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Verdacht gegen Ärztin - Hunderte Briten durch unnötige Opioide gestorben

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Oft gab es Beschwerden über eine Klinik, in der sich der Zustand vieler Senioren dramatisch verschlechterte, viele starben. Eine Kommission spürte nun den schockierenden Grund auf.

Bis zu 650 Menschen sind einer Untersuchung zufolge in einem britischen Krankenhaus wegen unnötig verabreichter Opioide gestorben.

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Auf dem Friedhof von Gosport in Hampshire liegen viele, die im örtlichen War Memorial Krankenhaus gestorben sind. Viele, die noch lange hätten leben können, so vermuten ihre Angehörigen. Als Gillian McKenzie zur Polizei ging, weil ihre Mutter nach einer Hüft-Operation völlig unerwartet starb, wurde sie abgewimmelt. "Ich wollte einen Termin mit einem Beamten aus der Kriminalabteilung, um den Vorwurf unrechtmäßiger Tötung zu erheben, da sagten sie mir ‚Liebe, Du bist einfach aufgewühlt vom Tod Deiner Mutter.‘"

Tatsächlich hatten noch viel mehr Angehörige guten Grund, aufgewühlt zu sein.  Charles Farthing etwa. "Mein Vater wurde nicht gepflegt, er wurde in den Tod geschickt. Es gab kein Essen, kein Wasser, sie haben ganz einfach Drogen in ihn gepumpt, bis er tot war."

Womöglich noch mehr Fälle

Mindestens 456 Menschen, viele sehr betagt, andere in ihren 60er Jahren, sollen in dem Krankenhaus ihr vorzeitiges Ende gefunden haben, so die jetzt veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung. Womöglich sind es sogar noch 200 mehr gewesen, doch deren Akten sind lückenhaft.

Vier Jahre lang hat eine unabhängige Untersuchungskommission, geleitet vom ehemaligen Bischof von Liverpool, Reverend James Jones, eine Million Dokumente durchforstet. Und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass es im Gosport War Memorial Hospital zwischen 1989 und 2000 "gängige Praxis war, lebensverkürzende Opiate ohne medizinische Begründung zu verschreiben und zu verabreichen".

Erste Hinweise wurden offenbar ignoriert

Dass der Skandal dieses Ausmaß annehmen konnte, war nur möglich, weil die ersten Hinweise auf rätselhafte Todesfälle in Gosport jahrelang ignoriert wurden. Schon im Jahr 1991 schlugen Krankenschwestern Alarm, weil die für die Medikamentenvergabe verantwortliche Ärztin unnötig hohe Dosen Morphium verschrieb. Auch an Patienten, die mit geringen Beschwerden oder zur Kurzzeitpflege eingeliefert wurden, keine Schmerzen hatten und kurz nach Behandlungsbeginn plötzlich verstarben. Doch die Schwestern wurden unter Druck gesetzt zu schweigen.

Die Sprecherin der Angehörigen, Bridget Reeves, vermutet, dass die NHS, das staatliche Gesundheitssystem, den Skandal vertuschen wollte. Die Enkelin von Elsie Divine, die 1998 im War Memorial Hospital verstarb, sprach vor der Presse von einem "Machtmissbrauch der Einflussreichen", von Versagen des Krankenhaus-Managements, der Polizei, von Lokalpolitikern und Staatsanwaltschaft und davon, dass die Sorgen und das Leid der Angehörigen systematisch ignoriert wurden.

Ärztin mit guten Verbindungen zu einflussreichen Personen

Tatsächlich sind vorherige Untersuchungen mysteriöser Todesfälle in Gosport immer wieder im Sand verlaufen. Wohl auch, weil die Ärztin gute Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten in Gosport hatte. Sie gab bekannt, dass sie immer nur das Beste für ihre Patienten im Sinn gehabt habe, wenn sie auf den Einlieferungsscheinen: "Make comfortable" vermerkte, was intern als Anordnung zur Vergabe von Opiaten verstanden wurde. 2010 wurde sie von der medizinischen Aufsichtsbehörde zwar abgemahnt, aber konnte mit einer normalen Rente in den Ruhestand gehen.

Ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen, die mithilfe des Untersuchungsberichts nun endlich auf ein Gerichtsverfahren pochen wollen. Das werden sie sicher bekommen. Der Gesundheitsminister Jeremy Hunt und Premierministerin Theresa May entschuldigten sich am Mittwoch im Parlament dafür, dass die Familien der Opfer so lange auf Antworten warten mussten. Die Staatsanwaltschaft hat sich des Falles angenommen.

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