Sie sind hier:

BUND-Gewässerreport - Flüsse und Seen in beängstigendem Zustand

Datum:

Trüb, stinkend, verbaut: Die Qualität der deutschen Flüsse und Seen ist laut BUND-Gewässerreport beängstigend. Die Politik müsse mehr tun, um die Trinkwasserressourcen zu sichern.

Miese Wasserqualitaet in Deutschlands Seen  - Finsterroter See
Miese Wasserqualitaet in Deutschlands Seen
Quelle: dpa

Deutschland ist mit rund 15.000 Flüssen und mehr als 12.000 Seen ein wasserreiches Land. Doch von einem guten Zustand der Oberflächengewässer kann keine Rede sein. Insgesamt 92 Prozent aller Flüsse und Seen in Deutschland sind laut BUND-Gewässerreport in einem beklagenswerten Zustand. Ursachen dafür gibt es viele, unter anderem zu viel Dünger und Pestizide aus der Agrarindustrie, Begradigung und Vertiefung vor allem für die Schifffahrt oder Schadstoffe aus dem Bergbau. "Der BUND-Gewässerreport macht klar, dass sich die Politik endlich bewegen muss, damit unser Wasser noch zu retten ist", sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND.

Die Daten, auf denen der Gewässerreport basiert, stammen vom Umweltbundesamt. In zehn Themenfeldern wird analysiert, wo die Probleme für den besorgniserregenden Zustand der Gewässer liegen und wie Lösungen für gesunde Gewässer aussehen können.

Die Probleme

Trübes Wasser, stinkende Algenteppiche und schlammige Gewässerböden sind die Auswirkungen der Intensivlandwirtschaft - so der Report. Kunstdünger, Gülle und Pestizidrückstände gelangen über Flussmündungen und den Lufteintrag in die Nord- und Ostsee, aber auch in die mecklenburgischen Kleingewässer. Insbesondere das zunehmende Blaualgenwachstum in der Ostsee wird kritisch bewertet. Sie sind für einige Meeresbewohner giftig und können auch beim Menschen Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Badewarnungen oder sogar Badeverbote werden daher immer häufiger ausgerufen. Auch die Meeresböden geben Anlass zur Sorge. Müllablagerungen und Reste abgestorbener Algen töten die bodennahen Meeresorganismen ab. Folge: Die Böden verwandeln sich in ökologisch tote Zonen. So hat der BUND in seinem Report auch Forderungen aufgestellt, die sich an die Bundespolitik richten. Dazu zählt etwa eine viel ambitioniertere Düngeverordnung und strengere Schutzmaßnahmen für Kleingewässer.

Im Zuge der deutschen Energiewende werden immer mehr Wasserkraftwerke installiert, insbesondere in Bayern. Stauwerke aber sind Hindernisse für Fische, sie behindern auch die naturnahe Dynamik des Abflusses. Neugebaute Wasserkraftwerke verdrängen Lebensgemeinschaften, die für die Balance des Fließgewässers notwendig sind. Der BUND fordert einen Stopp der Wasserkraft-Projekte.

Positivbeispiele

Seit 1900 wird an der Werra Kalisalz abgebaut. Dabei fällt Salzlauge an, die entweder direkt in den Fluss geleitet oder in den Boden verpresst wird. Die salzhaltigen Abwässer verunreinigen die Grundwässer und gefährden die Trinkwasserversorgung in der Werra-Region. Der BUND hat daraufhin eine Klage gegen den Verursacher, die K+S AG, eingereicht. Nach langen Verhandlungen haben sich die beiden Parteien 2017 auf einen Vergleich geeinigt. Folge: Die K+S AG verpresst nun weniger Salzlauge als erlaubt in die Böden und ab 2021 will man keinen neuen Antrag auf Verpressung mehr stellen. Dadurch können sich das Grundwasser und das Fließgewässer wesentlich erholen. 

Auch die geplante Weservertiefung liegt aufgrund eines EuGH-Urteils auf Eis. Grund: Es bestehen schwere Mängel bezüglich europäischem und nationalem Gewässer- und Naturschutzrecht. Dieses Urteil hat auch Auswirkungen auf andere geplante Flussvertiefungen. Die im Report aufgeführten Positivbeispiele kommentiert BUND-Chef Weiger so: "Ziel ist zu zeigen, dass sich Engagement lohnt, und Flüsse, Seen und Grundwasser dadurch bewahrt oder sogar wieder in einen naturnahen Zustand gebracht werden konnten."

Qualitätsvorgaben 

Der neue Gewässerreport hat einen mahnenden Charakter. Die EU hat in der für alle Mitgliedsstaaten geltenden Wasserrahmenrichtlinie Zielvorgaben zur Verbesserung der Gewässerqualität festgeschrieben. Der BUND kritisiert aber die bundesdeutsche Umsetzung der Richtlinie: "Deutschland hat sich im Jahr 2000 verpflichtet, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und bis 2015, allerspätestens bis 2027, alle Gewässer in einen "guten Zustand" zu bringen. Dieser Verantwortung wird Deutschland aber nicht gerecht, wie unser Report zeigt", so Weiger. Auch der Bundesverband der Deutschen Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) bezieht Stellung zum neuen Gewässerreport. "Neuen Handlungsbedarf gibt es bei Problemen wie Arzneimittel. Auch bei Nitrat- und Pflanzenschutzmittel-Problemen reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus. Da muss die Wasserrahmenrichtlinie nachbessern", so der Bundesverband.

Es gilt also, die Übernutzung der deutschen Flüsse und Seen zu stoppen. Der Gewässerreport liegt nun vor. Die Forderung des BDEW lautet letztendlich: "Eine Konkretisierung des Verschlechterungsverbotes mit Blick auf menschliche Nutzungen für Trinkwasser, Abwasser und Erneuerbare Energien sind notwendig."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.