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Telekom- und EWE-Ausbau erlaubt - Richtungsentscheidung für schnelles Internet

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Das Bundeskartellamt hat entschieden: Künftig dürfen Telekom und EWE in Norddeutschland gemeinsam das Glasfasernetz ausbauen. Die Kooperation könnte Modellcharakter haben.

Archiv: Ein Leerrohr für Glasfaser wurde am 05.03.2019 in Halsbach auf einem Acker verlegt, aus dem es noch herausragt.
Glasfaserleitungen ermöglichen eine höhere Download-Geschwindigkeit im Internet.
Quelle: DPA

Beim Glasfaser-Internetausbau dürfen die Deutsche Telekom und der norddeutsche Regionalanbieter EWE gemeinsame Sache machen. Nachdem die Unternehmen Zusagen gemacht hatten und künftig zum Beispiel Wettbewerber auf ihre Leitungen lassen, stimmte das Bundeskartellamt am Donnerstag dem gemeinsamen Ausbau zu. Einen entsprechenden Beschluss veröffentlichte die Bonner Behörde am Mittwoch.

"Kooperationen können unter den richtigen Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Netze zügig ausgebaut werden und die Versorgung der Haushalte mit hohen Bandbreiten schneller verbessert wird", erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt.

Es geht um das Marktgebiet der EWE, also vor allem um Niedersachsen - hier liegt das Gebiet nördlich einer Linie von Osnabrück bis kurz vor Hamburg. Hinzu kommen Bremen und in Nordrhein-Westfalen das nördliche Münsterland sowie Ostwestfalen-Lippe und Bielefeld.

Modellcharakter haben für Netzausbau

Die Kooperation ist aber auch für ganz Deutschland wichtig, denn sie könnte Modellcharakter haben für den zukünftigen Netzausbau im Land. Die ultraschnellen Glasfaser-Leitungen gehen bis in den Keller (Fiber-to-the-Building, FTTB) oder sogar direkt in die Wohnungen (Fiber-to-the-Home; FTTH) und nicht nur bis zum Verteilerkasten auf der Straße.

Laut einer Marktstudie des Branchenverbandes VATM waren zuletzt nur 4,3 Prozent der genutzten Internetanschlüsse Glasfaserleitungen - eine Download-Geschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde ist hier möglich. Die allermeisten Haushalte (72 Prozent) sind hingegen noch über herkömmliche Telefonkabel an das Netz angebunden und kommen zumeist nur auf bis zu 0,25 Gigabit pro Sekunde. Diese Telefonkabel machen die Mehrheit der Netzleitungen der Deutschen Telekom aus.

Mit dem allmählichen Ausbauschwenk von Telefonkabel auf Glasfaser möchte die Telekom seine Infrastruktur für die in der Zukunft benötigten Datenmassen modernisieren und zugleich seine Marktposition gegenüber dem zuletzt erstarkenden Konkurrenten Vodafone verbessern. Allerdings mussten die Telekom und EWE umfassende Zugeständnisse machen.

Die Zugeständnisse

So haben sie sich laut Kartellamt verpflichtet, andere Internetanbieter "diskriminierungsfrei" auf ihr Netz zu lassen - Konkurrenten könnten also Verträge verkaufen, ohne in der Region selbst Leitungen zu haben. Außerdem müssen die beiden Firmen weiterhin unabhängig voneinander an Ausschreibungen teilnehmen, wo der Staat mangels Wirtschaftlichkeit den Ausbau fördert - also auf dem Land.

Zudem müssen die Partner in den nächsten vier Jahren 300.000 Anschlüsse neu mit Glasfaser versorgen. Damit werde in dem Gebiet "deutlich mehr ausgebaut als ursprünglich im Rahmen der Kooperation geplant und als bei einem unabhängigen Ausbau der Unternehmen zu erwarten wäre", heißt es vom Kartellamt.

Kritik von Vodafone

Branchenkenner äußerten sich verhalten. "Es ist gut, dass in dieser Region künftig mehr Glasfaser gebaut wird", sagte Prof. Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Da die Datenmassen in die Höhe schnellten, sei Glasfaser perspektivisch unverzichtbar.

Keine gute Nachricht für den Verbraucher sei, dass sich die beiden größten Marktteilnehmer in der Region künftig weniger Wettbewerb machen werden.

Wettbewerber Vodafone reagierte mit deutlicher Kritik. Die Telekom und EWE planten "nichts Geringeres als ein neues Monopol in Norddeutschland", sagte ein Firmensprecher. Auch der Branchenverband VATM meldete sich zu Wort, bei dem sowohl der Oldenburger Konzern EWE als auch Vodafone Mitglied sind. Das Bundeskartellamt habe sich "redlich Mühe gegeben, eine ausgewogene Entscheidung zu treffen", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

Das Gemeinschaftsunternehmen heißt Glasfaser Nordwest, es wird noch in einem separaten Strang vom Bundeskartellamt untersucht. EWE und Telekom teilten mit, man habe "immer gesagt, dass die Glasfaser Nordwest die modernste Infrastruktur im Nordwesten errichten und diese diskriminierungsfrei allen interessierten Telekommunikationsanbietern zur Verfügung stellen wird".

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