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Plan von Jungforschern - Ghostbuster - Sensoren gegen Geisterfahrer

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Unfälle durch Geisterfahrer sind auf deutschen Autobahnen an der Tagesordnung. Forscher aus dem Saarland haben ein System entwickelt, das frühzeitig vor Falschfahrern warnen soll.

Daniel Gillo (links), Benjamin Kirsch, Julian Neu
"Ghostbuster": Daniel Gillo (links), Benjamin Kirsch, Julian Neu Quelle: Ehrlich/Universität des Saarlandes

Sie sind der Alptraum eines jeden Autofahrers: Geisterfahrer, die ihr Fahrzeug auf die falsche Fahrspur lenken. Bei Unfällen mit Falschfahrern sind auf deutschen Autobahnen im vergangenen Jahr 22 Menschen ums Leben gekommen. 2016 warnte der Verkehrsfunk rund 2.200 Mal vor Autofahrern, die auf Autobahnen in der falschen Richtung unterwegs waren.

Auffällige Beschilderung hilft nicht

Eingeschränkte Sicht bei schlechtem Wetter, Missverständnisse bei der Beschilderung, übermüdete oder abgelenkte Fahrer - es gibt viele Gründe, warum ein Autofahrer mit seinem Fahrzeug bei einer Autobahnauffahrt oder einem Autobahnkreuz auf die falsche Spur gerät. Die Verkehrsbehörden wollen mit auffälliger Beschilderung und Pfeilen auf der Fahrbahn gegensteuern. Doch die Zahl der Geisterfahrten blieb in den letzten Jahren nahezu konstant.

Drei Nachwuchsforscher der Universität des Saarlandes haben dem Falschfahren auf der Autobahn den Kampf angesagt und ein System entwickelt, das auf den Namen "Ghostbuster" ("Geisterjäger") hört. Der Name ist Programm. "Ghostbuster" soll Geisterfahrer frühzeitig entdecken und andere Verkehrsteilnehmer in Echtzeit warnen. Seit mehreren Jahren arbeiten die drei Wissenschaftler bereits an ihrem Projekt. Nun ist es zur Marktreife gelangt.

Sensoren erkennen Geisterfahrer

Das Herzstück von "Ghostbuster" sind Sensoren, die in die Leitpfosten am Straßenrand eingebaut werden. "Ein Infrarot-Bewegungssensor erfasst pausenlos jede Bewegung im Umfeld von rund zehn bis zwölf Metern des Leitpfostens", sagt Benjamin Kirsch, der das System zusammen mit Julian Neu und Daniel Gillo entwickelt hat. Nähert sich ein Fahrzeug, werden zwei weitere Sensoren am oberen Ende des Leitpfostens aktiviert. Sie erfassen, in welche Richtung das Auto fährt.

Natürlich könnte der Bewegungssensor auch durch Wildwechsel oder Fußgänger auf der Fahrbahn ausgelöst werden. Um solche Fehlalarme zu vermeiden, wurde eine Fahrzeugerkennung in das "Ghostbuster"-System integriert, sagt Julian Neu. Per Mikrofon würden alle Geräusche erfasst und anschließend automatisch ausgewertet. Dadurch lasse sich zweifelsfrei erkennen, ob das Auto eines Geisterfahrers den Bewegungsmelder ausgelöst habe.

Polizei und Verkehrsfunk werden informiert

Hat das System einen Falschfahrer erkannt, wird der Fahrer zunächst durch Warnlichter auf seinen Fehler aufmerksam gemacht. "Somit besteht die Chance, dass eine Falschfahrt erst gar nicht zustande kommt", meint Julian Neu. Reagiere der Geisterfahrer nicht, schicke das System eine Meldung an die zuständige Einsatzleitzentrale. Polizei und Verkehrsfunk werden dann in Echtzeit über den exakten Ort und die Fahrtrichtung des Falschfahrers informiert und können sofort reagieren.

"Ghostbuster" gibt es nicht zum Nulltarif. "Nach aktueller Planung würde der Preis, wenn man von Einzelverkäufen ausgeht, im oberen vierstelligen Bereich pro Autobahnausfahrt liegen", so Julian Neu auf Nachfrage von heute.de. Würde man alle rund 7.000 Ausfahrten, Autobahnkreuze und Rastplätze in Deutschland flächendeckend mit "Ghostbuster" ausrüsten, sei mit Investitionskosten zu rechnen, die in etwa den Kosten entsprächen, die beim Neubau von fünf bis zehn Kilometern Autobahn anfielen, sagt Neu.

"Ghostbuster" kann Leben retten

"Ghostbuster" wird vom saarländischen Verkehrsministerium unterstützt. "Ist der Autofahrer einmal falsch abgefahren, bleibt dies meist unbemerkt, bis es zum Crash kommt", sagt die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). Ein Frühwarnsystem wie "Ghostbuster" könne hier eine echte Wende bringen – und im Ernstfall Leben retten. Das System wird zurzeit an saarländischen Autobahnen getestet und weiter verfeinert.

Auch die Automobilindustrie arbeitet an Verfahren, um Falschfahrer frühzeitig zu warnen. So etwa Ford. Die Falschfahrer-Warnfunktion des Autobauers baut auf dessen Verkehrsschild-Erkennungssystem auf. Eine Frontscheibenkamera erkennt Verkehrszeichen wie etwa "Durchfahrt verboten". Fährt das Auto an solchen Schildern vorbei, wird der Fahrer gewarnt, und das System zeigt ihm ein rotes Verbotszeichen mit der Meldung "Fahrtrichtung ändern" an.

ADAC gibt Verhaltenstipps

Nicht jeder Autofahrer weiß, wie er sich verhalten sollte, wenn er per Verkehrsfunk vor einem Geisterfahrer gewarnt wird. Entsprechendes gilt für die Geisterfahrer selbst. Wer seinen Fahrfehler bemerkt, sollte auf keinen Fall sein Fahrzeug wenden, rät der ADAC auf einer speziellen Webseite zum Thema Geisterfahrer. Hier gibt der Automobilclub allen Autofahrern fundierte Verhaltenstipps, die helfen sollen, die Gefahr eines Unfalls im Fall der Fälle deutlich zu verringern.

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