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Glücksspiel als Geschäft - Kontrollverlust und Milliardengewinne

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Glücksspiel ist für die Anbieter ein Milliardengeschäft. Ein Großteil des Umsatzes wird im nicht-regulierten Bereich gemacht. Das Risiko tragen die Spieler.

Deutsche Banken sollen in Glücksspiel-Geschäfte verstrickt sein.
In Deutschland gibt es 200.000 pathologische, also krankhafte, Glücksspieler. Symbolbild.
Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Nach 23 Jahren als Spieler stand Volker Brümmer an den Gleisen, die Abschiedsbriefe waren geschrieben. "Ich habe nicht nur Geld verspielt, sondern alle sozialen Kontakte - am Ende fast mein Leben." Am Tiefpunkt seiner Spielerbiografie, mit 300.000 Euro Schulden, besann sich der Fliesenleger doch anders. Heute ist der 50-Jährige trocken, wie er es nennt. Und redet offen über seine Vergangenheit.

Brümmer ist noch ein Kind, als er das erste Mal spielt. An einer Raststätte wirft er das Taschengeld von Oma in einen Automaten. Die zwei Mark kamen nicht mehr heraus. "Das war das erste Mal, dass ich meine Eltern wegen des Spielens angelogen habe." Jahre später wird er Bankmitarbeitern erfundene Geschichten erzählen - und auch das Sparbuch seiner Tochter leer räumen.

Hundertausende krankhafte Glücksspieler in Deutschland

Wegen des Spielens zu lügen, ist laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein Kennzeichen für Glücksspielsüchtige - das Spiel mit immer höheren Einsätzen und kriminelle Geldbeschaffung ein weiteres. In Deutschland gebe es Schätzungen zufolge 200.000 pathologische, also krankhafte Glücksspieler, sagt Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim. Dazu kämen rund 300.000 problematische Spieler.

Der Großteil zockt an Automaten. Bei knapp 77 Prozent der Spieler, die sich an ambulante Beratungs- oder Behandlungsstellen begeben, ist das die Hauptglücksspielform. Das geht aus der Suchthilfestatistik 2017 des Instituts für Therapieforschung hervor.

Faktische Duldung der illegalen Spiele

"Einmal im Monat, damit fing es an", erzählt Brümmer. "Zum Schluss habe ich in Spielhallen an 20 Automaten gleichzeitig gespielt. Der Kontrollverlust ist grenzenlos." Die letzten drei Jahre der Sucht spielt Brümmer von zu Hause, im Internet. "365 Tage im Jahr 24 Stunden geöffnet - das Paradies für jeden Spieler."

Online-Casinos und Online-Poker gehören zum nicht-regulierten Glücksspielmarkt - sie sind nach deutschem Recht illegal. Zu diesem Schwarzmarkt zählen Glücksspielangebote, die nicht über eine deutsche Konzession, wohl aber über eine aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat verfügen. Ein Großteil davon wird faktisch geduldet.

Online-Glücksspiel wird bei Jugendlichen immer beliebter.
Online-Glücksspiel und Online-Poker sind in Deutschland illegal. Trotzdem werden sie zum Großteil faktisch geduldet.
Quelle: Axel Heimken/dpa

Nicht-regulierter Markt boomt

Von den rund 14,2 Milliarden Euro Umsatz der Glücksspielanbieter 2017 in Deutschland wurden 22 Prozent im nicht-regulierten Bereich gemacht, in den auch Sportwetten im Internet fallen. Die Zahlen stammen aus dem Jahresreport der Glücksspiel-Aufsichtsbehörden der Länder. Während der regulierte Markt im Vergleich zum Vorjahr nur um 1 Prozent wuchs (157 Mio. Euro), legte der nicht-regulierte Markt um 24 Prozent zu (626 Mio. Euro).

Derzeit debattieren die Bundesländer über eine Reform des Glücksspiel-Staatsvertrags. Vorgesehen ist eine Öffnung des Sportwettenmarktes. Das Online-Glücksspiel soll nach jetzigem Stand aber weiter verboten bleiben.

Glücksspielforscher Becker fordert stärkere Kontrolle und Regulierung durch eine länderübergreifende Behörde. Vor allem der Spielerschutz müsse weiter vorangetrieben werden: "Experten sind sich einig, dass eine Sperrdatei eine ganz wichtige Präventionsmaßnahme bei Glücksspielsucht ist." Bisher gibt es ein Sperrsystem für alle Spielhallen nur in Hessen. Die Sperre können die Spieler selbst, Angehörige oder auch die Betreiber beantragen.

Schutz der Spieler durch Personal und neue Maßnahmen

Georg Stecker, Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW), spricht sich für ein bundesweites biometrisches Zugangssystem aus. "Wir wollen mit Süchtigen kein Geld verdienen." Der Verband verweist auf geschultes Personal in den Spielhallen - nur im legalen Rahmen könnten Spieler geschützt spielen. Bundesweit sind nach Angaben des Verbands rund 278.000 bargeldbetätigte Spielgeräte aufgestellt - 82.000 davon stehen nicht in Spielhallen, sondern in gastronomischen Betrieben.

Wie viel Umsatz auf Spielsüchtige zurückgeht, dazu gibt es laut Glücksspielforscher Becker keine Erhebung. Brümmer verzockte manchmal Tausende Euro in einer Nacht. 18 Monate Therapie benötigte er. Elf Jahre hat er bislang ohne Rückfall bewältigt. Das ist nicht selbstverständlich, wie er aus vielen Erzählungen weiß. Der 50-Jährige leitet mittlerweile eine Selbsthilfegruppe für Spieler.

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