmittel als praktisch wertlos an. Eine Einstellung sei nicht zuletzt an der Staatsanwaltschaft gescheitert, sagte der Gerichtssprecher. Diese machte geltend, dass die Angeklagten nicht einmal geständig seien. Zudem gebe es ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung.

Die Studentinnen hatten früher auf Lebensmittelverschwendung verwiesen. Strafbefehle über 1.200 Euro hatten sie ebenso wenig akzeptiert wie eine Einstellung des Verfahrens gegen acht Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Tafel. Sie wollten einen Freispruch. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ob Rechtsmittel folgen, war offen.

Straffreiheit für Containern gefordert

Vor dem Prozess hatten mehrere Dutzend Menschen für die beiden demonstriert. "Freispruch für Lebensmittelretter", verlangten sie. In einem umfunktionierten Container verteilten Unterstützer gegen Spende Speisen - gekocht aus containerten Waren. Unter anderem die Partei "mut" unterstützte den Protest. "Es ist ein Umdenken erforderlich", sagte "mut"-Mitglied Manni Maier. Er fordert - wie andere linke Gruppen - Straffreiheit für Containern. In manchen Fällen hatten Gerichte Verfahren eingestellt oder Angeklagte freigesprochen.

Für Menschen in prekären Lebensverhältnissen gehört Containern zum Alltag. Andere betreiben es eher aus Protest gegen Kapitalismus und Wegwerfmentalität.

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