Sie sind hier:

Gesunde Ernährung - "Fleisch? Die Dosis macht das Gift!"

Datum:

Im heute.de-Interview spricht der Wissenschaftsjournalist Bas Kast über seine vergangene, fatale Junkfood-Liebe, eine goldene Ernährungsregel und die heilsame Medizin Kaffee.

Hähnchensalat
Hähnchensalat
Quelle: imago

heute.de: An Karfreitag haben viele Menschen aus religiösen Gründen gefastet. Heute, am Ostersonntag, kommt dagegen das große Festessen auf den Tisch. Was gibt’s bei Ihnen?

Bas Kast: Eine feierliche Speise ist für mich eine frische Forelle mit Zitrone, Tomaten, Knoblauch, Olivenöl, einem Schuss Balsamico-Essig und etwas Weißwein. Das Ganze 20 Minuten in den Ofen und fertig ist eine leckere und auch sehr heilsame Mahlzeit.

heute.de: Sie sind inzwischen Experte für gesunde Kost: In mehrjähriger Arbeit haben Sie Tausende Studien zum Thema Ernährung gesichtet. Warum dieser Aufwand, was hat Sie angetrieben?

Kast: Ich war extrem motiviert, weil ich irgendwann beim Joggen so eine Art Herzattacke hatte. Es war, als hätte eine Hand mein Herz fest umgriffen und blitzartig zusammengedrückt. Ich empfand das als bedrohlich und habe mich gefragt, ob ich vielleicht mit meiner Junkfood-Liebe dabei war, meine Gesundheit zu ruinieren. Als meine Schwester eine Diät gemacht hat, habe ich das auch mal ausprobiert und gemerkt, wie viel besser es mir ging. Dann habe ich systematisch losgelegt und mir täglich 20 bis 30 Studien zum Thema Alters- und Ernährungsforschung reingezogen.

Zur Person:

heute.de: Viele Menschen treibt eine große Frage um: Wie ernähre ich mich und meine Familie gesund? Was empfehlen Sie?

Kast: Möglichst viele natürliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fisch zu sich nehmen. Auch Wild oder anderes unverarbeitetes Fleisch ist einigermaßen okay. Dagegen möglichst wenig industriegefertigte Lebensmittel kaufen, in denen eine Menge Zusatzmittel stecken. Das ist die goldene Regel: Damit löst man auf einen Schlag 80 Prozent aller Ernährungsprobleme.

heute.de: Um Ihren "Ernährungskompass" erstellen zu können, haben Sie weit über den deutschen Tellerrand hinausgeschaut. Was waren dabei die für Sie überraschendsten Erkenntnisse?

Kast: Nehmen wir die US-Studien über die Mitglieder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten: Diese Menschen leben generell sehr gesund, bewegen sich viel, trinken und rauchen aus religiösen Gründen nicht und ernähren sich meist vegetarisch oder vegan. Das Ergebnis: Die Männer leben im Schnitt bis zu zehn Jahre länger als der Durchschnittsamerikaner! Unter den Adventisten gibt es zudem ein Langlebigkeits-Ranking und man kann sehen, dass die reinen Pflanzenesser überraschenderweise länger leben als die Allesesser.

Fakten zur gesunden Ernährung

heute.de: Was hat Sie daran überrascht?

Kast: Ich dachte immer, eine gute Mischkost sei das Gesündeste. Das scheint aber nicht unbedingt der Fall zu sein. Unter den Adventisten leben übrigens die so genannten Pescetarier am längsten – also Vegetarier, die zumindest ab und zu Fisch essen.

heute.de: Viele Fleischesser werden jetzt mit den Augen rollen …

Kast: Auch beim Fleisch ist es so: Die Dosis macht das Gift! Ich glaube, im Schnitt essen wir zu viel Fleisch. Dabei sind verarbeitete Fleischprodukte wie Salami oder Wurst mit Sicherheit am schädlichsten. Wer nur auf eine Fleischquelle verzichten möchte, sollte sich darauf konzentrieren. Rotes Fleisch ist sicher auch nicht das allerbeste, aber nicht so bedenklich, wenn das Tier natürlich aufgezogen worden ist und Geflügel in Maßen würde ich sogar neutral bis positiv bewerten.

heute.de: Sie meinen, dass manche Lebensmittel mit schlechtem Ruf eine "äußerst heilsame Medizin" sein können. Was zum Beispiel?

Kast: Kaffee etwa galt lange als Gift fürs Herz – wenn auch ein sehr leckeres. Das Gift-Urteil kam aus der Forschung: Man hat gesehen, dass Kaffeetrinker häufiger unter Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs litten. Bis dann mal einer genauer hingeschaut hat und erkannte, dass es unter den Kaffeetrinkern vermehrt Raucher gibt. Man zündet sich ja gern mal eine an beim Kaffeetrinken. Wenn man das statistisch berücksichtigt und herausrechnet, ergibt sich ein ganz anderes Bild und heute wissen wir: Kaffee schützt sogar vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Was für eine Ironie!

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.