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Überwachung Berlin-Südkreuz - Was der Staat zu Gesicht bekommt

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Täter erkennen und Straftaten verhindern - das erhofft sich der Staat von Gesichtserkennung. In Berlin beginnt nun ein sechsmonatiger Testlauf mit besserer Technik. Vor gut zehn Jahren war ein Versuch in Mainz kläglich gescheitert.

Ab August soll an einem Berliner Bahnhof getestet werden, ob automatische Gesichtserkennung per Kamera funktioniert. Freiwillige können sich bei der Polizei registrieren lassen. Wer mitmacht bekommt einen Einkaufsgutschein. Der Preis, den man zahlt: Die …

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"Big brother is watching you" - der berühmte Spruch aus George Orwells Buch "1984" kommt fast immer zum Zug, wenn es um den Einsatz von Überwachungstechnik geht. Jeder weiß sofort, was gemeint ist. Und seit heute gibt es einen neuen Grund.

De Maizière: "Aktuellste Technik"

In Berlin, am Bahnhof Südkreuz, startet ein sechsmonatiger Testlauf. Drei Kameras mit Gesichtserkennungssoftware sind in der Westhalle des Bahnhofs montiert. Durchgeführt wird das Ganze vom Bundesinnenministerium, der Bundespolizei, dem Bundeskriminalamt und der Deutschen Bahn.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière begründet den Testlauf so: "Der Einsatz von Videoüberwachungsanlangen trägt schon heute zur Aufklärung von Straftaten bei und steigert das Sicherheitsbefinden unserer Bürgerinnen und Bürger. Kameras leisten einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit. Intelligente Gesichtserkennungssysteme könnten zukünftig noch wesentlich bessere Ergebnisse bringen. Technischer Fortschritt darf nicht bei den Sicherheitsbehörden haltmachen. Daher testen wir jetzt im Rahmen des Pilotprojektes, was auf Grundlage der aktuellsten Technik möglich ist."

Es wird allerdings nicht jeder überwacht oder aufgezeichnet. Vor Wochen hat die Polizei Freiwillige gesucht, hauptsächlich Pendler, die an dem Versuch teilnehmen möchten. Knapp 300 Freiwillige machen mit.

Einkaufsgutschein von 25 Euro als Dank

Zwei Fotos von ihrem Gesicht wurden gemacht und gespeichert. Sie bekommen kein Geld, höchstens einen Einkaufsgutschein von 25 Euro, wenn sie oft genug durch den Bahnhof laufen. Tun sie das, so wird getestet, ob die Kameras sie auch aus der Masse heraus erkennen.

In der Westhalle des Bahnhofs sind die Stellen, die von den neuen Kameras überwacht werden, gekennzeichnet. Auf dem Boden sieht man blaue Markierungen. Dort wird man gesehen. Weiße Markierungen zeigen die Bereiche, die die Kameras nicht erfassen.
So können Unbeteiligte die Abschnitte meiden, wenn sie wollen.

Die Teilnehmer des Versuchs müssen auch immer einen Transponder bei sich tragen. Dieser sendet Signale an das Softwaresystem und zeigt an, dass sich die Person im Bahnhof befindet. Erkennen die Kameras die Person aber nicht, so gilt das als Fehler. So soll die Fehlerquote insgesamt ermittelt werden.

Verein "Freiheit statt Angst" protestiert

Die Bundespolizei erhofft sich von den neuen Kameras Hilfe bei der Verbrechensbekämpfung. Gefahrensituationen oder Straftaten, etwa terroristische Anschläge, sollen schon im Entstehen erkannt und so bekämpft werden können.  In einer zweiten Testphase soll auch geprüft werden, ob man mit Hilfe der Kameras die Person nicht nur erkennt, sondern auch ihren Bewegungsablauf nachvollziehen kann.

Darüber hinaus sollen auch verschiedene Gefahrensituationen erprobt werden. Erkennen die Kameras etwa hilflose Personen oder stehengelassene Gegenstände wie Gepäck? Deutschlands oberste Datenschützerin, Andrea Voßhoff, hat im Grunde nichts gegen den Test. Grundsätzlich allerdings hat sie große Bedenken gegen die Technologie an sich.

"Sollten derartige Systeme einmal in Echtbetrieb gehen, wäre dies ein erheblicher Grundrechtseingriff", sagt sie. Auch andere Datenschützer kritisieren, dass die Freiheit, sich anonym in der Öffentlichkeit zu bewegen, zerstört werden könnte. Auch der Deutsche Anwaltverein hat verfassungsrechtliche Bedenken. Und am Nachmittag sind auch Proteste gegen den Versuch und die Technik am Berliner Bahnhof Südkreuz angekündigt. Vom Verein "Freiheit statt Angst".

Hoffnung: Technik und Software besser

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Gesichtserkennungssoftware getestet wird. 2006 zum Beispiel lief ein Versuch am Hauptbahnhof in Mainz. Dieser scheiterte kläglich. Die Trefferquote lag bei guten Lichtverhältnissen bei knapp über 60 Prozent. In der Dämmerung oder abends sank sie auf zehn bis 20 Prozent. Viel zu wenig aus Sicht der Sicherheitsbehörden. Mittlerweile, so das Versprechen, seien Technik und Software viel weiter.

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