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Gewalt in Fußballstadien - Kleine Gewalttäter-Gruppe bereitet große Sorgen

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Nach den jüngsten Krawallen im deutschen Fußball und Kampfansagen an den DFB befürchten Sicherheitsexperten eine "heiße Saison". Aber wie die Gewalttäter in den Griff bekommen - durch Dialog oder mittels Stadionverboten, höheren Geldbußen und Freiheitsstrafen? Die Debatte darüber läuft.

Es ist ein Versuch der Annäherung im höchst gespannten Verhältnis zwischen den sogenannten Ultra-Fans und dem DFB. Dialog statt Kollektivstrafen, so die Idee nach den jüngsten Krawallen in Rostock.

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Vermummte Gewalttäter randalieren im Stadion, zünden eine Tribüne an und feuern Raketen auf andere Menschen: Die Bilder vom DFB-Pokalspiel in Rostock machen vielen Fußballfans Angst. Sie überschatten auch den Bundesliga-Auftakt und geben szenekundigen Beobachtern einen Vorgeschmack auf eine "heiße Saison", zu deren Beginn ein Rapper mit seiner Kampfansage "Krieg dem DFB" einen Youtube-Hit landet - mit mehr als 500.000 Abrufen und 11.000 "Likes" binnen kurzer Zeit.

Tausende Hooligans wollen Stadien zu ihren Kampfarenen machen

Der Deutsche Fußball-Bund ist alarmiert. Präsident Reinhard Grindel zeigt sich "sehr betroffen" über martialische Aufmärsche, "Kriegserklärungen" und menschenverachtende Aktionen. Er fordert von gewaltbereiten Stadionbesuchern ein Umdenken und die Bereitschaft zum Dialog. In Szene-Internetforen mischen sich nachdenkliche und hämische Kommentare.

"Wir haben es mit einer kleinen Gruppe von Gewaltbereiten und Gewaltsuchenden zu tun, die uns fortwährend große Sorgen bereitet", sagt eine Polizeisprecherin im Gespräch mit heute.de. Demnach wollen etwa 14.000 Hooligans regelmäßig Fußballstadien in ihre Kampfarenen verwandeln. Zum Vergleich: Pro Spieltag der 1. und 2. Bundesliga kamen in der vergangenen Saison fast 570.000 Besucher in die Stadien.

Polizei beobachtet mit Sorge neue "gefährliche Gruppendynamik"

Ein Großteil der Stadionbesucher reagiert schockiert auf das Treiben der Gewalttäter. Rund um die Stadien käme es aber häufiger als früher zu "Solidaritätsaktionen von Nichtstörern mit Störergruppen", so die Polizeisprecherin. Es entstünde oft eine "gefährliche Gruppendynamik". Mit Blick auf die Gesamtlage spricht das Bundesinnenministerium (BMI) "von einer Reihe von gravierenden Vorkommnissen in jüngerer Vergangenheit".

Ein Sprecher des BMI listet gleichzeitig eine Vielzahl von Konzepten auf, mit der Ministerien, Polizei, Verbände und Vereine versuchen, "die Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen effektiv zu reduzieren". Ein Blick in die polizeilichen Statistiken der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ zeigt jedoch, dass die Straftaten auf konstant hohem Niveau verharren.

Experte für Sportrecht fordert härtere Gesetze

Der Experte für Sportrecht Jan F. Orth fordert deshalb härtere Gesetze mit Geldbußen und Haft. "Das strafrechtliche Verfolgen von Gewalttätern im Stadion sollte nicht erst bei schweren Delikten wie Körperverletzung und Landfriedensbruch einsetzen, sondern lange vorher", sagt der Jurist. Es müsse ein klares Zeichen geben: "Man kann sich mit einer Eintrittskarte keinen rechtsfreien Raum erkaufen!"

Orth schlägt deshalb zum Beispiel vor: "Erhebliche Geldstrafen oder Freiheitstrafen bis zu einem Jahr schon für jene, die sich am Skandieren von diskriminierenden oder menschenverachtenden Parolen beteiligen oder derlei Spruchbänder mit sich führen." Der Grund: Derlei Vergehen steckten andere an und motivierten zu weiteren Straftaten. Der Jurist hat einen ganzen "Maßnahmenkatalog" erarbeitet, der auch harte Strafen für das Übersteigen von Absperrungen oder das Abbrennen von Pyrotechnik vorsieht.

"Aufgeputschte Hooligans dürfen keinen Stadionzugang bekommen"

Dass bestimmte Gruppen im Stadion das Gewaltmonopol des Staats nicht akzeptierten, sei ebenso ein "Unding" wie der Umstand, dass häufig wegen ihrer Vermummung die eindeutige Zuordnung zu einer Straftat scheitere. "Dagegen ist den Gewalttätern mit hochauflösenden Kameras und szenekundigen Polizeibeamten im Stadion Herr zu werden", sagt der Jurist.

An die Vereine gerichtet, fordert der Kölner Experte für Sportrecht zudem: "Hooligans, die sich vor dem Stadionbesuch mit Alkohol und Amphetaminen aufputschen, dürfen keinen Stadionzugang bekommen!" Denn wenn diese Leute erst einmal im Stadion seien und dort Rechtsverstöße begingen, "ist es für die Polizeibeamten gefährlich, in einen Block voller Menschen hineinzugehen und die Straftäter herauszuholen", so Orth.

Pro und Contra Stadionverbot

Eine ähnliche Herangehensweise fordern auch Teile der Politik. Stephan Mayer etwa, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, fordert die Vereine dazu auf, "von ihrem Hausrecht im Stadion Gebrauch zu machen und Zutrittsverbote zu verhängen". Gemeinsam mit den Möglichkeiten, die das Polizeirecht zur Gefahrenabwehr bietet, stünden Rechtsstaat und Vereinen zahlreiche Instrumente zur Verfügung, um Gewalttätern entschlossen entgegenzutreten. Diese Instrumente "müssen aber auch Anwendung finden", so der CSU-Politiker.

Gegen Stadionverbote spricht sich dagegen der Sportwissenschaftler Harald Lange im heute.de-Interview aus. Die Eintrittsverbote lösten das Gewaltproblem nicht, sagt der Leiter des Instituts für Fankultur an der Universität Würzburg. "Die Stadionverbotler treffen sich dann am Spieltag zentral in irgendwelchen Kneipen" und machten dann außerhalb der Stadien Randale. Für effektiver hält Lange den neuen Kurs des DFB, "miteinander statt übereinander reden zu wollen".

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