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Übergriffe durch Fahrgäste - Bahn-Mitarbeiter klagen über Gewalt

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Verspätungen, Ausfälle, Pannen: So mancher Bahnreisende reagiert mit Gewalt. Im ersten Dreivierteljahr registrierte die Deutsche Bahn fast 2.000 Übergriffe auf ihre Mitarbeiter.

Archiv: Ein Zugbegleiter der Deutschen Bahn in Berlin am 27.07.2016
Sie bekommen den Frust ab: Zugbegleiter der Deutschen Bahn
Quelle: dpa

Mitarbeiter der Deutschen Bahn klagen über zahlreiche gewalttätige Übergriffe. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden bereits 1981 Körperverletzungen gemeldet - mehr als im gesamten Jahr 2015. Damals waren es 1876 Körperverletzungen. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor. 2016 stieg die Zahl demnach auf 2374 und im vergangenen Jahr auf 2550.

Die Behörde gab auch Daten der Bundespolizei weiter - darin sind die Fallzahlen niedriger. Demnach zählte die Bundespolizei bis Ende Oktober 1.140 Angriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Bei anderen Bahnunternehmen waren es rund 140 Gewalttaten.

"Viele Kollegen haben die Hoffnung verloren"

Der Vize-Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG, Alexander Kirchner, warnte mit Blick auf die zahlreichen Verspätungen und Technikprobleme vor wachsendem Frust unter den Mitarbeitern. "Nicht wenige denken: 'Es wird eh nicht besser.' Viele Kollegen haben die Hoffnung verloren", sagte der Chef der Gewerkschaft EVG dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die Kollegen in den Zügen und auf den Bahnhöfen sind mit der Wut der Reisenden über Verspätungen direkt konfrontiert. Sie müssen sich permanent für Probleme rechtfertigen, die sie weder verursacht haben noch verhindern können."

Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann sprach von einer "beunruhigenden Tendenz". "Die Beschäftigten erfahren täglich den angestauten Frust über schlechte Leistungen ihres Unternehmens, im schlimmsten Fall bis hin zur Gewalt", sagte sie der "Passauer Neuen Presse", die zuerst über die Daten berichtet hatte.

Gewerkschafter: Das System kippt

Zuletzt waren die Fernzüge der Bahn wieder häufiger verspätet. Die Pünktlichkeitsquote lag im November bei 70,4 Prozent. "Nur 70 Prozent bei der Pünktlichkeit - das war in der Vergangenheit die Ausnahme, jetzt ist es fast der Regelfall", sagte EVG-Mann Kirchner. Er kritisierte: "Die Bahn ist über Jahre auf Verschleiß gefahren worden. Es fehlen Kapazitäten bei der Infrastruktur, bei den Zügen und beim Personal. Das führt dazu, dass das System allmählich kippt." Der Vizeaufsichtsratschef gibt nicht nur dem Bahn-Vorstand die Schuld an der schwierigen Lage: "Auch die Politik ist verantwortlich für den desolaten Zustand, den wir jetzt haben: Sie hat es über Jahre versäumt, die notwendigen Mittel für die Modernisierung der Infrastruktur bereitzustellen."

Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel warf der CSU - sie stellt seit 2009 den Verkehrsminister - vor, die Krise der Bahn durch falsche politische Weichenstellungen wesentlich mitverschuldet zu haben. "Es ist nicht damit getan, die DB mit einer Strukturreform zu beauftragen und in der Bahnpolitik sonst alles beim Alten zu belassen." Der Bund ist als Eigentümer der Bahn auch im Aufsichtsrat vertreten und kontrolliert somit das Bahn-Management maßgeblich mit.

Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte die Deutsche Bahn angesichts vieler Probleme zu schnellen Verbesserungen für die Fahrgäste aufgefordert. "Wir brauchen eine Bürgerbahn, die den Namen verdient - nämlich, dass wir pünktlicher werden, dass wir besseren Service anbieten", hatte der CSU-Politiker erklärt. Gastel dagegen kritisiert: Der Minister werde beim Thema Bahn zum "Meister des Ungefähren". "Nach dem "Wow-Effekt" führt Scheuer mit der "Bürgerbahn" eine neue Worthülse ein." Mit der Realität habe dies nach neun Jahren CSU-Verkehrspolitik immer weniger zu tun.

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