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Kriminalstatistik - Gewalt gegen Kinder: Experten schlagen Alarm

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Kinderschützer und BKA zeichnen ein düsteres Bild der Gewalt gegen Kinder und der zentralen Rolle des Internets bei diesen Verbrechen. Die Täter zu verfolgen, ist schwierig.

Mehr als 13.500 Kinder wurden im vergangenen Jahr in Deutschland Opfer sexueller Gewalt. Das besagt ein Bericht, den die Kinderhilfe und das Bundeskriminalamt in Berlin vorgestellt haben.

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Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein besonders düsteres Kapitel für Polizei und Kinderschützer. Der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zufolge spielt das Internet eine immer größere Rolle, insbesondere bei der Verbreitung von Kinderpornografie. Am Dienstag wandten sich in Berlin der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und Kinderschutz-Experten gemeinsam an die Öffentlichkeit. Sie verlangten mehr Personal in den Behörden und gesetzliche Verschärfungen.

Verfolgung scheitert oft

Mehr als jeder zweite Verfolgungsversuch von Kinderpornografie im Internet scheitert laut BKA-Chef Münch derzeit daran, dass die Vorratsdatenspeicherung ausgesetzt ist. Im vorigen Jahr hätten bei 8.400 Hinweisen auf Kinderpornografie die Ermittlungen eingestellt werden müssen, sagte Münch. IP-Adressen sind für die Polizei die wichtigste Datenspur, um festzustellen, von welchem Computer aus eine Tat begangen wurde.

Münch zufolge ist das Entdeckungsrisiko für Täter einer der wichtigsten Faktoren zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Deshalb werde die Vorratsdatenspeicherung gebraucht. Die Möglichkeit, Verbindungsdaten bis zu zehn Wochen zu speichern, wurde in Deutschland vor einem Jahr aufgrund eines Gerichtsurteils ausgesetzt.

Anhebung der Höchststrafe gefordert

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte, Datenschutz dürfe nicht vor Kinderschutz gehen. Unter diesem Aspekt müsse man die Vorratsdatenspeicherung neu diskutieren. Rörig forderte außerdem eine Anhebung der Höchststrafe für den Besitz von Kinderpornografie von drei auf fünf Jahre Haft. Er forderte eindringlich eine Reform des Jugendmedienschutzes und nahm auch die IT-Industrie in Pflicht. Sie sei mitverantwortlich für den Kinderschutz, sagte er.

Die deutschen Behörden erhalten die meisten Hinweise auf Missbrauchsdarstellungen im Internet aus den USA, wo es für die Provider eine Meldepflicht für verdächtige Inhalte gibt. Laut Münch gab es 2017 rund 35.000 solcher Hinweise mit Bezug zu Deutschland. Die Zahl sei in der vergangenen fünf Jahren deutlich angestiegen. Der britischen Organisation Internet Watch Foundation (IWF) zufolge zeigen 35 Prozent der aufgefundenen Seiten Vergewaltigungen und sexualisierte Folter von Kindern. Die Opfer werden immer jünger.

Dunkelfeld weit größer

Der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 (PKS) zufolge nimmt auch in Deutschland die Verbreitung der sogenannten Kinderpornografie weiter zu. Im Jahr 2017 wurden der Polizei 6.500 Fälle von Kinderpornografie bekannt und 1.300 Fälle jugendpornografischer Darstellungen. Das sind Zuwächse um 14,5 Prozent und 24 Prozent in einem Jahr. Es handelt sich nur um die entdeckten Fälle - das Dunkelfeld ist weit größer. Nach Erkenntnissen des Ulmer Kinderpsychiaters und Missbrauchs-Forschers Jörg M. Fegert ergibt sich aus Befragungen von Erwachsenen, dass im Mittel acht Prozent als Kinder oder Jugendliche Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen gemacht haben.

Fegert sagte, dies seien in etwa so viele Menschen wie die Bevölkerung des Saarlandes, fast eine Million. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, kritisierte, Jugendämter, Polizei und Justiz seien in den vergangenen Jahren "kaputtgespart" worden. Das müsse sich umkehren, um den Kinderschutz zu erhöhen.

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