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Globale Energiewende - Trump steigt aus, der Rest der Welt steigt um

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Eine viel beachtete Studie zur Entwicklung der weltweiten Stromerzeugung kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Sonne sticht, Kohle wird begraben - und alles geht viel schneller als gedacht. Leider nicht schnell genug.

Donald Trump macht Ernst: Die USA werden aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 aussteigen. Der Präsident verweist auf zu hohe Kosten für die amerikanische Wirtschaft. Sein Ziel ist, ein neues Abkommen zu verhandeln.

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Die Fachleute von Bloomberg New Energy Finance haben ihren New Energy Outlook 2017 (NEO 2017) veröffentlicht. Die Prognose über die Entwicklung der weltweiten Stromerzeugung bis 2040 enthält einige Überraschungen.

"Ergrünen der Stromwirschaft nicht aufzuhalten"

Erstens: Die globale Energiewende kommt schneller voran als noch im Outlook 2016 prognostiziert. Zweitens: Drei Viertel des Kapitals, das bis 2040 in die Stromerzeugung investiert wird, geht in Windkraft und Photovoltaik. Drittens: Der Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke kommt bereits 2026 zum Erliegen.

"Der diesjährige Report legt nahe, dass das Ergrünen der weltweiten Stromwirtschaft nicht aufzuhalten ist", sagt Seb Henbest, Chefautor der Studie. "Dank schnell fallender Kosten für Strom aus Solar- und Windkraft sowie der wachsenden Bedeutung von Batterien - auch jener in E-Autos - für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage."

Kostenpunkt: 10,2 Billionen Dollar

Die Studie "New Energy Outlook" prognostiziert bis 2040 einen Anstieg des weltweiten Stromverbrauchs um 58 Prozent. Die dafür nötigen Investitionen beziffert man auf die gewaltige Summe von 10,2 Billionen Dollar, was dem Dreifachen der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht. Von dieser Summe fließen fast drei Viertel (72 Prozent bzw. 7,4 Billionen US-Dollar) in erneuerbare Energien.

Das meiste geht in den Ausbau der Windkraft (3,3 Billionen US-Dollar), gefolgt von der Photovoltaik (2,8 Billionen). Solar- Und Windkraft werden dann für die Hälfte (48 Prozent ) der globalen Kraftwerkskapazität stehen (heute: 12 Prozent) und ein Drittel (34 Prozent) der Elektrizität erzeugen (heute: 5 Prozent). Regional spielt die Musik in Asien: Auf China und Indien entfallen allein 4 Billionen Dollar der gesamten Investitionen.

Der Preissturz

Der Preisverfall erneuerbarer Energien wird sich laut NEO-Prognose fortsetzen - durch technologischen Fortschritt und Massenproduktion. Die Photovoltaik, die sich seit 2009 bereits um drei Viertel verbilligt hat, wird bis 2040 um weitere 66 Prozent günstiger. Damit kostet Solarstrom im Jahr 2040 nur noch 8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009.

Windkraft war bereits 2009 vergleichsweise günstig und ist bis heute noch einmal um 30 Prozent gefallen. Bis 2040 rechnen die Experten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) mit einem weiteren Rückgang um 47 Prozent, vor allem durch effizientere Turbinen. Damit wird Windstrom 2040 nur noch 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 kosten.

Killing coal

Dies hat unmittelbare Auswirkung auf die Ausbaupläne für Kohlekraftwerke. "Kraftwerksentwickler, Versorger und Investoren beobachten allesamt die rapiden Veränderungen der [...] Energielandschaft und hinterfragen Annahmen, die vor zwei bis drei Jahren noch völlig vernünftig waren, heute aber überholt sind", sagt Tim Buckley vom Institute for Energy Economics and Financial Analysis.

Vor diesem Hintergrund erwartet BNEF den Höhepunkt der Kohleverstromung - peak coal - bereits 2026, früher als gedacht. Außerdem, so die Experten, würden nur 35 Prozent der heute geplanten Kohlekraftwerke tatsächlich gebaut werden. Der Rest, 369 Gigawatt, werde gekillt. Das entspricht dem Volumen der gesamten Energieerzeugung in Deutschland und Brasilien. Ein Drittel der Streichliste entfällt allein auf Indien. Eine Meldung aus dem April, dass dort nun 14 GW doch nicht errichtet werden, stützt die NEO-Prognose.

Brennpunkt Asien

In Asien schreitet der Kohleausbau aber noch voran. Der größte Markt, China, wird sein Kohlemaximum 2026 erreichen und dann 20 Prozent mehr Kohle verstromen als heute. In Indien, ärmer und rückständiger, wird sich der Zyklus erst in den 2030ern drehen.

Der Kohleausbau in Asien wird jedoch kompensiert durch den Kohleausstieg westlicher Industrieländer. In den USA werde laut NEO-Prognose die Kohleverstromung - trotz der Pläne Donald Trumps, den Energieträger zu fördern - bis 2040 um 45 Prozent sinken und vornehmlich durch Erneuerbare sowie billiges Erdgas verdrängt werden.

In Europa werde sich der Kohlestrom sogar um 87 Prozent reduzieren. Gaskraftwerke würden wegen des in Europa vergleichsweise teuren Brennstoffs vorwiegend als sogenannte Peaker zum Abfangen von Spitzenlasten im Netz eingesetzt werden. Dies setzt, nebenbei, ein weiteres Fragezeichen hinter die Ausbaupläne der Nord-Stream-2-Pipeline für zusätzliches Gas aus Russland.

Batterien schaffen Balance

Das Bewältigen von Spitzenlasten, ebenso wie die schwankende Einspeisung aus Wind und Sonne stellen heute die zentrale Schwierigkeit für Netzbetreiber dar. Hier kommen Lithium-Ionen-Batterien ins Spiel. Deren Preise befinden sich auf dem gleichen Sturzflug wie in der Photovoltaik. BNEF rechnet bereits bis 2030 mit einer Verbilligung um 73 Prozent.

Dies bedeutet, dass dann Batterien bereits Spitzenlasten bedienen und Einspeisespitzen auffangen können. Erste Projekte, z.B. in Australien, entstehen gerade. Gleichzeitig fungiert die wachsende Flotte an E-Autos (die Autoren der NEO-Studie erwartet 2040 13 Prozent in den USA und 12 Prozent in Europa) quasi als gigantischer vernetzter Stromspeicher. Der Grund: Deren Batterien werden vorzugsweise dann geladen, wenn Strom im Überfluss vorhanden und somit billig ist.

Trotzdem: Ziel verfehlt

Insgesamt erwartet der New Energy Outlook 2017 das Maximum der CO2-Emissionen aus der Stromerzeugung für das Jahr 2026, 10 Prozent höher als heute. 2040 werden die Emissionen dann 4 Prozent unter dem heutigen Niveau liegen. Für die Einhaltung des 2-Grad-Klimaziels reicht das trotzdem nicht.

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