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Keine Regierungsbildung in Italien - Finanzmärkte: Zu früh zum Aufatmen

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In Italien ist die angepeilte Regierung der populistischen 5-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega Nord gescheitert. Finanzakteure sind erleichtert - aber nur für den Moment.

Weil die eurokritischen Parteien bei einer möglichen Neuwahl in Italien erneut stärkste Kraft werden könnten, ist eine neue Eurokrise nicht ausgeschlossen, so ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

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Wer am heutigen Morgen auf die Anzeigetafel im Frankfurter Börsensaal blickt, sieht eine Kurve des Leitindexes, die sehr hoch beginnt und stetig nach unten zeigt. Und damit trifft sie wohl ganz gut die gemischten Gefühle von Finanzmarktakteuren am Tag nach dem Scheitern der Regierungsbildung in Italien. Das Motto lautet dabei: Durchatmen - doch für mehr als das gibt es eigentlich keinen Grund.

Gestern hatte der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella sich geweigert, den  Euro- und Deutschland-Kritiker Paolo Savona zum Finanzminister zu ernennen. Damit ist die Bildung einer Regierung zwischen der rechtsextremen Lega Nord und der populistischen 5-Sterne-Bewegung gescheitert.

Erste Euphorie wieder verflogen

"Selbst wenn das unmittelbare Risiko, einen euroskeptischen Finanzminister in Italien zu bekommen, zumindest verschoben wurde, werden die Unsicherheiten die Stimmung in Italien und - in geringerem Maße - in der Euro-Zone auch in den kommenden Monaten belasten“, sagt der Chefvolkswirt der Behrenberg Bank, Holger Schmieding. Es handelt sich also um eine Atempause. Doch die nun wahrscheinlich im Herbst anstehenden Neuwahlen in Italien dürften genügend Stoff für Sorgen bieten bis zu diesem Termin.

Die erste Erleichterung über die gescheiterte italienische Regierung ließ sich am Montagvormittag auch am Euro ablesen: Die Gemeinschaftswährung stieg am Morgen gegenüber ihrem Stand am Freitagabend um ein sattes Cent - das ist an den Devisenmärkten eine vergleichbar heftige Bewegung. Allerdings ist auch aus der Gemeinschaftswährung die erste Euphorie wieder gewichen – die Kurve weist also, ähnlich wie beim Dax am Aktienmarkt, wieder nach unten.

Wahlkampf gegen Establishment?

Gleiches gilt für italienische Staatsanleihen am Rentenmarkt. "Die Entwicklung in Italien dürfte die Finanzmärkte weiter in Atem halten", prognostiziert Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Deshalb dürfte sich der aktuelle Rückgang der Risikoaufschläge italienischer Anleihen wohl kaum als nachhaltig erweisen". Krämer hat schon heute damit Recht: Die anfänglichen Kursgewinne schlugen im Laufe des Vormittags ebenfalls in Skepsis und Kursverluste um.

In der Tat besteht die Gefahr, dass die Lega Nord die Weigerung des Staatspräsidenten, den Eurokritiker Paolo Savona zum Finanzminister zu ernennen, zum Wahlkampfthema machen wird. Die Radikalen dürften also wahrscheinlich noch lauter gegen das pro-europäische 'Establishment' Italiens wettern - und könnten damit womöglich Erfolg haben.

Risiko Staatsverschuldung – Aufatmen zu früh

Die Staatsverschuldung Italiens ist eines der Hauptprobleme des Landes - sie liegt bei 2,3 Billionen Euro. Die gescheiterte Regierung hatte sich ins Programm geschrieben, die Verschuldung auszuweiten und die Staatsausgaben deutlich zu erhöhen. Demgegenüber hatten sich Akteure an den Finanzmärkten skeptisch gezeigt; entsprechend hatten sie in den vergangenen Tagen Staatsanleihen aus Italien verkauft. Die Zinsen sind in diesen Tagen ziemlich deutlich angestiegen.

Eine künftige Regierung - egal welcher Couleur - wird das im Auge behalten müssen. Denn in jüngster Vergangenheit hat vor allem das hoch verschuldete Italien davon profitiert, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen an den Märkten quasi ausradiert hat. Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, sieht der Plan der EZB vor, gegen Jahresende langsam aus dem Ankaufprogramm für Staatsanleihen auszusteigen. Das wird, auch ohne das Zutun einer wie auch immer eurokritischen oder populistischen Regierung, die Lage in Italien nicht einfacher machen. Auch deswegen lautet die Devise: Durchatmen. Für ein Aufatmen ist es definitiv noch zu früh.

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