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Die Suche nach dem Glück - App verspricht besseres Leben auf Knopfdruck

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Christoph Schnedlitz zog aus, das Glücklichsein zu lernen. Er entwickelte eine App, die ihm dabei helfen soll. Aber kann eine App wirklich helfen, ein besseres Leben zu führen?

Glücksapp - HiMoment. So sieht die App auf dem Handy aus
Glücksapp - HiMoment. So sieht die App auf dem Handy aus
Quelle: Christoph Schnedlitz

Eigentlich hatte der Österreicher Christopf Schnedlitz allen Grund zum Glücklichsein. Er war 27 Jahre alt und hatte beruflich fast alles erreicht, was er erreichen wollte. Trotzdem war er unglücklich. Mit diesem Zustand wollte er sich nicht abfinden. Seine Suche begann. Er befasste sich mit Glücksforschung und probierte verschiedene Methoden aus. Inzwischen ist der gebürtige Grazer 35 Jahre alt und hat das Glück zum Beruf gemacht. Mit seiner App "HiMoment" verfolgt er das ambitionierte Ziel, Menschen glücklicher zu machen. Und es sei ihm schon gelungen.

Der Seismograf in der Brust

"Alle acht Sekunden machen wir einen unserer User glücklicher", versichert Schnedlitz. Seit Jahresbeginn 2018 gibt es "HiMoment" zu kaufen. 70.000 Menschen haben die App schon auf ihren Handys. Und die Methode, die Glück verspricht, ist simpel: Jeder Nutzer speichert, wenn er die App einrichtet, Bilder von schönen Momenten. Diese schickt die App dann mehrmals am Tag an seine Nutzer. Durch die Erinnerung an diese Momente fühlt man sich auch in der Gegenwart zufriedener, so die Theorie. Wer dann immer noch nicht glücklich ist, kann die Premium Version der App erwerben, für rund fünf Euro im Monat.

Glücksapp - HiMoment - Das heutige HiMoment Team um Gründer Christoph Schnedlitz (3. V.r.)
Glücksapp - "HiMoment" - Das heutige "HiMoment" Team um Gründer Christoph Schnedlitz (3. v.l.)
Quelle: Christoph Schnedlitz/privat

Doch was ist Glück eigentlich? Der Wiener Glücksforscher und -trainer Manfred Rauchensteiner versucht genau das den Menschen zu erklären, die sich an ihn wenden. "Es ist ein körperliches Empfinden", sagt Rauchensteiner. "Es gibt Glück und Leid, und beides nehmen wir an der Vorderseite des Oberkörpers wahr." Enge und Druck steht für Leid, Leichtigkeit für Glück. Der Bereich im Oberkörper, in dem wir diese Gefühle spüren, nennt Rauchensteiner Emotionalkörper. "Es ist wie ein Seismograf, der vorne in der Brust sitzt." Dieses Körpergefühl teilt mit, ob man sich gut oder schlecht fühlt.

"Glück ist trainierbar und leicht erlernbar"

Glücksapp - HiMoment. So sieht die App auf dem Handy aus
Glücksapp - HiMoment. So sieht die App auf dem Handy aus
Quelle: Christoph Schnedlitz

Viele Menschen glaubten, wie sie sich fühlen, sei von ihrer Umgebung abhängig. Ein Irrglaube, urteilt Rauchensteiner. "Nicht die Realität, sondern unsere Gedanken haben den größten Einfluss auf unser Glück." Das ist der wichtigste Punkt, den er seinen Klienten mit auf den Weg geben will. Jeder solle verstehen, dass er für sein Glück eigenverantwortlich zuständig ist.

Um Menschen glücklicher zu machen, spricht Rauchensteiner vor allem mit ihnen. "Ich möchte herausfinden, was die Menschen beunruhigt. Und diese Situationen dann durchbrechen", sagt Rauchensteiner. "Lernen, sich weniger auf das Negative und mehr auf das Positive zu konzentrieren, ist der Schlüssel." Um dies zu erkennen, reiche meist nur eine oder wenige Sitzungen. Aber ist es wirklich so einfach? Ist das Glück wirklich erlernbar? "Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt", urteilt Rauchensteiner. "Glück ist trainierbar und leicht erlernbar, wenn man es nur will."

Meist beginnt dieses Glückstraining mit einem Tagebuch. Am Abend soll jeder aufschreiben, was am Tag Positives passiert ist. Ein ähnliches Konzept steckt auch hinter "HiMoment". Keine schlechte Idee, befindet Rauchensteiner. Ein abschließendes Urteil über die App kann er aber nicht fällen. "Jeder Mensch ist anders und jeden machen unterschiedliche Dinge glücklich." Es gebe kein Allheilmittel, nicht den einen Weg zum Glück. Deswegen könne eine solche App manchen Nutzern gut tun und manchen nicht. Da helfe nur eins: Ausprobieren.

Handys sind Stressfaktoren

Heide-Marie Smolka, Wiener Glückstrainerin und Psychologin, sieht die App kritischer. "Unsere Handys halten uns in einem permanenten Standby-Modus. Ständig sind wir erreichbar, mit neuen Daten konfrontiert und vergleichen uns auf Social Media mit anderen. Das sind Stressfaktoren." Zu viel Zeit am Handy zu verbringen, sei kontraproduktiv. Die App könne zwar helfen, sich mehr auf das Positive in seinem Leben zu konzentrieren. "Aber oft ist es besser, den Moment zu genießen, anstatt an die App zu denken."

Schnedlitz‘ App ist keine Ausnahmeerscheinung. Im App-Store tummeln sich Achtsamkeits- und Meditations-Angebote, die ein besseres und ausgeglicheneres Leben versprechen. Mit dieser Industrie lässt sich Geld machen. Der Geschäftsführer von "HiMoment" sieht darin aber nichts Schlechtes: "Die Leute finden es doch auch okay, dass ein Therapeut mit seiner Arbeit Geld verdient", gibt Schnedlitz zu bedenken. "Ich finde es toll, wenn Menschen Geld ausgeben, um die beste Version von sich selbst zu werden. Sie könnten es schließlich auch für Netflix ausgeben." Und in das eigene Glück sei das Geld wesentlich besser investiert, sagt er.

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