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"Girls' and Boys' Day" - "Jede oder Jeder kann alles machen"

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Mädchen bauen Roboter, Jungen helfen in der Kita und gemeinsam arbeiten sie in der Steinmetz-Werkstatt: Ein Aktionstag räumt mit Rollenklischees auf. Ein Erfolgsmodell.

Elektronikerin
Elektronikerin
Quelle: girls-day.de

An nur einem Tag einen eigenen kleinen Roboter zusammenbauen und ihm mittels Programmiersprache Befehle geben? Das klingt schwierig. "Kein Problem", sagt dagegen die Informatikerin Dora Dzvonyar (28). Als Trainerin leitet sie heute einen Robotik-Workshop für zwölf Mädchen in der Haba-Digitalwerkstatt in München. Das Projekt ist eines von mehr als 10.000 in ganz Deutschland, an dem sich etwa 100.000 Mädchen während des "Girls'Day", des Mädchen-Zukunftstages, beruflich orientieren können.

Der motivierende "Aha"-Effekt

"Für die Mädchen ist es sehr motivierend, rasch das Ergebnis ihrer Programmierarbeit zu sehen, wenn der Roboter piepst, leuchtet oder sich bewegt", sagt Dzvonyar. Eine motivierende Atmosphäre zu schaffen, darum geht's insgesamt beim "Girls'Day". Seit 2001 öffnen Betriebe, Labore und Hochschulen ihre Türen, damit Mädchen und junge Frauen Berufe und Studienmöglichkeiten kennenlernen können, die sie bislang noch nicht im Blick hatten.   

Der Hintergrund: Angefangen bei Anlagenmechaniker/in über Industrieelektriker/in bis hin zu Zweiradmechaniker/in ist die Liste der Ausbildungsberufe in Deutschland zwar schier endlos lang, dennoch wählt mehr als die Hälfte der Mädchen einen Job aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen – darunter ist kein einziger naturwissenschaftlich-technischer. Auch in Studiengängen wie Informatik oder Ingenieurswissenschaften sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.

Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen händeringend gesucht

Das führt einerseits dazu, dass Mädchen ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll ausschöpfen. Andererseits entgeht der Wirtschaft in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) auch wegen des demographischen Wandels zunehmend Nachwuchs. Seit 2001 haben den Organisatoren des "Girls'Day" zufolge insgesamt 1,8 Millionen Mädchen an den Aktionen teilgenommen und nach deren Angaben waren zwei Drittel der Teilnehmerinnen der Meinung, dass der Mädchen-Zukunftstag mit Blick auf ihre berufliche Orientierung hilfreich gewesen sei.

40 Prozent Mädchen hatten demnach auch Interesse, an dem besuchten  "Girls'Day"-Platz ein Praktikum oder eine Ausbildung zu machen oder dort zu studieren. Auch für die teilnehmenden Unternehmen scheint sich die Aktion zu lohnen: Immerhin geben 33 Prozent an, dass sich "Girls'Day"-Teilnehmerinnen später bei ihnen beworben hätten.

Mädchen und Jungen hinterfragen Rollenklischees

Auch im Steinmetzzentrum Königslutter (Niedersachsen) sind sie vom Sinn des Aktionstags überzeugt. Allerdings, so erklärt Pamela Rastädter, dürfen neben Mädchen auch Jungs im Rahmen des gleichzeitig stattfindenden "Boys'Day" Werkstattluft schnuppern und sich handwerklich betätigen. "Früher waren Mädchen im Bildhauer- und Steinmetzhandwerk Exoten, inzwischen holen sie zahlenmäßig ziemlich auf", beschreibt Rastädter den Trend. "Die Mädchen bringen viel Fleiß, Disziplin, Kreativität und gutes Sozialverhalten mit – das tut der Gruppe im Ganzen gut", sagt sie.

Anders als in Königslutter sind die Jungen bei ihrem Zukunftstag meist unter sich. Dabei sollen sie Rollenklischees hinterfragen und Dienstleistungsberufe etwa in den Bereichen Erziehung, Soziales, Gesundheit und Pflege kennenlernen, in denen bislang nur wenige Männer arbeiten. Laut einer Umfrage hat jeder zweite Teilnehmer einen Beruf kennengelernt, der ihn interessiert – und immerhin 20 Prozent der Einrichtungen und Betriebe erhalten Bewerbungen von einstigen "Boys'Day"-Teilnehmern.  

"Programmieren nicht nur was für komische Nerd-Jungs in Kellern"

Allen Projekten gemein ist das Motto, das die Informatikerin Dora Dzvonyar so formuliert: "Jede oder Jeder kann alles machen – es gibt keine komischen Sachen nur für Mädchen oder nur für Jungs." Oder wie Antonia Borek von der Digitalwerkstatt sagt: "Beim Robotik-Workshop sehen die Mädchen, dass das Basteln und Programmieren nicht nur etwas ist, das komische Nerd-Jungs ohne Sozialleben im Keller machen, sondern dass das eine kommunikative, kreative Aufgabe ist."

Die zwölf Plätze des Kurses seien in Windeseile vergeben worden, berichtet Borek. Was sie den Mädchen heute vor allem mitgeben will, sei ein "Aha"-Effekt: "Eine Siri von Apple oder Alexa von Amazon spricht nicht von allein mit dir, die hat Jemand programmiert – und dieser Jemand könntest künftig auch du sein."

Girl's Day

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