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Globaler Klimastreik - Protest als Zeitgeist

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Sie sind überzeugt, sie sind vernetzt und sie sind Viele. #Allefürsklima hat Massen mobilisiert: In über 500 deutschen Städten und über 150 Ländern wollen Menschen auf die Straße.

FfF-Demo in Dortmund
Fridays for Future Demonstration in Dortmund (Archivbild)
Quelle: dpa

Es beginnt an einem Freitag, am 20. August 2018. Ein Mädchen sitzt allein mit einem Schild auf der Straße vor dem schwedischen Parlament. Greta Thunberg streikt fürs Klima, verlangt, dass Schweden das Klimaabkommen von Paris umsetzt. Was Greta im Kleinen startet, breitet sich im Laufe eines Jahres zu einer internationalen Protestbewegung aus. Zehntausende, Hunderttausende Schüler bestreiken inzwischen weltweit unter dem Motto "Fridays for Future" ihren Schulunterricht.

Galionsfiguren sind entscheidend

Insbesondere in der Formierungsphase einer Bewegung seien solche nationalen Galionsfiguren wichtig und können die mediale Aufmerksamkeit enorm steigern, weiß Dieter Rucht vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung. "Aber sie können auch eine Projektionsfläche für unerfüllbare Erwartungen sein", so der Soziologe. Die Klimaaktivisten werfen der Regierung Versagen vor und fordern mehr politische Tatkraft im Kampf gegen die Klimakrise – eine Aufgabe, wie sie anspruchsvoller und vielschichtiger kaum sein könnte.

Mit reichlich Rückendeckung von Wissenschaftlern, Unternehmern und Eltern erreicht die Bewegung nun ihren vorläufigen Höhepunkt: Es ist der dritte globale Klimastreik und zugleich Auftakt einer Klima-Protestwoche. Hunderttausende legen dafür allein in Deutschland ihre Arbeit nieder und gehen auf die Straße. Es scheint, als sei die Bevölkerung aufgewacht – mitten in einem Albtraum, in dem nur zehn Jahre bleiben, um die Erderhitzung aufzuhalten.

Frontal21 beleuchtet monothematisch den Klimaschutz mit Blick auf das gesellschaftliche Konfliktpotenzial in Deutschland: Welche politischen Maßnahmen sind nötig?

Beitragslänge:
44 min
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Kipppunkt in der Debatte erreicht

Für Kai Bergmann, Referent für deutsche Klimapolitik bei Germanwatch, ist der heutige Streiktag etwas wie ein politischer Kipppunkt. Dieser Tag würde zeigen, wie groß der Erwartungsdruck aus der Mitte der Gesellschaft auf die Bundesregierung und die neue EU-Kommission sei, endlich zu liefern. Die jungen Klimaaktivisten sind für Bergmann vergleichbar mit einer neuen Art von Graswurzelbewegung. Man müsse nicht Mitglied im Jugendverband oder einer Umweltorganisation sein, denn die Aktiven sind an Schulen, Unis und Betrieben. "Neu ist, dass durch die technischen Möglichkeiten, die die Jugendlichen ja selbstverständlich nutzen, eine Basisbewegung aus Teilen der Weltgesellschaft entsteht."

Verbote für mehr Klimaschutz gefordert

Die Bewegung hat den Auftakt zur globalen Streikwoche für mehr Klimaschutz taktisch gewählt: In Berlin tagt die Bundesregierung und in New York laufen die Vorbereitungen für den UN-Klimagipfel. Die Herausforderungen der Zeit brauchen eine neue politische Dimension, meint Olga Perov von Campact. "Dieser gewaltige Umbau kann aber nicht allein durch Anreize und Förderung erreicht werden. Die Regierung muss auch ordnungsrechtliche Maßnahmen ergreifen." Verbote für mehr Klimaschutz – den Protestler ist das nur recht. Geht es nach den Aktivisten der Fridays for Future-Bewegung, soll der Kohleausstieg in Deutschland bis 2030 vollzogen sein und eine vollständige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien bis 2035 erreicht werden.

Kai Bergmann von Germanwatch fordert einen konkreten Zeitplan. "Klare Ansagen der Politik, bis wann zum Beispiel der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor für PKW erfolgen muss oder keine Inlandsflüge mehr möglich sind, erhöhen bei den Anbietern klimafreundlicher Alternativen die wichtige Investitionssicherheit." Die Dringlichkeit, einen konsequenten Klimaschutz politisch umzusetzen, um auch die kommende Wählergeneration nicht zu verlieren, nimmt immer mehr zu. Kai Bergmann fordert daher, Technologien nur gezielt zu entwickeln. Eine generelle Technologieoffenheit sei nicht immer ein Allheilmittel. "Es geht auch darum, durch intelligente Rahmensetzung Investoren Anlagesicherheiten zu schaffen und aufzuzeigen wo zukünftige Leitmärkte sich abzeichnen."

Politische Agenda-Setter

Klar ist schon jetzt: Die Klimaaktivisten haben den Klimaschutz in einer neuen Dimension auf die politische Agenda gebracht. Der Soziologe Dieter Rucht bezeichnet sie sogar als Agenda-Setter, auch wenn ein langfristiger Erfolg noch nicht absehbar ist. Etwas erreicht haben die Fridays for Future-Protestler aber schon: So rief Konstanz als erste deutsche Stadt im Mai 2019 den Klimanotstand aus. Bundesweit folgten 45 Städte und Gemeinden dem Beispiel. Weltweit haben bereits mehr als 900 Kommunen, Städte und Staaten den Klimanotstand ausgerufen. Das hat zwar hauptsächlich einen symbolischen Wert, aber immerhin gilt die Klimakrise damit als anerkannte, akute Bedrohung. Eine Bedrohung, gegen die Menschen weltweit auf die Straße gehen.

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