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Männliche Hebamme - na und?

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Girls' Day und Boys' Day - Männliche Hebamme - na und?

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Noch immer gibt es Berufe, in denen vor allem Männer oder vor allem Frauen arbeiten. Langsam fallen Tabus - es gibt sogar männliche Hebammen. Doch der Weg dahin ist steinig.

Konstantin Wroblewski, aufgenommen am 29.05.2018 in Ansbach (Bayern)
Es gibt nur eine handvoll männlicher Hebammen in Deutschland - Konstantin Wroblewski ist einer davon.
Quelle: dpa

Es war Zufall, dass Konstantin Wroblewski überhaupt von seinem künftigen Beruf erfuhr. Nach der Schule informierte er sich in mehreren Beratungszentren. Er wollte etwas Soziales machen, etwas mit Kindern. Ein Test spuckte dann das aus, was er heute seinen Traumberuf nennt: Hebamme. Er fing an, nach Ausbildungen zu suchen. Einfach war es anfangs nicht. "In beruflichen Beratungszentren kriegt man oft gesagt: Das können nur Frauen machen" , erinnert er sich.

Auszubildende im Ausbildungsjahr 2017/2018
Frauen Männer
Metallbau und Schweißtechnik 705 26.607
Informatik 1.479 20.325
Pflege 18.738 3.981

Quelle: Statistisches Bundesamt

Auch deshalb gebe es kaum Männer, die Hebamme werden wollen, glaubt der 21-Jährige. "Es wird fast gar nicht beworben, dass es ein Beruf ist, der für beide da ist." Dabei erlebe er, dass sich viele Jungs für soziale Berufe interessieren. Dass es sich bei Hebamme um einen "Mädchenberuf" handele, schrecke dann aber die meisten ab. "Sobald man in einen Sozialberuf geht, heißt es oft: man verdient nicht gut. Da sagen viele Jungs: In der Industrie kann ich was verdienen - dann werde ich halt Schlosser."

Konstantin Wroblewski ließ sich von all den Klischees nicht abschrecken. Und auch wenn die Bezeichnung "Hebamme" originär weiblich ist, will er sich nicht anders nennen. "Ich finde den Begriff 'Entbindungspfleger' grausam", sagt er. Jetzt ist er im dritten Lehrjahr und will nichts anderes mehr machen. An seinen Beruf liebt er am meisten, "dass man bei Geburten in einem wunderschönen Moment dabei sein kann".

Die einzige Frau in der Berufsschule

Jasmin Pieper hingegen arbeitet in einem Beruf, den überwiegend Männer ausüben. Für sie ist es die Abwechslung, die ihren Job so besonders macht. Dass kein Tag ist wie der andere - und dass sie handwerklich arbeiten kann. Lange wusste sie nicht genau, welchen Beruf sie erlernen solle. Irgendwann habe eine Freundin erzählt, dass sie selbst etwas Technisches macht. Als sie sich für die Ausbildung zur Metallbauerin entschied, reagierte ihr Umfeld überrascht. "Es ist ja schon eher ein Männerberuf", sagt sie. "In meiner Berufsschule bin ich die einzige Frau."

Als Frau muss man Kontra geben können.
Jasmin Pieper

Es gebe zwar "immer mal wieder dumme Sprüche", erzählt die 21-Jährige. Aber "das ist glaube ich ganz normal, da muss man als Frau Kontra geben können." Schüchtern dürfe man unter Metallbauern nicht sein - oder zu empfindlich. "Ich kenne viele, die sagen: das ist mir alles zu dreckig."

Jasmin Pieper allerdings hat das schon früher nichts ausgemacht, als sie im Autohaus ihres Opas ausgeholfen hat. Da habe sie gemerkt, dass sie sich für Handwerk und Technik interessiert, sagt sie. Heute bewundern sie viele für ihren Job als Metallbauerin. "Ich habe schon oft gehört: Hey, echt cool, dass du sowas machst, weil das gibt es echt selten."

Erzieher: Es fehlt an Geld und Wertschätzung

Auch Jeremy Schöler war in seiner Ausbildungszeit ein Exot. "Das waren zwei Männer auf 20 Frauen", erzählt er. Heute ist er Erzieher in einer Frankfurter Kindertagesstätte. "Als ich auf die Erzieher-Schule gegangen bin, wurde ich von meiner Klassenlehrerin gefragt, ob ich mir denn sicher sei, ob ich die Ausbildung weiter machen möchte - ich würde ja gar nicht rein passen." Er habe sich rechtfertigen müssen, weil er nicht ins gängige Klischee gepasst habe.

Da geht es ums Image. Da musst du stark sein und es muss dir egal sein, was dein Freundeskreis im ersten Moment davon hält.
Jeremy Schöler, Erzieher

Wieso es so wenig Männer in seinem Beruf gibt - dafür hat Jeremy Schöler eine Erklärung: "Da geht es ums Image. Da musst du stark sein und es muss dir egal sein, was dein Freundeskreis im ersten Moment davon hält. Das hab ich auch so erfahren." Man dürfe außerdem nicht in traditionellen Rollenbildern denken. "Wenn man ganz klassische denkt und davon ausgeht, dass in einer Partnerschaft der Mann den Großteil des Geldes ranschafft, ist der Beruf auch unattraktiv." Würden Erzieher mehr verdienen, da ist sich der 28-Jährige sicher, hätten auch mehr Männer Interesse an dem Beruf.

Es fehle an Wertschätzung. "Wenn wir über einen Erzieher reden, dann stellt man sich oft jemanden vor, der nicht so viel arbeitet und ein bisschen mit den Kindern im Park spielt", sagt Schöler. "Aber es ist viel vielfältiger. Wir haben ja die Aufgabe, Bildung zu vermitteln und die Kinder auf einen guten Weg zu bringen." Er findet es wichtig, dass es für Kinder auch männliche Identifikationsfiguren gibt. "Für die Entwicklung eines Kindes ist das essenziell."

Mut zum Mathe-Studium

Man könnte es einen Schubs in die richtige Richtung nennen, der Tanja Pfaffel damals zu ihrem Studienfach brachte. Ihr Mathelehrer schlug ihr irgendwann vor, sie könne doch Mathe studieren. "Er dachte, ich würde das packen - als Einzige in der Klasse. Der hat mir da wirklich Mut gemacht", erinnert sich die 25-Jährige.

Inzwischen arbeitet sie für eine Softwarefirma, beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz, Programmiersprachen und Datensätzen. "Ich bin schon in der Minderheit", sagt Pfaffel. Wieso sich immer noch weniger Frauen für einen Beruf in der IT-Branche interessieren - das kann sie nur vermuten. "Viele von meinen Freundinnen wollen menschlichen Kontakt haben. Wenn man Mathe oder Physik studiert, ist das vielleicht nicht das Erste, woran man denkt."

Dann sei da noch das Thema Kinder. Sie selbst habe sich nach dem Studium gefragt, ob sie Karriere machen oder Zuhause bei den Kindern bleiben wolle. Ein Gedanke, mit dem viele Frauen aufwachsen, glaubt Pfaffel - und der einem auch von Freunden oder dem Partner eingeredet werde. Davon müsse man sich frei machen, findet sie.

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