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Gewalt gegen Frauen - "Mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen"

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Seit Jahren kam es immer wieder zu Handgreiflichkeiten zwischen Ella und ihrem Mann. Sie versuchte, die Illusion der perfekten Familie aufrechtzuerhalten. Bis die Lage eskalierte.

Fast jeden zweiten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet.

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Es passierte vor zwei Wochen: Bei einem Streit kommt es - wie so oft - zu körperlicher Gewalt zwischen Ella (Name geändert) und ihrem Mann. Schon häufig hatte er sie in den letzten Jahren verletzt. Aber plötzlich alles anders: "Er hat mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Ich hatte ein blaues Auge, eine geprellte Nase. Es war massiv", erzählt die junge zierliche Frau.

Die rote Linie: wenn Kinder involviert sind

Doch es ist nicht das Ausmaß an Gewalt, welches Ella an diesem Tag dazu bewegt, die Polizei zu rufen: "Unser Sohn war dabei und hat alles gesehen. Das war für mich die rote Linie zu sagen: So, bis hierhin und nicht weiter. Jetzt muss gehandelt werden." Die Polizei erteilt dem Ehemann Wohnungsverbot und vermittelt Ella an die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt in Magdeburg.

Die befindet sich in einem unscheinbaren Büro in einem Verwaltungsgebäude. Wer hier reinkommt, bleibt anonym. Und genau darum geht es: "Hier wird oft das erste Mal thematisiert, dass es Gewalt gibt, und das ist ja leider immer noch ein Tabu-Thema", so Lissy Herrmann von der Interventionsstelle. Die wenigsten Frauen bekämen es hin, sich beim ersten Mal zu trennen. "Dahinter stand ja mal ein anderer Lebensentwurf von Gemeinsamkeit und Familie. Den aufzugeben ist für viele schwierig."

Alle sozialen Schichten sind betroffen

Auch Ella hatte bereits vor anderthalb Jahren versucht, sich von ihrem Mann zu trennen. Unter anderem der Kinder zuliebe versuchten die beiden es aber erneut. Lissy Herrmann hört den Frauen erstmal zu, nimmt sie ernst und zeigt Optionen auf. "Die letztliche Entscheidung trifft immer die Frau selbst."

Die größte Angst vor Stigmatisierung hätten oft Frauen aus sozial gut gestellten Familien: "Wir sprechen ja hier auch von keiner sozialen Schichtung. Es betrifft auch ganz viele Akademiker-Familien, die durchaus auch ein öffentliches Ansehen haben. Die gehen damit nicht an die Öffentlichkeit, weil da gegebenenfalls auch Karrieren dranhängen." Auch Ella ist Akademikerin, hat eine Job-Pause eingelegt, um sich um die Kinder zu kümmern.

Oft keine oder nur geringe Strafen

Ella hat sich mittlerweile auch juristische Hilfe gesucht. Sie möchte einen sauberen Schnitt und klare Regelungen bezüglich der Kinder. Eine juristische Verfolgung von Gewaltfällen in der Partnerschaft sei aber nicht immer einfach, so der Rechtsanwalt für Opferhilfe, Thomas Klaus: "Immer wieder kommt es dazu, dass Frauen ihre Anschuldigungen im späteren Verfahrensgang zurückziehen, und dann ist eine Verurteilung des Täters regelmäßig nicht möglich."

Wenn es dann doch mal zu einer Verurteilung komme, sei das Strafmaß für die Opfer oft enttäuschend. Regelmäßig würden nur Geldstrafen verhängt, die keine abschreckende Wirkung hätten. "Diese erhebliche emotionale Verletzung, die häusliche Gewalt bei Frauen verursacht, findet sich in den Strafen in keiner Weise wieder", so der Anwalt.

Möglichst schnell Hilfe suchen

16 Jahre dauerte Ellas Beziehung zu ihrem Mann an. Er bereue, was passiert ist, sagt Ella. Trotzdem will sie diesmal nicht zu ihm zurück. Ihre körperlichen Wunden sind zwar fast wieder verheilt. Aber was bleibt, ist das Trauma. "Die physische Gewalt war ja bloß ein kleiner Teil, der sich dann eben irgendwann einmal entladen hat. Aber um über diese psychische Gewalt hinwegzukommen, das wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern." Anderen Betroffenen rät Ella, nicht so lange zu warten und sich möglichst schnell Hilfe zu suchen.

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